Rabbit Hole: Review der Pilotepisode

Rabbit Hole: Review der Pilotepisode

In Rabbit Hole bei Paramount+ gerät der für große Investoren arbeitende Trickser John Weir in eine verzwickte Lage, als er einen Auftrag annimmt, der ihn in eine böse Falle lockt. Wer Kiefer Sutherland in Hochform erleben möchte und spannende Verschwörungsthriller mag, sollte unbedingt reinschauen.

Postermotiv zur Serie Rabbit Hole
Postermotiv zur Serie Rabbit Hole
© Paramount+

Das passiert

John Weir (Kiefer Sutherland) hat einen lukrativen, aber fiesen Job. Im Auftrag skrupelloser Wall-Street-Spekulanten bringt er Konkurrenten zu Fall, um die Gewinne seiner Klienten ins Unermessliche zu steigern. Seine Mittel sind durchtrieben und bis ins kleinste Detail durchdacht. Doch eines Tages muss er seine eigene, bittere Suppe schmecken. Er wird von seinem ehemaligen Partner Valence (Jason Butler Harner) angeheuert, die Chefin der „Banomar Group“, Dana Heinrich, und den leitenden Beamten des Finanzministeriums, Edward Homm (Rob Yang) in eine kompromittierende Situation zu bringen. Weir führt seinen Auftrag routiniert und sauber aus, doch dann geht alles schief, denn plötzlich ist Homm tot und John wird per Großfahndung als Mörder gesucht.

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(K)ein ganz normaler Beginn

Ein Mann sitzt in einem Beichtstuhl und erzählt einem Pfarrer, dass sein Leben auf den Kopf gestellt ist und er herausfinden muss, warum, Er sucht weder Trost, noch Absolution, sondern lediglich einen Menschen zum Reden. So beginnt die neue Thriller-Serie Rabbit Hole mit Kiefer Sutherland, der mit seiner Rolle als John Weir einen riesigen Hit landen könnte, wenn die acht Folgen der Staffel halten, was der Pilot verspricht. Anhand der kurzen, in der Jetzt-Zeit der Serie verorteten Szene wissen wir, dass Weir einer für ihn unkontrollierbaren Situation ausgesetzt ist und er sich in Gefahr befindet.

Mit der Antwort auf das Warum und dem Weshalb lässt sich das Autoren-Duo Glenn Ficarra und John Requa, die auch Regie führen, von nun allerdings noch rund eine halbe Stunde Zeit. Zunächst einmal gilt es, die Hauptfigur adäquat einzuführen - und das gelingt mit einem Blick in die Vergangenheit hervorragend.

John Weir ist ein Trickser, der sich für seine Künste von stinkreichen Wall-Street-Yuppies üppig entlohnen lässt. Seine Aufträge, und vor allem die Art, wie er sie ausführt, rufen dabei witzigerweise Erinnerungen an Serienklassiker wie „Mission Impossible“ (gemeint ist die Serie aus den 60ern) wach. Um einen Börsenspekulanten dazu zu verleiten, eine folgenschwere Fehlentscheidung zu treffen, baut er beispielsweise mit seinem Team ein herrlich pfiffig konstruiertes Lügenkonstrukt samt ins laufende Programm eingeschleuster Fake-News ein. Das ist nett anzusehen und kommt auch recht unterhaltsam rüber, mehr aber an dieser Stelle noch nicht.

Das ändert sich allerdings einige Minuten später, als ihn sein Freund Valance beauftragt, die Chefin des Großunternehmens „Banomar Group“ und einen hochrangigen Beamten des Finanzministeriums in eine peinliche Situation zu bringen, ohne dass die beiden sich bisher je begegnet sind. Es macht Spaß, mitanzusehen, wie John und seine Spezialisten einen smarten Plan ausbaldowern und diesen in die Tat umsetzen. Jede denkbare Unwägbarkeit wird bedacht. Am Ende hält Weir eine Fotoserie in der Hand, auf denen es so aussieht, als würde der Mitarbeiter des Finanzministeriums soeben geschmiert.

Vom smarten Trickster zum Gejagten

Bis hierhin könnte man noch denken, dass die Serie auf einen ganz besonders aberwitzigen Auftrag hinausläuft, allerdings schwebt permanent ein durch einen tollen Score unterstrichenes bedrohliches Gefühl durch die Luft. Auch, wenn eigentlich nichts darauf hindeutet, man spürt, dass bald das Chaos über John hereinbricht. Im Verbund mit der herausragenden Schauspielleistung von Kiefer Sutherland ist dies ein großer Motivator, um dranzubleiben. Und das lohnt sich, denn tatsächlich geht von nun an Weirs Leben den Bach herunter.

