Queen America: Review der Pilotepisode

Queen America: Review der Pilotepisode

Kann Facebook mit Queen America endlich im großen Stil auf seinen Streamingdienst Facebook Watch aufmerksam machen und wie die Großen im Serienbusiness mitmischen? Oder braucht es dazu mehr als Hollywood-Star Catherine Zeta-Jones in der Hauptrolle?

„Queen America“ (c) Facebook Watch
„Queen America“ (c) Facebook Watch
© ??Queen America“ (c) Facebook Watch

Nach dem Trauerbewältigungsdrama Sorry for Your Loss mit Elizabeth Olsen, welches höchstens als Kritikerliebling durchging, präsentiert Facebook Watch seine nächste ambitioniertere Eigenproduktion Queen America, die vor allem mit der Starpower von Hollywood-Schauspielerin Catherine Zeta-Jones aufwartet. Reicht das, um endlich etwas Buzz für den nicht vom Boden kommenden Service zu kreieren? Dass wir erst heute festgestellt haben, dass die Serie schon zwei Tage früher als ursprünglich angekündigt online gegangen ist, ist jedenfalls kein gutes Zeichen.

Die erste Folge mit dem Titel Sequins and Fritos stellt die unterkühlte Hauptfigur Vicki Ellis vor. Als strenger Schönheitsköniginnen-Coach lässt sie ihre unterernährten Klientinnen unerlässlich auf dem Laufband schwitzen, Zähne bleichen und sich in die passende Schale zwängen, um an die begehrten Kronen und Schärpen zu kommen, die attestieren, ästhetisch überlegener zu sein als die Konkurrenz. Dass „Queen America“ eine Dramedy mit schwarzem Humor und keine Dramaserie ist, liegt nur an ihrer unterhaltsamen Eisköniginnen-Fassade, an welcher Zeta-Jones sichtlich Freude hat. Die aus Wales stammende Schauspielerin eignet sich sogar einen Oklahoma-Akzent an und ergibt dadurch eine Mischung aus High-Fashion-Schreckgespenst Patsy Stone (Absolutely Fabulous) und Südstaatendiva Blanche Devereaux (The Golden Girls).

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Gleichzeitig wirkt Zeta-Jones in dieser Rolle aufgetauter als sonst. Musste sie in ihren Spielfilmrollen der 90er und 2000er Jahre doch oft die unnahbare Femme fatale darstellen und das ohne ihr ausreichend Gesichtsbewegung oberhalb der Lippen zu gönnen, trägt sie ihre Emotionen hier vorbehaltlos am Revers. Diese kommen vor allem dann zum Vorschein, wenn sie ihre wenig begeisterte Nichte Bella (Isabella Amara) zum Shopping ausführt. Etwas, an dem das bodenständige, ungeschminkte Mädchen überhaupt kein Interesse hat. Sie lässt ihre Tante mit nichts durchkommen und hat null Verständnis für ihren Lebensstil, in welchem für schwerere Personen ihrer Art überhaupt kein Platz ist.

Zwei Seifenopern-Twists erledigt die Serie gleich am Ende der ersten Episode, wenn Vicki ihre Schwester Katie (Molly Price) konfrontiert und dabei angedeutet wird, dass Bella in Wahrheit ihr eigenes Kind ist, welches sie ihrer mütterlicheren Schwester überlassen hat. Danach müssen wir darüber hinaus feststellen, dass Vicki offenbar an einer Essstörung leidet und die wenigen Momente zuvor noch verteufelten Süßigkeiten aus dem Geheimversteck voller Frust in sich hineinstopft.

Fazit

In letzter Zeit kommt es immer öfter vor, dass Eigenproduktionen von Streamingdiensten es nicht mehr für nötig halten, die jeweilige Prämisse der Serie in der ersten Folge zu etablieren. Schließlich sind die sofort komplett online gehenden Formate ja zum Bingen gedacht. So bleibt auch hier am Ende die Frage offen, was Queen America eigentlich vorhat. Wird es zentral um die Essstörung von Vicki gehen? Oder die Beziehung zu ihrer Familie? Oder kehren wir doch zu den entmenschlichten Schönheitsanwärterinnen zurück, die den satirischen Part des Ganzen ausmachen? Ein ausreichender Eindruck in die eigentliche Natur der Serie fehlt jedenfalls nach der ersten halben Stunde.

Nach dem großen Durchbruch für Facebook Watch fühlt sich „Queen America“ jedenfalls nicht an. Catherine Zeta-Jones ist ohne Zweifel das verdiente Highlight der Serie, die ohne sie wohl komplett an der Welt vorbeigehen würde. Es hilft auch nicht, dass man optisch mehr mit dem „Charme" von Daytime-Fernsehen zu tun hat als mit Primetime-Serienqualität. Das scheint auch die Facebook-User nicht beeindruckt zu haben, von denen nur noch die Hälfte bei der zweiten Episode dabei waren und nur noch etwa ein Drittel bei der dritten Folge...

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