Pure Genius 1x01

Jason Katims, der Schöpfer des neuen CBS-Procedurals Pure Genius, kann sich einer treuen Gefolgschaft sicher sein. Und das völlig zurecht, hat er doch mit Friday Night Lights und Parenthood zwei Dramaserien geschaffen, die auch lange nach ihrem Ende noch weiterempfohlen werden. So beliebt diese bei Kritikern auch waren, so selten schafften sie es aber, eine breite Zuschauerschaft hinter sich zu vereinen. Die Einschaltquoten beider Formate waren nie berauschend, was natürlich dem Argument Vorschub leistete, dass solide Familiengeschichten mit starker Charakterarbeit nie zu Publikumsmagneten werden könnten.
Welcome to the revolution
Also könnte sich Katims überlegt haben, dass er es fortan mit einer neuen Strategie versucht - vielleicht funktioniert das mit dem kommerziellen Erfolg ja, wenn man die bisherigen Vorzeichen einfach umdreht? Herausgekommen ist dabei die Pilotepisode von „Pure Genius“, einer äußerst generischen Ärzteserie, die der Charakterzeichnung weniger Wichtigkeit beimisst als einer außergewöhnlichen Prämisse. Die geht so: Der Silicon-Valley-Milliardär James Bell (Augustus Prew) erkrankt an einer schweren Krankheit, weshalb er aus privaten Mitteln ein Krankenhaus gründet, das den technischen Fortschritt mit dem medizinischen vereint.
Je länger er jedoch in diesem Krankenhaus arbeitet, desto bewusster wird ihm, dass er ursprünglich aus Eigensinn gehandelt hat. Nun will er dem philantropischen Image, das er sich zuvor nur angeheftet hat, auch gerecht werden. Zu den besten jüngsten Ärzten, die er bereits um sich versammelt hat, soll deshalb der Chirurg Walter Wallace (Dermot Mulroney), der soeben wegen des Einsatzes einer unerforschten Behandlungsmethode entlassen wurde, stoßen. Durch seine Brille erkunden wir die Welt von Bunkerhill.

Diese Welt ist vollgestopft mit neuartiger Technik, medizinisch-technologischem Kauderwelsch und vielen kleinen Spielereien, die nett anzusehen sind, ansonsten aber keine dramaturgische Funktion haben. Was in einer Auftaktepisode natürlich auch nicht fehlen darf, sind die zwei Rührgeschichten, die uns Zuschauern verdeutlichen, wie diese Serie wöchentlich ausgestaltet sein wird. Vermeintlich unheilbare Patienten werden eingeliefert, es kommt zum Streit um die richtige Behandlungsmethode, James probiert etwas Neues aus, wogegen seine Kollegen protestieren, was aber doch zum Erfolg führt. Auftragen, polieren, abwaschen, wiederholen.
Es gibt ein paar interessante Ansätze in Pure Genius, die sich vor allem aus dem vermeintlichen Gegensatz von althergebrachter Medizin und bürokratiebefreiter Technologie speisen. Diese Konflikte werden aber übertüncht von Katims' unbedingtem Willen, ein strukturell möglichst generisches Procedural auf die Beine zu stellen. Hinzu kommt, dass weder die Dialogarbeit noch die audiovisuelle Umsetzung noch die Zeichnung der übrigen Figuren auch nur den Hauch von Innovation oder Raffinesse offenbaren.
Wer diese beiden Dinge und noch viel mehr im Fernsehgeschäft sucht, der schaut lieber in die Vergangenheit und gönnt sich The Knick. Dort findet man alles, was diese Serie vermissen lässt.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 28. Oktober 2016Pure Genius 1x01 Trailer
(Pure Genius 1x01)
Schauspieler in der Episode Pure Genius 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?