Bei einem Auftrag in einer Bar lernt er eine attraktive Frau kennen und landet mit ihr im Bett. Am nächsten Morgen findet er jedoch heraus, dass das Hotelzimmer mit Kameras verwanzt ist. Er zerstört jeden Beweis für die Sex-Nacht, beleidigt sie noch einmal kräftig und verlässt das Hotel. Doch die Frau geht ihm nicht aus dem Kopf und so lässt sie Weir einige Tage später von seinem Team überprüfen. Es stellt sich heraus, dass sie offenbar nichts von der Überwachung wusste, woraufhin er sie aufsucht, um sich für sein Benehmen zu entschuldigen.

Mitten im Gespräch blickt sie jedoch geschockt nach oben auf eine riesige LED-Leinwand, auf der gerade eine Nachrichtensendung läuft. Die Situation ist klasse gefilmt und verstärkt das mulmige Bauchgefühl der Zuschauerschaft. Ein kurzer Schnitt und ein Kameraschwenk reichen, um das ganze Ausmaß des Desasters deutlich zu machen. Homm wurde ermordet und John wird plötzlich als eiskalter Killer gesucht.

Tonwechsel

Szenenfoto aus der Serie Rabbit Hole
Szenenfoto aus der Serie Rabbit Hole - © Paramount+

Ab jetzt ändert sich der Ton der Folge und wechselt vom Leichtfüßigen ins Dramatische. Denn schon beim Anschauen der News-Schnipsel wird deutlich, dass jemand Weir hereingelegt hat und ihn zum Sündenbock für was auch immer abstempeln lässt. Überrascht, verärgert und ein wenig verzweifelt sucht er Valence auf, der ihm den Auftrag erteilt hatte. Hier hält die Geschichte einen zweiten Twist bereit, denn der Finanzier befindet sich offenbar in der Hand einer Person oder einer Organisation mit fast grenzenlosen Mitteln.

Ihre Macht reicht so weit, dass Valence sich nur aufgrund eines Anrufs und einer WhatsApp aus dem Fenster stürzt, eine starke Entwicklung. Doch es kommt noch schlimmer. Als Weir flieht und sein Büro erreicht, muss er von der Straße aus mit ansehen, wie es mitsamt seinem Team in die Luft fliegt. Von nun an ist er auf sich alleine gestellt. Nur die FBI-Agentin Jo Madi (Enid Graham) könnte sich als Helferin in der Not erweisen. Zwar hängt sie an John wie eine Klette, um an seine Auftraggeber heranzukommen, doch sie kennt ihn gut genug, um zu wissen, dass er niemals einen Menschen umbringen könnte. Damit stellt die Serie der Verschwörung einen „Minuspol“ entgegen, der in den folgenden Episoden mitentscheidend für den Verlauf der Story werden könnte.

Die letzten Szenen halten erneut eine Überraschung bereit. Der Gejagte versteckt sich im verlassenden und heruntergekommenen Haus seiner Eltern, wo im Keller ein gefesselter Mann auf ihn wartet. Um wen es sich handelt, verraten wir an dieser Stelle nicht, doch es sei vorweggenommen, dass sich die Macher hier einen starken Cliffhanger einfallen ließen.

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Fazit

Rabbit Hole ist eine intelligent geschriebene Serie - das merkt man schon in den ersten Minuten. Die Vorstellung der Hauptfigur gerät einfallsreich und clever, das Bedrohungsmoment wird langsam, aber kontinuierlich aufgebaut und ab Mitte der Episode jagt ein Wendepunkt den nächsten. Was als die spaßige Lebensgeschichte eines ausgebufften Tricksters beginnt, mündet in eine verwinkelte Thrillerserie, die das Publikum nach der ersten Folge mit einem Wust von Fragen zurücklässt, welche unter den Nägeln brennen und unbedingt beantwortet werden wollen. Kiefer Sutherland präsentiert sich in Emmy-verdächtiger Spiellaune und erschafft vor den Augen des Publikums eine Figur, für die man zunächst vielleicht gar nicht mal so große Sympathien hegt, der man aber trotzdem gebannt auf Schritt und folgt. Das ist genial und verlangt nach mehr.

Viereinhalb von fünf Rabbit Holes.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Rabbit Hole“:

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