
„What crawled down your ass and died? Jane did!“
Ein weiteres UK-Remake ging im US-Fernsehen an den Start. Im Crime-Procedural Prime Suspect hat Detective Jane Timoney (Maria Bello) von der New Yorker Polizei gerade mit dem Rauchen aufgehört. Wir erleben sie am Morgen danach beim Jogg-Versuch und dem kraftvollen Durchsetzen bei einem Streit mit einem Taxifahrer, der sich eine Zigarette anzündet.
Auf dem Polizeidezernat sind die Fronten verhärtet. Die männlichen Ermittler rund um Detective Keating (Jason Beghe) haben ihr den zustehenden Fall gestohlen. Eine Frau wurde vergewaltigt und blutig ermordert. Timoneys Hinweise werden missachtet und sie wird von ihren männlichen Kollegen abwertend behandelt, was zum Teil mit ihrer Versetzung zusammenhängt. Scheinbar hatte sie ein Verhältnis mit ihrem früheren Dezernatchef... Ihr jetztiger Boss Lieutenant Sweeney (Aiden Quinn) scheint jedoch ein offenes Ohr für seine einzige weibliche Ermittlerin zu haben und verspricht ihr den nächsten Fall. Doch als Keating während einer Besprechung plötzlich an einem Herzanfall stirbt, übernimmt Timoney die Untersuchungen - sehr zum Missfallen ihrer Kollegen.
Derweil hat die toughe Ermittlerin auch Probleme „zu Hause“: Ihr Freund Matt (Kenny Johnson) möchte seinen Sohn sehen, doch seine Ex-Frau macht sich nicht nur über den übermäßigen Handyeinsatz einer Polizistin Sorgen, sondern will auch keine Waffen in der Nähe ihres Kindes wissen. Aber zu dem Zeitpunkt hatte sie den gut ausgestatteten Waffenschrank von Jane Timoney noch nicht gesehen.
„That bitch ain't no good in here!“
Brauchen wir wirklich ein weiteres Crime-Procedural? In den letzten Jahren haben uns Serien wie Castle oder auch The Mentalist bewiesen, dass es immer wieder neue Ansätze der seit Jahren existierenden Serienform gibt. Vor allem die britischen Serienentwickler konnten mit Luther und Sherlock immer wieder faszinierende neue Blickpunkte finden, die den Fokus auf ungewöhnliche Ermittler richten. Anfang der 1990er Jahre legte auch ITV in Großbritannien einen der Grundsteine für die doch recht zahlreichen weiblichen Ermittlerinnen heutzutage. Prime Suspect - mit der hervorragenden Oscargewinnerin Helen Mirren in der Hauptrolle - betrachtete nicht nur den Fall der Woche, sondern auch das sexistische Umfeld, dem die weibliche Hauptfigur ausgesetzt war. Damals noch ein sehr ungewöhnlicher Blickwinkel, der jedoch auch in der heutigen Zeit seine Brisanz nicht komplett verloren hat.
Kritik
Neben dem eher schwachen und uninspiriert wirkendem Fall der Woche muss leider auch das Kostüm kritisiert werden. Der Hut, auf den Maria Bello bereits während der Promoaktivitäten von NBC äußerst stolz war, sollte die Abteilung des Kostümdesigns eventuell noch einmal überdenken. Auch die wild zusammengenähten Mäntel und Jacketts können nicht jedermanns Geschmack sein. Die Ausstattung in Serien unterstreicht die Hauptmerkmale eines Charakters, ohne „aufgesetzt“ zu wirken. Dass Agent Timoney keinen Geschmack hat, sollte hierbei wohl nicht als Aussage transportiert werden.
Störend wirkte auch Timoneys Allwissenheit bezüglich des Falles. Eine Handvoll Ermittler einer Task-Force sehen kein Muster, welches Timoney innerhalb von Sekunden feststellen kann. Die Art und Weise, wie sie nach dem Tod des Kollegen nach dem Fall fragt, macht ihre Person außerdem unsympathisch. Auch wenn sie selbst daraufhin unter Gewissensbissen leidet und natürlich nur das Aufklären des Falles im Sinn hat.
Fazit
NBC hat am vergangenen Donnerstag eine solide Pilotepisode zu Prime Suspect (US) gezeigt, die bei den Zuschauern nur durchschnittlich angenommen wurde „34610“. Vor allem der jeweilige Fall der Episode muss sich noch gravierend steigern, da die gut agierende Maria Bello doch eine spannende, fallbezogene Unterstützung braucht, um den Zuschauer bei Laune halten zu können. Die männlichen Darsteller sind allesamt gut getroffen, obwohl man fast ein wenig traurig ist, dass Jason Beghe gleich zu Beginn das Zeitliche segnet. Der erst kürzlich Emmy-nominierte Brían F. O'Byrne (Mildred Pierce) und der Fringe-Darsteller Kirk Acevedo kommen in dem Piloten noch nicht ganz zum Zuge. Wir können jedoch gespannt sein, wie sich das Privatleben von Timoney weiterentwickelt. Schien doch im Piloten die Beziehung zu Matt recht harmonisch, sind wir auf die Ankunft des Ex-Geliebten gespannt „34649“. Zuschauer, die sich bei Crime-Procedurals mehr auf den Fall der Woche fokussieren, werden bei Prime Suspect eher enttäuscht sein.
