Quacks 1x01

Quacks 1x01

Mit einem stabilen Magen kann man in der britischen Serie Quacks eine unterhaltsame und stark besetzte Geschichte über die Anfänge der modernen Medizin im viktorianischen London erleben.

Cast der Serie „Quacks“ / (c) BBC Two
Cast der Serie „Quacks“ / (c) BBC Two
© ast der Serie „Quacks“ / (c) BBC Two

Die Pilotepisode der Serie Quacks braucht nicht lange um zu zeigen, dass man Geschichten um Mediziner auch fernab von Grey's Anatomy und Co. erzählen kann. Statt Göttern in Weiß, lernen wir in der BBC2-Serie eine Handvoll Ärzte kennen, die ihre Profession wie eine Rockstarkarriere angehen und deren Chef Dr. Hendrick (Rupert Everett, „Die Hochzeit meines besten Freundes“) vor allem die Zuschauer befriedigt sehen will. „Gentlemen, bei den Patienten ist von ihrem Tod auszugehen, aber wenn das zahlende Publikum nicht zufrieden ist, das stört mich.“ In welche apokalyptische Welt nimmt die Comedy uns mit? Ins viktorianische London, wo Operationen in einer Art Theater stattfanden und Amputationen anhand der Schnelligkeit gefeiert wurden. Ob der Patient überlebte, war dabei nebensächlich solange Robert (Rory Kinnear, Penny Dreadful) seinen Rekord von 92 Sekunden brechen kann.

This is more fun than Madame Tussaud's.

Zu Beginn der Serie begleiten wir Robert in den Operationssaal, wo er die auf den Rängen versammelten Frauen, die sich wohlig gruseln, damit unterhält, ein Bein zu amputieren. Zuschauer mit größerer Empathie könnten sich von dem Geräusch einer Säge derweil eher abgestoßen fühlen, doch das ist nur der Kaltstart einer ebenso trockenen wie düsteren Komik, die die Comedy auf uns loslässt.

Zum zentralen Quartett der Serie gehört außerdem John (Tom Basden, Plebs), Zahnarzt mit einem Hang zur experimentellen Anästhesie, der neue Ideen an seiner Freundin und seinem Hund testet und trotz einer hohen Sterberate einen überraschend humanen Ansatz der Medizin hat. So ist der Antrieb hinter seinen Betäubungsexperimenten, die Patienten weniger Schmerz fühlen zu lassen, zumindest die royalen. Das ist jedoch kein Argument für den Chirurgen, der während der Operationen mit Vorliebe raucht und trinkt.

Ebenfalls lernen wir William (Matthew Baynton, The Wrong Mans, You, Me and the Apocalypse) kennen, ein sogenannter Alienist, ein früher Name für Psychiater. Er tritt für seinen revolutionären Gedanken ins Rampenlicht, dass man mit den mental beeinträchtigten Patienten reden sollte statt sie zu schlagen und einzusperren. Als er mit einem besonders aggressiven Patienten einen Ausflug in den Park machen will, fordert Dr. Hendrick ihn lediglich auf: „Sind Sie ein Jude? Falls sie einer sind, trage ich sie in mein Buch ein.

Als Vierte im Bunde gehört Caroline (Lydia Leonard, River) zum Hauptcast, die sich in der Ehe mit Robert frustriert fühlt und sich in ihrem Leid an William wendet, der ihr verfällt nachdem er durch das Betasten ihres Kopfes feststellt, dass sie einen unüblich großen sexuellen Appetit habe. Außerdem schreibt sie sich für einen Anatomie-Lehrgang ein. „Sind Frauen in diesem Lehrgang erlaubt?“ will ihr Ehemann wissen. „Nun, jemand hat vergessen zu erwähnen, dass sie nicht erlaubt sind, also werde ich die erste sein“, entgegnet sie ihm.

Auch zu erwähnen ist der Chef des Krankenhauses, Dr. Hendrick, der seine Ehre darin setzt, seine Patienten zu diagnostizieren ohne sie jemals zu untersuchen - und nebenbei jede Szene stiehlt, in der er auftritt.

Zwischen der Absurdität des Operationstheaters und der persönlichen Querelen der narzisstisch veranlagten Ärzte stößt Serienschöpfer James Wood („Rev“) den Mythos von den Göttern in Weiß um und nimmt uns mit in eine Welt, in der Mediziner sich bemühen, dazuzulernen, aber dabei dank menschlicher Schwächen in der Regel Katastrophen heraufbeschwören und nur selten einen Erfolg erringen. In der Pilotepisode gelingt letzteres als sie an einem Mitglied der Königsfamilie operieren, der einen Tumor im Gesicht hat. Nachdem sie aus Versehen das Theater evakuieren müssen weil sie einen Brand verursachen, schaffen die Ärzte es, den Patienten in Narkose zu versetzen und feiern sich für diesen historischen Erfolg mit einem bisschen Kokain-Wein nachdem der Babyfaustgroße Tumor wenig appetitlich in die Schale geplatscht ist.

Fazit

Für die Comedy Quacks braucht man eine starken Magen, Sägegeräusche am Bein eines Patienten und andere Begegenheiten scheinen keine Seltenheit zu sein in der Welt der Medizin im viktorianischen Zeitalter. Auch die Art der Ärzte ist selten von Zartfühligkeit geprägt, doch wer sich mit dem düsteren und trockenen Humor anfreunden kann, der darf sich über eine vielversprechende, clevere Serie mit einem starken Cast freuen.

Trailer zur Serie „Quacks“:

Verfasser: am Mittwoch, 16. August 2017
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Quacks 1x01)
Titel der Episode im Original
The Duke's Tracheotomy
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Dienstag, 15. August 2017 (BBC Two)
Regisseur
Andy De Emmony

Schauspieler in der Episode Quacks 1x01

Darsteller
Rolle
Rory Kinnear
Lydia Leonard

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