Quicksand: Review der Pilotepisode

© zenenbild aus „Quicksand“ (c) Netflix
Noch internationaler, noch vielfältiger soll das Angebot auf Netflix werden und so startet nun auch die erste schwedische Produktion des Streaminggiganten. Basierend auf dem Thriller-Bestseller von Malin Persson Giolito erzählt Quicksand die Geschichte von Maja (Hanna Ardéhn), einer 18-jährigen Schülerin, die blutverschmiert und traumatisiert nach einem Amoklauf in ihrem Klassenzimmer aufgegriffen wird. Es beginnt eine Story, in der der Zuschauer durch die düstere Gegenwart und die sonnige Vergangenheit geführt wird und zunehmend an dem so zerbrechlich wirkenden, jungen Mädchen zweifelt.
Eine laue Sommernacht
Maja und Sebastian (Felix Sandman) kennen sich bereits seit ihrer Kindheit. Während sie sich damals ihren ersten unschuldigen Kuss geteilt haben, entwickelt sich Jahre später eine ernsthaftere Beziehung zwischen den beiden. Die Jugendlichen stammen aus wohlhabenden Familien und wohnen in einem der reichsten Vororte Stockholms. Zu so einem Lebensstandard gehört selbstverständlich auch ein schöner Urlaub und so wird Maja kurzerhand von Sebastian und seinem Vater auf dessen Yacht eingeladen.
Die Rückblenden lassen noch nichts Böses erahnen, sondern zeigen stattdessen den normalen Verlauf einer Teenie-Lovestory. Junge verliebt sich in Mädchen, Mädchen verliebt sich in Jungen. Gut, vielleicht nicht ganz normal, immerhin verbringen sie plötzlich alleine (mit 14 Crewmitgliedern) den Urlaub auf einer Yacht. Doch Majas zurückhaltende Art und ihr solides Umfeld lässt nicht gerade auf eine Killerin schließen. Auch, dass Sebastians Vater ihm den Kontakt zu seiner Mutter verwehrt, die Teenies Marihuana konsumieren und im Gegensatz zu US-amerikanischen Teenieserien überraschend undramatisch Sex haben, beantwortet nicht mal im Ansatz, wie es zu der blutigen und grausamen Tat kommen konnte.
Fragen über Fragen
Doch in die ist Maja unwiderlegbar verwickelt. Nachdem sie am Tatort aufgefunden wurde und sogar ihre Fingerabdrücke an der Tatwaffe sichergestellt werden konnten, muss sie in Untersuchungshaft und darf keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen. An dieser Stelle sollte angemerkt werden, dass Hanna Ardéhn die Rolle von Maja - eines am Boden zerstörten und völlig paralysierten Mädchens - so überzeugend verkauft, dass der Zuschauer von vornherein erst mal davon ausgeht, dass dieses Mädchen unter keinen Umständen vorsätzlich jemanden ermordet hat.
Abgesehen davon bekommt der Zuschauer recht wenig Informationen an die Hand. Wir wissen weder, was Maja denkt oder fühlt, noch, wie die Ermittlungen laufen oder was tatsächlich in dem Klassenzimmer vorgefallen ist. Dies führt zwar zu einer recht einseitigen Darstellung der Geschehnisse, erzeugt jedoch gleichzeitig ein beklemmendes Gefühl der Ahnungslosigkeit, das zum Weiterschauen animiert. Endgültig der Verwirrung erlegen sind wir dann, als wir am Ende der Episode Maja Maja und Sebastian sehen, wie sie sich mit einem verschwörerischen Blick in das Klassenzimmer begeben, die Tür schließen und Schüsse ertönen.

Fazit
Wie bereits angemerkt, handelt es sich hier um eine skandinavische und nicht US-amerikanische Produktion und dem Fehlen einer soliden Kameraführung und der undramatischen Erzählweise der Serie merkt man dies auch an. An sich spricht nichts gegen diese Umsetzung, wäre da nicht die mangelhafte Skizzierung von Majas Persönlichkeit, der man außer ihren Kernmerkmalen (potentielle Mörderin, verliebter Teenie) nicht wirklich viel entnehmen kann. Obwohl es viele Kritiker der Methode gibt, könnte hierbei tatsächlich eine Erzählerstimme Abhilfe schaffen und dem Gefühl entgegensteuern, dass ihre Rolle aus der klischeebehafteten Vorstellung eines Erwachsenen entstanden ist.
Trotzdem wirft die Pilotepisode genügend Fragen auf, für deren Antworten sich der Zuschauer auch den weiteren Folgen widmen muss. Alleine, um zu verstehen, warum Maja sich bis dato noch kein einziges Mal selbst verteidigt hat. Ist sie vielleicht wirklich schuldig? Und wenn ja, wie konnte es dazu kommen? Hat Sebastian sie etwa angestiftet? Aber warum ist er dann offensichtlich selbst tot? Aber bekanntlich sind Fragen ja der beste Weg, um den Zuschauer zum Weiterschauen zu zwingen...
Hier abschließend noch der Trailer zur Netflix-Serie „Quicksand":