Prodigal Son: Kritik zum FOX-Krimi mit Michael Sheen

Prodigal Son: Kritik zum FOX-Krimi mit Michael Sheen

Michael Sheen als Serienkiller und Tom Payne als sein Sohn, der als Profiler ebensolche jagt. So die Prämisse des FOX-Krimis Prodigal Son. Können ein namhafter Cast und eine filmreife Regie die inhaltliche Leere übertünchen?

Screenshot von Prodigal Son: Tom Payne als Profiler/Sohn und Michael Sheen als Serienkiller/Vater... (c) FOX
Screenshot von Prodigal Son: Tom Payne als Profiler/Sohn und Michael Sheen als Serienkiller/Vater... (c) FOX
© creenshot von Prodigal Son: Tom Payne als Profiler/Sohn und Michael Sheen als Serienkiller/Vater... (c) FOX

Michael Sheen kennen Serienjunkies als liebenswerten Wunderling aus Good Omens oder Masters of Sex. Zuletzt ließ er in The Good Fight aber auch erstmals seine düstere Seite durchblicken, die er im neuen FOX-Krimi Prodigal Son nun zur vollen Entfaltung bringen darf. Die Prämisse zum Format von Chris Fedak (Chuck) und Sam Sklaver (Bored to Death) liest sich derweil zunächst tatsächlich wie die Parodie einer typischen Networkserie.

Im Mittelpunkt steht ein unkonventioneller FBI-Profiler, gespielt von Tom Payne (The Walking Dead), der die meisten seiner Tricks von seinem Vater gelernt hat, den man auch als berüchtigten Serienkiller „The Surgeon“ kennt. Dieser wird natürlich von Sheen porträtiert. Als Zuschauerinnen und Zuschauer sollen wir uns ständig fragen, wie sehr der Schurke auf den Helden bereits abgefärbt hat. Stattdessen fragt man sich jedoch eher, wann die drögen Szenen ohne Sheen vorbeigehen...

Der verlorene Sohn

Zugegeben: Payne hat es trotz „TWD“-Bonus als Hauptdarsteller schwer, einen Schauspielveteranen wie Sheen in den Schatten zu spielen. Dennoch könnte in seiner Besetzung die größte Gefahr für Prodigal Son liegen, denn ein echtes Alleinstellungsmerkmal hat er trotz seiner offenkundigen Attraktivität nicht - außer vielleicht seinen stechenden Blick, den er im Pilot aber nur einmal gewinnbringend einsetzt, nämlich kurz nachdem er ein Bombenentschärfungsdilemma mit einer Axt löst. Interessanterweise scheiterte auch Fedaks und Sklavers letzte Kooperation, genauer gesagt die ABC-Serie Deception (2017), an ihrem blassen Star. Aufschlussreiche Gegenbeispiele hierfür wären etwa Castle und The Mentalist.

Ein weiteres Problem: Die wöchentlichen Fälle der Procedural-Serie sind nicht annähernd so spannend wie die angedeutete Hintergrundgeschichte des „Surgeon“, der eigentlich Dr. Martin Whitly heißt. Wenn uns die Serie allerdings Stück für Stück anfüttern will, wäre dies auf lange Sicht wahrscheinlich sogar die klügere Strategie. Fraglich ist nur, wie viel Geduld die Leute mitbringen. Aufpeppen lässt sich das obligatorische Grundgerüst des „Case of the Week“ aber auch, indem Sheens Alter Ego einfach in die Ermittlungen involviert wird - ähnlich wie bei The Blacklist. Dann bräuchte er zwangsläufig mehr Screentime, was seinem Mythos wiederum schaden könnte. Die richtige Balance zu finden, dürfte äußerst schwierig werden...

Screenshot von Prodigal Son: Die Zusammenarbeit mit einem verrückten Genie ist manchmal schwierig...
Screenshot von Prodigal Son: Die Zusammenarbeit mit einem verrückten Genie ist manchmal schwierig... - © FOX

Nachdem der Protagonist Malcolm Bright aus nicht ganz einleuchtenden Gründen bei der Bundespolizei gefeuert wird - denn aus demselben Grund hätte man ihn dann eigentlich nie einstellen dürfen -, heuert er beim kleineren NYPD an. Dort findet sich in seinem neuen Team, dem beispielsweise Lou Diamond Phillips (Longmire), Aurora Perrineau (When They See Us), Keiko Agena (13 Reasons Why) und Frank Harts („See You Yesterday“) angehören, leider aber niemand, mit dem eine instinktive Chemie spürbar wäre. Vielversprechender sind da schon seine familiären Bünde, einerseits mit seiner Schwester, gespielt von Halston Sage (The Orville), und besonders mit seiner Mutter, gespielt von Bellamy Young (Scandal).

Aber wie heißt es so schön? Was noch nicht ist, kann ja noch werden. Potential ist trotz all dieser Startschwierigkeiten bei Prodigal Son auf jeden Fall spürbar. Vor allem die filmreife Regie von Lee Toland Krieger (Riverdale) macht Lust auf mehr - und noch mehr Lust auf mehr macht natürlich Michael Sheen. Wenn sich die beiden Serienschöpfer Fedak und Sklaver nun noch spannendere Verbrechen einfallen lassen und ein paar nicht ganz so vorhersehbare Charaktereigenschaften für die Hauptfigur, kann das FOX-Format funktionieren. Sprichwörtliche Räder werden hier aber sicher nicht neu erfunden...

Fazit

Mit derart überhöhten Maßstäben wie für Serien wie Mindhunter und True Detective sollte man an den neuen FOX-Krimi Prodigal Son nicht rangehen. Ein etwas fairerer Vergleich liegt da schon der mit der ehemaligen NBC-Serie Hannibal auf der Hand, die ja auch bei einem Network lief. Ähnlich einfallsreich und wagemutig wie Bryan Fuller damals erweisen sich Chris Fedak und Sam Sklaver mit ihrem Werk aber noch nicht. Soll heißen: Sie bedienen sich vor allem an Klischees.

Rein visuell kann sich die Serie aber durchaus sehen lassen. Wäre die Handlung nicht so sprunghaft, sondern langsam und fixiert könnte dank der düsteren Inszenierung sogar echte Atmosphäre aufkommen. So muss sich Prodigal Son zum Auftakt voll und ganz auf das Hauptverkaufsargument namens Michael Sheen verlassen, der zwar im Zentrum aller Trailer und Poster steht, dafür aber bisher enttäuschend wenig Zeit vor der Kamera verbringen durfte. Im Optimalfall setzt man ihn ähnlich ein wie James Spader seit Jahren bei The Blacklist eingesetzt wird, nämlich als unberechenbaren Joker im Kartendeck der Guten.

Hier abschließend noch derTrailerzur neuen FOX-SerieProdigal Son:

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