Queen Charlotte: A Bridgerton Story 1x01

Queen Charlotte: A Bridgerton Story 1x01

Nach dem Erfolg des historisch frei interpretierten Geschichtsdramas „Bridgerton“ legt Netflix nun mit dem Prequel „Queen Charlotte“ nach. Golda Rosheuvel und Youngster India Amarteifio teilen sich dabei den Part der Königin.

India Amarteifio als junge „Queen Charlotte“ in der gleichnamigen Serie
India Amarteifio als junge „Queen Charlotte“ in der gleichnamigen Serie
© Netflix

Bridgerton, das erste Netflix-Original von Superproduzentin Shonda Rhimes (Grey's Anatomy, How to Get Away with Murder), für deren Vertrag der Streamingservice einst bereit war, eine dreistellige Millionensumme auf den Tisch zu legen, brach beim Serienstart 2020 sämtliche Abrufrekorde. Letztes Jahr im Frühling lief dann die zweite Staffel der Adaption der gleichnamigen Buchreihe von Julia Quinn. An Season drei und Season vier wird auch schon fleißig gearbeitet.

Mit Queen Charlotte: A Bridgerton Story schlägt nun aber erstmal ein Prequel auf den Plan, das uns Einblicke in die Jugend der Königin Charlotte gibt. Die Titelrolle übernimmt Youngster India Amarteifio („Evermoor“), die die später so schön mürrische und trotzdem liebenswerte Monarchin noch recht grün hinter den Ohren spielt. Die bekannte Darstellerin Golda Rosheuvel ist aber auch wieder dabei, denn ein Teil der Handlung findet in der Gegenwart statt - die Gegenwart von „Bridgerton“ natürlich, sprich zur modisch überaus eleganten Regency-Zeit im Großbritannien des frühen 19. Jahrhunderts.

Mehr noch als bei der Mutterserie, wo vor allem der Co-Showrunner Chris Van Dusen das Heft in der Hand hält, hat Rhimes beim neuen Sechsteiler persönlich Einfluss genommen. Sie hat nahezu alle Drehbücher selbst geschrieben, während sie die Regie komplett ihrem alten Weggefährten Tom Verica überließ. Wir haben für Euch die Auftaktepisode namens Queen to Be (zu Deutsch: „Die künftige Königin“) ausgecheckt und müssen sagen: Wir sind durchaus entzückt vom Ableger!

Worum geht's?

Zunächst einmal kann man Rhimes und Konsorten nur loben, dass sie sich mit Queen Charlotte genau die richtige Figur für ein Spin-off ausgesucht haben. Von ihrer Vergangenheit wollen wohl die meisten „Bridgerton“-Fans mehr wissen, besonders bezüglich ihrer ungewöhnlichen Liebesgeschichte mit dem psychisch kranken König George III., der diesmal vom hübschen Corey Mylchreest gespielt wird (in The Sandman sah man ihn zuletzt als Adonis). Er und auch Amarteifio füllen die großen Fußstapfen ihrer Figuren ohne Zweifel aus - und es funkt auch gleich auf Anhieb zwischen beiden.

Der Anfang von „Queen Charlotte“ erinnert ein wenig an die fantastische Hulu-Comedy The Great, in der es ebenfalls um eine junge Adelsfrau von der Ostsee geht, die eher unfreiwillig an den Herrscher eines europäischen Großreiches verheiratet wird. Beide Serien nehmen es mit den historischen Fakten nicht ganz so ernst, wobei „The Great“ schonungslos das Leid der Frauen der damaligen Zeit beleuchtet, während die Netflix-Serie Probleme wie Rassismus nur touchiert.

Das war immer eine bewusste Entscheidung von Rhimes, die man auch als farbenblindes Casting bezeichnet. Obwohl die echte Charlotte keine Person of Color (siehe BIPoC) war, kann sie es in der Fiktion durchaus sein. In der Serienversion stört sich auch der englische Hof an ihrer Hautfarbe kaum. Trotzdem wird die Sache hier schon mehr thematisiert als noch bei „Bridgerton“, wo der Fokus auf einer anderen Familie liegt, bei der sich die Frage einfach weniger aufdrängt.

„Queen Charlotte“
„Queen Charlotte“ - © Netflix

Game of Thrones-Star Michelle Fairley spielt in der Serie die Königsmutter Augusta, die sich bei der Ankunft ihrer künftigen Schwiegertochter immerhin milde schockiert zeigt. Die Braut aus Deutschland sei doch „sehr braun“, aber absagen könne man die Hochzeit nun eh nicht mehr. Kurzerhand hebt Augusta einfach andere Familien im Reich, die Charlotte und ihrem ebenfalls angereisten Bruder Adolphus (Tunji Kasim, Nancy Drew) ähnlich sehen, in den Adelstand - wenngleich sie aber keine Ländereien kriegen. Richtig akzeptiert werden sie von den weißen „Nobelleuten“ nicht.

