Rain Dogs 1x05

Rain Dogs 1x05

Die Dramaserie Becoming Charlie von ZDFneo erzählt aus einer Plattenbausiedlung, in der wir Charlie begleiten. Hierbei geht es um die Suche nach der eigenen Identität zwischen Rap, Genderfragen und sozialem Elend.

Poster zur Serie Becoming Charlie (c) ZDFneo
Poster zur Serie Becoming Charlie (c) ZDFneo
© oster zur Serie Becoming Charlie (c) ZDFneo

Mit der Dramaserie Becoming Charlie wagt man sich beim ZDF in neue Bereiche vor. Die Serie, deren Episoden jeweils gut eine Viertelstunde lang sind, erzählt von Charlie, die sich zwischen Plattenbauten, wirtschaftlichen Sorgen, Freundschaft und Rap auf den Weg macht, die eigene nichtbinäre Identität zu erforschen.

Wovon handelt die Serie Becoming Charlie?

Charlie (Lea Drinda) ist Anfang 20 und lebt in der Offenbacher Platte. Ihr Freundeskreis trifft sich zwischen den Häuserschluchten, um Musik zu hören und zu quatschen. Dazu gehört auch ihre Kindheitsfreundin Alina (Aiken-Stretje Andresen). Die beiden sind immer füreinander da, üben gemeinsam küssen. Doch Alina kann sich nicht komplett auf diesen Pfad begeben. Sie erwartet ein Kind von Enzo (Rouven Israel) und findet es ohnehin verwirrend, dass ihre beste Freundin sich immer wieder wie ein Typ verhält.

Zu Charlies Leben gehört auch ihre Mutter Rowena (Bärbel Schwarz), die mit eigenen Problemen zu kämpfen hat und sich mehr aufführt wie eine unzuverlässige Mitbewohnerin als eine Mutter. In der Pilotepisode lernen wir ihre Schwester Fabia (Katja Bürkle) kennen, der Rowena 1500 Euro schuldet. Fabia hat wenig Mitgefühl, sie arbeitet hart und erwartet das auch von anderen. Sie nimmt sich das Geld zurück, auch wenn das technisch nicht Rowena gehört, sondern Charlie, die es sich ein Jahr lang von ihrem Lieferfahrdienst-Gehalt angespart hat.

Dann fällt der Strom aus in der Wohnung von Charlie und ihrer Mutter, weil Rowena über Monate die Rechnungen und Mahnungen ignoriert hat. Als Charlie merkt, dass sie die Situation überhaupt nicht ernst nimmt und in ihrer eigenen Welt bleibt, nimmt erstere die Sache in die Hand. Sie will das Geld bei Fabia und deren Partnerin Maya (Dalila Abdallah) abarbeiten, auch wenn sie dabei bis zur Erschöpfung schuften muss.

Wie kommt es rüber?

Immer wieder erfüllen die Öffentlich-Rechtlichen ihren Bildungsauftrag auch in der Hinsicht, dass sie versuchen, ihren Zuschauer:innen potentiell neue Lebenswelten zu eröffnen. Manchmal kommen dabei solide, wenn auch nicht fehlerfreie Serien wie die Dramedy All You Need über einen homosexuellen Freundeskreis heraus. Leider landen aber auch immer noch zu viele Produktionen in der Fremdschäm-Schublade, in der zum Beispiel die ZDF-Sitcom The Drag and Us feststeckt. „Becoming Charlie“ gehört hier allerdings nicht rein. Ganz im Gegenteil: Hier zeichnet sich in der Pilotepisode eine authentische und sensibel gezeichnete Story ab, mit der die Serienmacher begeistern können.

So stoisch, wie Charlie oft mit ihrer Situation umgeht, so ruhig bleibt auch die Serie. Undramatisch begleitet sie uns durch das Drama, das sich durch die Leben der Figuren zieht. Denn richtig glücklich kann hier niemand sein. Und das liegt vor allem daran, dass die Plattenbauten in Offenbach kein Ort sind, der das Glück anzieht...

Von der ersten Minute an zeichnen sie daher ein authentisches Bild ohne falsche Sozialromantik. Die jungen Menschen um Charlie haben nicht einmal die Genugtuung, dass sie immerhin in einer weithin berüchtigten Stadt leben. Zwischen ihren Plattenbauten findet man keine melodramatische Kino-Szenerie, in die sich die Influencer gerne verirren.

In der ZDF-Serie steht die deprimierende Enge und Hoffnungslosigkeit im Vordergrund, die alle dort fühlen. Wir erleben, wie die Figuren alle auf ihre eigene Art versuchen, damit umzugehen und ihr vielleicht sogar entkommen zu können. Mit Enzo, dem werdenden Vater, der seinen Freunden stolz sein erstes Auto vorführt, „sein Baby“, wie er es nennt, wirft das überaus clevere Drehbuch sogar schon einen langen Schatten voraus auf die Leben der noch ungeborenen Bewohner des Viertels...

Auch die Darsteller:innen sind ein gutes Argument, einzuschalten. Von dem gewöhnungsbedürftigen Look vieler thematisch ähnlicher Produktionen ist Becoming Charlie weit entfernt. Wie reden Menschen, die im Plattenbau aufwachsen und kann man das richtig oder falsch darstellen? Für die neue ZDFneo-Serie lässt sich sagen, es kommt in der Pilotepisode kein Fremdschäm-Moment auf. Die Unterhaltungen der Figuren stellen die Probleme und Eigenheiten der Charaktere in den Vordergrund und versuchen, uns nicht über die Konversation eine Sozialstudie unterzuschieben. Jeder hat seine eigene Art zu reden und dabei nehmen sowohl die Autoren als auch die Darsteller und die Regie die Charaktere für voll und lassen sie nicht zu laufenden Klischees verkommen.

Für den aufgeklärten Zuschauer wird schnell deutlich, dass Charlie sich nichtbinär fühlt. Das kann Charlie selbst jedoch zunächst nicht in Worte fassen und ihre Umgebung steht dem Konzept kopfschüttelnd gegenüber. Doch Verständnis folgt in dieser Konstellation, wie es im wahren Leben auch oft ist, nach und nach. Langsam, leise, aber stetig erkennen alle, dass etwas im Entstehen ist und jede Figur begegnet mit ihren eigenen Fehlern, Unsicherheiten und Unzulänglichkeiten, aber auch Stärken dieser unbekannten Situation.

Die sechs Episoden der ersten Staffel sind in der Mediathek des ZDF zu streamen.

Hier abschließend der Trailer zur Serie „Becoming Charlie“, die in der ZDF-Mediathek streambar ist:

Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Dienstag, 24. Mai 2022
Episode
Staffel 1, Episode 5
(Rain Dogs 1x05)
Titel der Episode im Original
Emotional Erection
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Montag, 3. April 2023 (BBC One)
Autor
Cash Carraway
Regisseur
Jennifer Perrott

Schauspieler in der Episode Rain Dogs 1x05

Darsteller
Rolle
Daisy May Cooper
Jack Farthing
Ronke Adekoluejo

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?