Ragnarök 1x01

Ragnarök 1x01

Die Netflix-Serie Ragnarök spielt in der fiktiven norwegischen Kleinstadt Edda, in der zunehmende Naturkatastrophen und sich verändernde Wetterverhältnisse den Bewohnern zu schaffen machen. Eine Gruppe von Jugendlichen glaubt, dies seien erste Anzeichen auf die bevorstehende Götterdämmerung.

Ragnarök (c) Netflix
Ragnarök (c) Netflix
© agnarök (c) Netflix

Worum geht's?

Na ja, erneut ist diese Frage in Bezug auf die Pilotepisode der norwegischen Netflix-Serie Ragnarök nicht so leicht zu beantworten, da zahlreiche Handlungsstränge so ineinander verwoben wurden, dass es recht schwerfällt, den Überblick zu behalten.

Der Jugendliche Magne (David Stakston) und seine Familie, bestehend aus seiner Mutter und seinem Bruder Laurtis (Jonas Strand Gravli), kehren in ihre ehemalige Heimatstadt Edda in Norwegen zurück. Der Umzug folgte auf ein neues Jobangebot der alleinerziehenden Mutter, die beiden Teenager sind aber alles andere als begeistert. Bereits bei der Einfahrt in die Kleinstadt kommt es zu einer ersten seltsamen Begegnung zwischen Magne und einer älteren Anwohnerin, die ihn in eine unverständliche Konversation verwickelt. Hier wird schon deutlich, dass Magne eine besondere Rolle im Handlungsgeflecht einnehmen wird, denn an dieser Stelle zeigt sich zum ersten Mal implizit, dass der Junge übermenschliche Fähigkeiten hat.

Des Weiteren führen unvorhergesehene Wetterverhältnisse zu einer unbehaglichen Stimmung.

Magne und Laurtis erleben in den folgenden Sequenzen ihren ersten Tag an der neuen Schule. Die beiden Brüder sind im selben Jahrgang, obwohl Magne einige Jahre älter ist. Dies liegt daran, dass Magne aufgrund seiner Legasthenie in einigen Fächern Schwierigkeiten hat und deswegen mehrere Klassen wiederholen musste. Dennoch freundet sich der Jugendliche mit seiner Sitznachbarin Isolde (Ylva Bjørkaas Thedin) an und verbringt die Pausen mit ihr. Das Mädchen ist Umweltaktivistin und vertritt ihre radikale Meinung auf ihrem YouTube-Kanal. Isolde ist der festen Überzeugung, dass die Stadt an einer zunehmenden Verseuchung leidet und ihre Mutter wegen des Konsums des örtlichen Leitungswassers an Krebs erkrankt und daran verstorben ist.

Gemeinsam mit Magne will die junge Aktivistin einen örtlichen Berggipfel erklimmen, welchen Magne bereits während seiner Kindheit oft besucht hatte und sich immer an den beeindruckenden Gletschern erfreuen konnte. Isolde warnt jedoch vor einer Enttäuschung, da das Eis seit seinem letzten Aufstieg wegen der Folgen der Erderwärmung schon immens zurückgegangen sei. Als Magne eine beunruhigende Benachrichtigung von seinem Bruder erhält, lässt er seine neue Freundin auf dem Berg zurück und eilt zu seiner Familie. Isolde setzt ihre Wanderung alleine fort und macht, bei den Gletschern angelangt, eine schockierende Entdeckung. Beim Paragliding (beziehungsweise eventuell auch bereits davor, dies wird sich in den folgenden Episoden herausstellen) verletzt sich das Mädchen tödlich, als es sich in einem Stromnetz verfängt. Magne macht sich enorme Vorwürfe und leidet an dem Verlust seiner Freundin, da er mit ihr auch eine der wenigen Personen verliert, die ihm wirklich nahestehen.

Unterdessen entdeckt er zudem seine übernatürlichen Fähigkeiten und eine verstörend wirkende Opferzeremonie wird auf dem Berggipfel durchgeführt.

Klimawandel, Lesben, Götter und Co.

Wir erleben den Mythos um eine Kleinstadtidylle, in der nichts so ist, wie es zu sein scheint. Ein recht typisches Ausgangsmaterial, doch genauer betrachtet hebt sich „Ragnarök“ inhaltlich doch sehr von bereits bekannten Mustern ab. Der Ansatz der Serie klingt durchaus auch innovativ und spannend: die Verbindung einer Sage der nordischen Mythologie mit der hochaktuellen Klimathematik, sich abspielend in einer unschuldig wirkenden Kleinstadtharmonie. Aber, ob dieses Konzept auch wirklich funktioniert und alles auf zufriedenstellende Art und Weise unter einen Hut bringen kann, bezweifle ich. Und, ob dies in den kommenden Episoden noch gelingen wird, ist fraglich, denn in der Pilotepisode wirkt der Zusammenwurf der verschiedenen Komponenten zum Großteil eher verwirrend.

