Raised by Wolves: Review der Pilotepisode

Raised by Wolves: Review der Pilotepisode

Mit der Sci-Fi-Serie Raised by Wolves von Ridley Scott präsentiert die US-Plattform HBO Max ihre bislang ambitionierteste Eigenproduktion. Vikings-Star Travis Fimmel spielt im Androiden-Drama einen der letzten Menschen, der einen Religionskrieg kämpft...

Raised by Wolves (c) HBO Max
Raised by Wolves (c) HBO Max
© aised by Wolves (c) HBO Max

Mit einem Monatsbeitrag von knapp 15 Dollar steht HBO Max zumindest preislich an der Spitze aller US-amerikanischen Streaminganbieter. Seit Mai gibt es die Plattform in ihrem Heimatland nun schon, während sie international noch keine allzu großen Marktambitionen erkennen lässt. Und auch mit Blick auf den Katalog an Eigenproduktionen hat man sich bislang noch sehr zurückgehalten. Eigentlich erschien nur die Liebeskomödie Love Life mit Anna Kendrick. Zum Vergleich: Apple TV+ (mit For All Mankind) oder Disney+ (mit The Mandalorian) konnten im Vorjahr deutlich fulminanter durchstarten.

Um sich nicht länger nur auf Warner-Streifen wie „Justice League“ und auf alte Serien-Erfolge wie Friends zu verlassen, setzt HBO Max nun große Hoffnungen auf Raised by Wolves. Die Sci-Fi-Serie, die von Aaron Guzikowski („Prisoners“) geschrieben und deren Pilot von niemand Geringerem als Sir Ridley Scott („Blade Runner“) inszeniert wurde, feiert am heutigen Donnerstag, den 3. September offiziell Premiere. Um dem Projekt zusätzliche Zugkraft zu verleihen, wurde auch der Vikings-Star Travis Fimmel verpflichtet. Kann das Androiden-Drama überzeugen?

Worum geht's?

Die Prämisse von Raised by Wolves geht so: Zwei Androiden, genannt Mother (Amanda Collin) und Father (Abubakar Salim), landen auf einem fernen Planeten, auf dem sie eine neue Zivilisation von Menschen großziehen, nachdem die Erde in zerstörerischen Religionskriegen versank. Fernab von allem Bösen, also allem Menschlichen, leben der kleine Campion (Winta McGrath) und seine Geschwister Paul (Felix Jamieson), Hunter (Ethan Hazzard), Tempest (Jordan Loughran), Holly (Aasiya Shah) und Vita (Ivy Wong) wie im Paradies. Und ihre künstlichen Eltern sind sozusagen Adam und Eva.

Doch auch dieser - zugegeben etwas karge - Garten Eden wird bedroht, sobald der Apfel der Erkenntnis aufblüht. Ein unvermeidbares Unglück stürzt die unkonventionelle Familie in eine schwere Glaubenskrise - und das, obwohl Religion auf diesem neuen Planeten eigentlich tabu ist. Bald kriegen sich auch die strenge Mother und der weichherzige Father in die Haare. Und als die Kinder älter werden, stellen auch sie immer mehr Fragen, die gefährliche Antworten bergen...

HBO Max
HBO Max - © HBO Max

Und dann tritt Marcus aufs Parkett, gespielt vom eigentlichen Serienstar Fimmel. Er gehört zu den wenigen Menschen, die die Kriege auf der Erde überlebt haben. Er und seine Glaubensbrüder bringen wie einst die katholischen Konquistadoren die Religion und all den Hass, den sie nährt, mit in die neue Welt, die bis dahin so friedlich war. Mother spürt beim ersten Aufeinandertreffen die Gefahr, die von den Fanatikern ausgeht. Dabei ist sie selbst so mächtig, dass ihr kaum ein Wesen aus Fleisch und Blut wirklich gefährlich werden kann. Marcus und Co wollen die Menschenkinder aus den Fängen der Androiden befreien. Außerdem glauben sie in Campion ihren neuen Propheten und Erlöser gefunden zu haben.

Vorsicht: Nun folgen Spoiler zum Finale der ersten Folge! Die Eskalation war logischerweise unvermeidlich und Mother macht am Ende kurzen Prozess mit den Menschen. Fühlt sich die erste Hälfte vom Pilot noch wie eine philosophisch-psychologische Andacht über das Androiden-Dasein an - ganz im Stil von „Blade Runner“ -, so kann die zweite Hälfte, in der Mother an Bord des Raumschiffs ihrer ungebetenen Gäste Amok läuft, wohl am ehesten mit „Alien“ verglichen werden. Ridley Scott kann als Regisseur also seine komplette Palette abrufen. Und die Darstellerin Collin spielt die Figur großartig gruselig.

Fazit

Alles in allem gibt Raised by Wolves ein vielversprechendes Debüt bei HBO Max - ein Flop wäre bei so viel involviertem Talent und Erfahrung schier skandalös gewesen. Zwar macht der Auftakt wenig Hoffnungen darauf, dass die zwei Parteien, also Mother und Marcus, auch nur annähernd auf Augenhöhe kämpfen werden, aber die Geschichte ist moralisch komplex genug, dass man ohnehin noch nicht richtig weiß, auf welcher Seite man sich überhaupt einordnen will. Travis Fimmel gilt eigentlich immer als Sympathieträger, doch scheint er hier einen religiösen Spinner zu spielen - außer er lässt im weiteren Verlauf der zehnteiligen Auftaktstaffel noch weitere Facetten erkennen. Und Amanda Collin wirkt in ihrer Rolle absolut unheimlich, wenn nicht gar monströs, scheint allerdings tatsächlich nur das Beste für die Kinder im Sinn zu haben...

Visuell lässt die Sci-Fi-Serie ebenfalls noch keine Schwächen erkennen, wobei die Schauwerte in heutigen Zeiten sowieso das Mindeste sind, was selbst die schlechteren Produktionen inzwischen auf die Reihe kriegen. Einzig beim Setdesign kann es gern noch etwas kreativer und abgespacter werden, denn immer nur auf Sand zu starren, wirkt langfristig sicher eintönig. Die Szenen auf dem Raumschiff haben ja bewiesen, dass Ridley Scott eines der besten Augen in dem Bereich hat. Abschließend gilt es auch zu loben, dass sich HBO Max mit Raised by Wolves ausnahmsweise mal einem gänzlich neuen Stoff angenommen hat. Zwar ist das Thema Androiden auch nicht mehr das neuste, zumal sich der Regisseur selbst schon in den frühen Achtzigern damit auseinandergesetzt hat. Aber wenigstens basiert das Ganze nicht auf einer bereits mehrfach adaptierten Buchvorlage (der vorwurfsvolle Blick wandert rüber Richtung Brave New World bei Peacock).

Hierzulande wird Raised by Wolves ab Mittwoch, den 16. September immer wöchentlich um 20.15 Uhr bei TNT Serie laufen.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Sci-Fi-SerieRaised by Wolves:

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