Das neue Period-Piece-Drama Public Morals vom Kabelsender TNT legt mit seiner Auftaktepisode einen grundsoliden Start hin, der vor allem Genrefans Lust auf mehr machen könnte. Der Funke springt zwar noch nicht komplett über, die Darsteller und die realistische Ausstattung wissen aber zu überzeugen.

Edward Burns als Terry Muldoon in TNTs „Public Morals“ / (c) TNT
Edward Burns als Terry Muldoon in TNTs „Public Morals“ / (c) TNT

Nachdem sich der amerikanische Kabel- und Satellitensender TNT bereits vor einiger Zeit in Form der prominent besetzten Miniserie Mob City an einem waschechten „Period Drama“ versucht hatte und dabei nur bedingt überzeugen konnte, wagt man sich nun mit dem Serienneustart Public Morals abermals an ein vergleichbares Thema, das nun in den 1960er Jahren in New York City angesiedelt ist, aber grundsätzlich eine Geschichte vom selben Schlag erzählt.

Im Zentrum der von Hauptdarsteller Edward Burns erdachten Serie steht eine Einheit der Sittenpolizei der amerikanischen Metropole, wo sich in der turbulenten Ära der 60er Vergehen wie Prostitution oder Glücksspiel die Klinke in die Hand gaben. An der Seite von Hauptfigur Terry Muldoon (Burns) tauchen wir in diese lasterhafte Epoche ein und werden Zeugen davon, wie sich die Vertreter des Gesetzes mit allerlei Übeltätern arrangiert haben, da so für beide Seiten der Rubel rollt. Gleichzeitig werden die hier auftretenden Ordnungshüter stets auf die Probe gestellt, wie oft sie eigentlich ein Auge bei all den moralisch fragwürdigen Missetaten zudrücken können. Muldoon steht hier als Familienvater, der seinen Kindern eigentlich ein gutes Vorbild sein soll, besonders im Fokus.

Thin line

Public Morals“ wartet mit einem äußerst prominent besetzten Cast auf, von dem einige Darsteller bereits in „Mob City“ ihr Stelldichein gaben, so zum Beispiel Burns selbst und Robert Knepper (Prison Break), oder im späteren Verlauf der Serie noch Neal McDonough (Band Of Brothers). In weiteren Rollen treten unter anderem Michael Rapaport (The War At Home), Kevin Corrigan (Grounded For Life), Keith Nobbs (The Pacific) oder auch Lyndon Smith (Parenthood) auf.

Burns, der das Konzept zu dem Format ausgearbeitet hat, wird als ausführender Produzent zusätzlich von einem der großen Namen im Geschäft unterstützt: Niemand Geringeres als Steven Spielberg fungiert ebenfalls als Executive Producer und hat die Serie mit seiner Produktionsfirma Amblin Television auf den Weg gebracht. Keine schlechten Vorzeichen, möchte man also meinen.

Ed Burns (l.) und Michael Rapaport in %26bdquo;Public Morals%26ldquo; © TNT
Ed Burns (l.) und Michael Rapaport in %26bdquo;Public Morals%26ldquo; © TNT

Good cop

Das Ergebnis kann sich letztlich definitiv sehen lassen, präsentiert man uns doch eine gelungene Pilotepisode, die uns adäquat in die Serie einführt und durch authentische Schauwerte besticht. Wir bewegen uns noch ein wenig sprunghaft von Figur zu Figur, da etliche Charaktere eingeführt werden müssen, und auch die generelle Richtung, die das Format einschlagen will, ist noch nicht ganz ersichtlich. Letztlich könnte „Public Morals“ den Weg einer klassischen Detective-Story gehen, die sich stilsicher durch ihr Genre hangelt. Dabei sind Procedural-Elemente nicht auszuschließen, wobei das Ende der Episode weitaus mehr Lust auf ein komplexes, serielles Crimedrama macht, das sich über die zehn Episoden der ersten Staffel von „Public Morals“ Schritt für Schritt entfalten könnte.

Als Zuschauer wirft einen die Auftaktepisode von „Public Morals“ mitten rein in das Geschehen, was einen positiven Effekt hat, da wir so die hier dargestellte Serienwelt selbst ergründen müssen und sich manch einer anfangs vielleicht auf verlorenem Posten wiederfindet und nicht so recht weiß, was eigentlich gerade passiert. Im Grunde genommen ist man selbst ein Neuling in dieser Welt, was letztlich noch einmal durch die Einführung eines jungen Polizeianwärters verdeutlicht wird. Dieser nimmt in etwa die Position des Zuschauers ein. Es handelt sich hierbei natürlich um ein sehr geläufiges Erzähl- und Expositionselement. So erfahren wir über den Charakter von rookie Jimmy Shea (Brian Wiles), was es eigentlich mit der Einheit um Terry Muldoon auf sich hat.

Bad cop

Das Interessante daran ist, dass wir es hier ausnahmsweise nicht mit einer Gruppe von verkappten Helden zu tun haben, die der Kriminalität in ihrer Stadt den Kampf ansagen und unbestechlich sind. Das komplette Gegenteil ist der Fall: Die Sittenpolizei ist sich durchaus bewusst, wer mit welchen Verbrechen wie viel Geld in New York verdient. Diesen Menschen wollen sie jedoch nicht Einhalt gebieten. Sie fungieren vielmehr als Aufpasser, oder, wie Muldoon so treffend sagt, als eine Art Vermieter, der seinen Anteil abkassiert und die Mieter machen lässt. An dieser Ordnung soll sich am besten auch rein gar nichts ändern - alle sind zufrieden, keiner kann sich beklagen. Und wenn du ein Problem mit diesem Gebaren hast, dann gehörst du nicht in diese Einheit.