So spielen sich beispielsweise zahlreiche verschiedene Handlungspunkte nebeneinander ab, die man beim Sichten nicht so wirklich miteinander verstricken kann. Viele dieser Parallelgeschichten haben zudem nicht wirklich eine vorantreibende Funktion für die tatsächliche Haupthandlung. Beispielsweise Isoldes Homosexualität und ihre Schwärmerei für eine beliebte Mitschülerin sind mit großer Wahrscheinlichkeit nicht relevant für den folgenden Verlauf der Serie, da das Mädchen bereits in Episode eins von der Bildfläche verschwindet. Auch wird man aus Magnes Bezug zu einigen der älteren Dorfbewohnern nicht schlüssig, die ihm immerzu geheime Botschaften zuflüstern. Nun gut, dies wird eventuell noch später von Interesse sein. Doch insgesamt macht dieser Mischtopf an Informationen das Zuschauen recht mühsam und zäh, da man kein wirklich durchdachtes Konstrukt dahinter erkennen kann. Was ist denn nun tatsächlich der Hauptstrang der Handlung? Wo ist der rote Faden und gibt es diesen überhaupt? Klar handelt es sich hier um eine Pilotfolge und es ist immer kompliziert, die Figuren und das Geschehen in der ersten Episode ausreichend und gleichzeitig verständlich zu etablieren. Aber hier entscheidet sich oftmals auch, ob das Interesse am Sujet bestehen bleibt oder nicht. Und, um meine Meinung ehrlich zu vertreten, weiß ich nicht, ob ich nach dieser Pilotfolge dem Folgenden noch eine Chance geben werde.

Magne hat viel Temperament und kann auch gewalttätig werden

Ach, ist das tatsächlich so? Denn die Figuren wirken teils nicht besonders überzeugend. So wird die Hauptfigur Magne von seiner eigenen Mutter selbst als temperamentvoll und impulsiv beschrieben, erweist sich aber in den meisten Szenen als das komplette Gegenteil des Gesagten. Im Großteil der Szenen wirkt Magne sehr zurückhaltend, introvertiert, schweigsam und ja, fast unmotiviert. Es ist recht schwer, einen Zugang zum Hauptcharakter zu finden - nicht, weil er unsympathisch wirkt, sondern weil seine Leere und Emotionslosigkeit einen beim Sichten teilweise fast ansteckt. Der einzige Moment des Ausbruchs stellt wohl der Verlust seiner neuen Freundin Isolde dar, doch auch hier schafft er es nicht komplett, seine Gewohnheiten abzuschütteln. Schade um Isolde, denn mit ihr verliert die Serie bereits die Figur, die in der ersten Folge noch am sympathischsten wirkte und auch recht realitätsnah geschrieben wurde.

Insgesamt entsteht beim Sichten eine recht unbehagliche Atmosphäre, der man aber visuell nicht so wirklich auf den Grund gehen kann. Normale Landschaftsbilder werden mit gefährlichen Geräuschkulissen unterlegt, die etwas aufzeigen wollen, was optisch nicht ersichtlich ist. Dies wirkt in vielen Sequenzen beim ersten Betrachten etwas verwirrend und missverständlich. Auf eine gewisse künstlerische Art und Weise ist diese Taktik aber sogar gelungen, denn beim Klimawandel selbst handelt es sich ja auch nicht um ein Phänomen, welches visuell zu verfolgen ist, aber zunehmend zu einer ernsten und gefährlichen Bedrohung für die Menschheit wird und wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen schwebt. Auf diese Weise unterstreicht die gefährliche Tonspur unter dem Landschaftsstillleben die unsichtbare Gefahr auf einer akustischen Ebene.

Ob das aber tatsächlich das Hauptthema der Serie ist und wohin „Ragnarök“ mit seiner Handlungsschilderung überhaupt möchte, lässt sich in der ersten Folge allerdings wirklich nicht beantworten.

Fazit

Insgesamt lässt sich sagen, dass die norwegische Serie „Ragnarök“ ein interessantes Konzept hat, das in gewissem Grade auch den Zahn der Zeit trifft und dies mit althergebrachten Mythen zu verbinden versucht. Ob das gelingt, lässt sich anhand der Pilotepisode allerdings nicht beantworten. Beim Sichten der ersten Folge kann noch nicht wirklich ein Zusammenhang hinter all dem hergestellt werden und man bleibt etwas verwirrt und auch frustriert zurück - nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für einen Piloten. Möglicherweise kommt etwas Licht ins Dunkel, wenn man die Serie tapfer weiterverfolgt und ein roter Faden entsteht. Ob es sich tatsächlich lohnt, sich bis zum Ende durchzukämpfen, ist ungewiss.

Im Großen und Ganzen wirkt „Ragnarök“ wie eine innovative Idee, deren Potential wie so oft leider nur teilweise ausgeschöpft wurde.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie Ragnarök:

Verfasser: Mariano Glas am Freitag, 31. Januar 2020

Ragnarök 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Ragnarök 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Neue
Titel der Episode im Original
Ny gutt
Erstausstrahlung der Episode in Norwegen
Freitag, 31. Januar 2020 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 31. Januar 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 31. Januar 2020
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 31. Januar 2020
Autor
Adam Price
Regisseur
Mogens Hagedorn

Schauspieler in der Episode Ragnarök 1x01

Darsteller
Rolle
Henriette Steenstrup
Gísli Örn Garðarsson
Synnøve Macody Lund
Ran

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