Lady Danbury, die zu der Zeit, also in den 1770er Jahren, auch noch eine junge Frau war, wähnt sich dennoch als Profiteurin dieser gesellschaftlichen Reform. Gespielt wird sie übrigens einerseits von der Newcomerin Arsema Thomas und andererseits von Adjoa Andoh, einem weiteren vertrauten Gesicht der Mutterserie. Verheiratet ist sie mit dem sehr viel älteren und absolut uncharmanten Lord Danbury (Cyril Nri, Cucumber), dessen Beischlaf sie um jeden Preis aus dem Weg zu gehen versucht. Dass sie beide überraschend zur Royal Wedding nach London eingeladen werden, ist - wie wir ja dank „Bridgerton“ wissen - der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen Lady Danbury und Queen Charlotte.

Zunächst muss sich erst noch zeigen, ob die Ehe überhaupt geschlossen wird, denn die von Beginn an wenig begeisterte Braut verliert zunehmend an Mut, als sie spürt, dass niemand sich traut, ihr vom König zu erzählen. Logischerweise schließt sie daraus, dass er ein wahres Scheusal sein muss. Als ihr aufdringlicher Leibdiener Brimsley (Sam Clemmett, „Harry Potter und das verwunschene Kind“) sie aus den Augen lässt, versucht sie über eine Mauer zu klettern, um zu flüchten. Dabei wird sie ausgerechnet vom König erwischt, der ihr mit seinem entwaffnenden Lächeln schnell die Skepsis austreibt.

Mit einem guten Gefühl tritt Charlotte schließlich an den Traualtar. Die Zeremonie ist, wie eigentlich alles in der Serie, sehr hübsch anzuschauen. Auch ein akustisches Cover vom Beyoncé-Song „Halo“ sorgt für reichlich Romantik. Doch der perfekte Märchentraum platzt, als es auf die Hochzeitsnacht zugeht. Denn der König will nicht bei seiner Königin bleiben. Offenbar will er komplett getrennt voneinander leben, was sicher nicht das ist, was sich Charlotte von ihrer großen Liebe versprochen hat. Wir Zuschauer:innen ahnen bereits, dass diese merkwürdige Wendung im Wesen des Königs mit seiner tragischen Krankheit zu tun haben könnte. Doch die Titelheldin ist nun erstmal verwirrt und sichtlich desillusioniert...

Wie ist es?

Queen Charlotte: A Bridgerton Story bietet ein gelungenes Debüt und muss sich keinesfalls hinter dem Original verstecken. Creator Shonda Rhimes, die sowieso besser weiß, was sieht tut, als jede:r andere in Hollywood, hat die Erfolgsformel ihres frei interpretierten britischen Historiendramas mit dem neuen Prequel bei Netflix vielleicht sogar noch ein bisschen verfeinert. Farbenblindes Casting war bei „Bridgerton“ ein spannender Versuch, der voll aufging, wie die große Beliebtheit der Serie beweist. Nun schaut man bei sozialpolitischen Themen ein wenig genauer hin, was interessant werden dürfte.

Ein großes Kompliment gilt den Talentscouts, die mit der neuen Charlotte-Darstellerin India Amarteifio und ihrem Co-Star Corey Mylchreest wieder zwei Youngsters gefunden haben, denen eine große Zukunft bevorstehen könnte. Das zusammen mit der schönen Inszenierung von Tom Verica dürfte allein den nötigen Zauber garantieren, der das Publikum wieder anlockt. Gleichzeitig ist man genauso froh, dass mit Golda Rosheuvel auch die alte Queen am Start ist. Ihr gehört die letzte Szene des Auftakts, in der sie ihren nichtsnutzigen Nachkommen den Befehl gibt, endlich Erben auf die Welt zu bringen.

Sie und der König hätten es immerhin auch geschafft, ganze 15 Kinder zu kriegen. Die Serie macht also keinen Hehl daraus, dass die anfänglich stockende Ehe ein Happy End haben wird - trotz großer Herausforderungen, die wir auch in „Bridgerton“ schon bezeugen konnten. Vier von fünf Kronen geben wir dem Prequel!


Hier abschließend noch der Trailer zur nun gestarteten, neuen Serie „Queen Charlotte - A Bridgerton Story“ beim Streamingdienst Netflix:

Verfasser: Bjarne Bock am Donnerstag, 4. Mai 2023

Queen Charlotte: A Bridgerton Story 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Queen Charlotte: A Bridgerton Story 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Die künftige Königin
Titel der Episode im Original
Queen to Be
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 4. Mai 2023 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 4. Mai 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 4. Mai 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 4. Mai 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 4. Mai 2023
Autoren
Shonda Rhimes, Julia Quinn
Regisseur
Tom Verica

Schauspieler in der Episode Queen Charlotte: A Bridgerton Story 1x01

Darsteller
Rolle
India Ria Amarteifio
Corey Mylchreest
Arsema Thomas

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