Pumpen: Kritik der Pilotepisode der ZDFneo-Serie

Pumpen: Kritik der Pilotepisode der ZDFneo-Serie

Mit der Fitness-Dramedy „Pumpen“ taucht man bei ZDFneo tief ein in die absurde Welt der Sportstudios - mit einem Beigeschmack von verrückten Familiendramen und skurriler Workplace-Atmosphäre. Kann die deutsche Produktion damit begeistern?

Mia (Lotte Becker) und Tom (Timur Bartels) in der Serie „Pumpen“
Mia (Lotte Becker) und Tom (Timur Bartels) in der Serie „Pumpen“
© ZDF/Florian Schueppel

Vor einigen Monaten startete Das Erste mit Sweat durch, nun legt ZDFneo mit einer weiteren Serie über ein Fitnessstudio nach. Verbinden tut die beiden vor allem eines: Sie erzählen aus der Welt der unabhängigen, kleinen Studios mit Charme und Eigenheiten gegenüber der großen Ketten, die in jeder Stadt aus dem Boden in einheitlicher, anonymer Weise aus dem Boden sprießen. Beide Storys umweht der Hauch des Ums-Überleben-Kämpfens und die melancholische Erinnerung an die gute alte Zeit. Das fügt sich bestens ein in das Studio als Ort der geplatzten Abnehmträume und der Hoffnung wider jegliche Erfahrung. Charme bringen also beide mit. Doch kann das neue Format die Zuschauer:innen auch mit einer unterhaltsamen Story fesseln?

Wovon handelt die Serie „Pumpen“?

In der Serie „Pumpen“ geht es schnell zur Sache. Das Erste, was wir sehen, ist das auslösende Event, nämlich das Ertrinken der Fitnessstudiobetreiberin Jutta. Zumindest begleiten wir sie in einer ruhigen Installation bei dem Gang zu ihrem Morgenschwimmen im Waldsee, von dem sie jedoch nicht mehr auftaucht.

Das hat vor allem Auswirkungen auf zwei Personen: ihre Kinder Mia (Lotte Becker) und Tom (Timur Bartels). Erstere ist aus dem heimischen Magdeburg nach Köln gezogen, um dort Torten zu kreieren und zu verkaufen. Sie träumt von einem eigenen kleinen Café mit ihrem Kollegen und Geliebten.

Ihr Bruder Tom ist unterdessen nie so richtig vom Rockzipfel der Mutter losgekommen. Er lebt bei ihr und verbringt seine Tage im Fitnessstudio, ohne dort laut eigener Aussage so richtig zu arbeiten. Immerhin in einer Sache sind die Geschwister sich einig: Tom war der Liebling der Mutter. Das führte schon vor längerem zu einem Kontaktabbruch zwischen Magdeburg und Köln.

Als nun die Polizei vor der Tür steht, um Tom vom Ableben seiner Mutter zu informieren, nimmt er zur Überraschung der Angestellten das Zepter in die Hand und organisiert die Trauerfeier. Eine bekommt jedoch keine Einladung: seine Schwester. Dort taucht sie dann in Weiß gekleidet doch auf und platzt mit einer geplanten Rede in die Veranstaltung. Doch kurz vor dem Desaster sind es die Mitarbeiter der Mutter, die die Situation noch retten und die Beerdigung geht weiter. Nächster Programmpunkt ist eine Überraschungsverlesung des Testaments, in der Jutta festgehalten hat, dass sie das Studio zu gleichen Teilen an ihre beiden Kinder vererbt.

Doch Mia will davon gar nichts hören und kündigt lautstark an, umgehend nach Köln zurückkehren zu wollen. Dort verkündet sie ihrem Geliebten stolz, dass sie dank der Auszahlung des Erbes nun das Startkapital für das gemeinsame Café habe. Doch die Gegenfreude bleibt verhalten, denn es stellt sich heraus, dass der Mann seine Frau nie für Mia verlassen und auch kein gemeinsames Geschäft mit ihr aufbauen wollte...

Nun sitzt die Verlassene also postwendend wieder in Magdeburg, wo sie erklärt, nur so lange zu bleiben, bis sie das Geld zusammenhabe, um sich etwas aufzubauen. Dass das nicht so glatt laufen wird, wie sie es sich vorstellt, können nicht nur die Angestellten des Studios sehen. Zu denen gehören Personal-Trainer Flora (Lo Rivera) und Papis (Tino Führer), Fitness-Influencer Justin (Jarno Mindner), Koch Jean (Jesse Albert) und Yoga-Trainerin Shae (Taynara Silva-Wolf).

Wie kommt es rüber?

Die Serie „Pumpen“ startet absurd, aber sie gleitet in der Pilotepisode nie in den Klamauk ab. Was die Serie dabei vor allem über Wasser hält, sind ein recht cleveres Drehbuch und ein starker Cast, der sich weigert, seine Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben.

Hier hält die öffentlich-rechtliche Produktion, was sie verspricht: Wir bekommen eine handwerklich gut gemachte Serie, die irgendwie etwas schräg ist, aber nicht so schräg, dass sie im Lächerlichen landet. Aber irgendwie schon so viel Anlauf braucht, um zu zünden, dass sie bei anderen Sendern vermutlich wenig Chancen bekommen würde...

Die Serie „Pumpen“ findet sich seit heute in der ZDFmediathek.

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