Das ist ein durchaus erfrischender Ansatz, da alle Protagonisten krumme Finger sind und irgendwie versuchen, nebenbei etwas Geld zu verdienen. Gemeinsam berät man über mögliche Pläne eines Kleinkriminellen, der eine lukrative Kartenrunde auf die Beine stellen will, die wiederum Profit für unsere Polizisten abwerfen könnte. In der Pilotepisode sucht man weit und breit nach einer guten Seele, einem aufrichtigen Kerl, der das Übel Korruption angehen wird. Aber: Fehlanzeige.

Man darf wohl davon ausgehen, dass sich ein solcher Charakter im Laufe der Staffel noch zeigen wird, vielleicht sogar in Terry Muldoon selbst, der aufgrund seiner Familie und den Eskapaden seines jungen Nachwuchses seine Rolle in diesem korrupten System überdenkt und irgendwann vielleicht doch mit gutem Beispiel vorangehen will. Für den Auftakt stellt die Abwesenheit eines ambitionierten Gutmenschens aber eine ansprechende Idee dar und untermauert den Fakt, dass das New York der 1960er komplett unter der Kontrolle der Lasterhaftigkeit und Korruption stand.

People get hurt

Bis kurz vor dem Ende der Pilotepisode ist derweil nicht wirklich klar, was für eine Geschichte Burns hier eigentlich erzählen will. Mit der Ermordung eines stadtbekannten Gangsters (karikaturesk von Gastdarsteller Timothy Hutton verkörpert) könnte der Stein jedoch ins Rollen kommen, da dies einen Machtkampf um das organisierte Verbrechen in New York nach sich ziehen könnte. Muldoon wäre dabei mittendrin, ist er doch nicht nur der Neffe des ermordeten Großkriminellen. Er möchte auch jede Art von Unruhe vermeiden, da darunter nur das „Geschäft“ leidet. Dieser Handlungsstrang verspricht am meisten Potential und wird hoffentlich in den nächsten Episoden geschickt vorangetrieben.

Ed Burns und Gastdarsteller Matt McGorry in %26bdquo;Public Morals%26ldquo;. © TNT
Ed Burns und Gastdarsteller Matt McGorry in %26bdquo;Public Morals%26ldquo;. © TNT

Wrong side

Die Nebenhandlung um den von Michael Rapaport gespielten Charlie Bullman, der Partner von Muldoon, um eine junge Dame (die aus 30 Rock bekannte Katrina Bowden), die dieser vor einer Anklage wegen Prostitution bewahrt, wird der Bezeichnung „Nebenhandlung“ durchaus gerecht und sorgt jetzt nicht unbedingt für die größte Begeisterung. Auch wenn man jetzt bereits erkennen kann, wohin die Macher mit dieser Geschichte wollen. Der Handlungsstrang um Terrys Cousin Sean (Austin Stowell) ist da schon ein wenig interessanter, vor allem vor dem Hintergrund, dass sein Vater auf der anderen Seite des Gesetzes steht und der Sohnemann selbst seinen Weg als korrupter Polizist finden will.

Weiterhin auffällig ist, dass man gelegentlich ganz knapp daran vorbeirauscht, es mit dem „Period-Drama“-Aspekt zu übertreiben und zu dick aufzutragen. Das war bereits in „Mob City“ ein Problem, Public Morals schafft es jedoch mehrfach, im richtigen Moment die Kurve zu kriegen und uns folglich sehenswerte Kulissen und Settings sowie einen lässigen Soundtrack aufzutischen, der zum sehr ordentlichen äußerlichen Gesamtpaket der Serie beiträgt.

Von den Darstellern tut sich unterdessen vor allem Edward Burns selbst hervor, der ein paar starke Dialoge zum Besten geben darf (so zum Beispiel bei der Standpauke an seinen Sohn) und zusätzlich die richtige Portion Charisma mit sich bringt. Auch der markige Wass Stevens gefällt in seiner Rolle als schnauzbärtgier Griesgram, der Frischling Shea ordentlich zurechtweist. Das größte Problem, das sich bei den Figuren letztlich einstellen könnte, ist, dass sie allesamt irgendwann etwas zu überzeichnet und stereotypisch wirken könnten, so dass wir eine ganze Reihe an klischeehaften Karikaturen (sowohl auf Seite der Gangster als auch bei der Polizei) haben, die man nicht wirklich ernst nehmen kann. In der Pilotfolge hat man dies bis auf einige wenige Ausnahmen (siehe die Figur von Timothy Hutton) jedoch noch ganz gut im Griff.

Fazit

Die Pilotepisode von Public Morals hinterlässt einen positiven Ersteindruck und weckt Interesse, auch bei der zweiten Episode einzuschalten. Fans des Genres und geradliniger Kriminaldramen dürften sich durchaus angesprochen fühlen, bewegt sich Edward Burns doch sehr sicher in diesem Genre. Mit Blick auf die Produktionswerte macht „Public Morals“ einiges her, der Stil und die Atmosphäre der 1960er im verruchten New York kann man gut und überzeugend einfangen.

Man darf gespannt sein, was man nun aus der Geschichte herausholen kann und ob man die Handlung fortan eher seriell gestalten will oder doch immer wieder Fälle der Woche einarbeitet. Eine gute Mischung könnte Abwechslung bringen, wobei bei uninteressanten Kriminalfällen sich auch schnell Langeweile einstellen kann. Wenn es Ed Burns und sein Kreativteam in den nächsten Episoden schaffen, die Charaktere nicht allzu übertrieben, sondern geerdet und möglicherweise im Konflikt mit sich selbst darzustellen, könnte das Format eine sehr interessante Entwicklung nehmen.

Serientrailer zu TNTs „Public Morals“:

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