Aus Mangel an Beweisen 1x01

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Das passiert in der Pilotfolge der Serie âAus Mangel an Beweisenâ
Eines Morgens sieht sich der stellvertretende Bezirksstaatsanwalt von Chicago, Rusty Sabich Jake Gyllenhaal, mit dem schwersten Fall seiner bisherigen Karriere konfrontiert. Die Ermordete, deren Tod er in Presumed Innocent aufklÀren soll, ist ausgerechnet seine Kollegin Carolin Polhemus (Renate Reinsve). Bald stellt sich heraus, dass Rustys merkliche Betroffenheit nicht nur beruflicher, sondern auch privater Natur ist, da er eine heimliche Liebesbeziehung zu ihr hatte.
Als sein Vorgesetzter und guter Freund Raymond (Bill Camp) die Wahl und damit sein Amt an seinen Konkurrenten Nico Della Guardia (O. T. Fagbenle) verliert, wird ihm die AffĂ€re zum VerhĂ€ngnis. Denn Rusty hat nicht nur jenes pikante Detail verschwiegen, als er den Fall ĂŒbernahm, zu allem Ăberfluss stellt sich auch noch heraus, dass Carolin zum Zeitpunkt ihrer Ermordung schwanger war. Schnell gerĂ€t Sabich ins Visier seiner Kollegen und wird zum HauptverdĂ€chtigen...
Hier schon mal der Trailer zur Serie „Aus Mangel an Beweisen“:
Ein starker Beginn

Die einfĂŒhrenden Minuten einer Serie oder eines Films gelten gemeinhin als Ă€hnlich wichtig wie der erste Satz eines Romans. Im Fall von „Aus Mangel an Beweisen“ haben sich Serienerfinder David E. Kelley (Big Little Lies) und sein Autoren-Team an diesen Grundsatz gehalten und legen in der DebĂŒt-Folge der siebenteiligen Miniserie einen entsprechend spannenden Start hin. Die Geschichte beginnt, als der Staatsanwalt Rusty Sabich die schockierende Nachricht erhĂ€lt, dass seine Kollegin und Stellvertreterin Carolin brutal ermordet wurde.
Die Begutachtung des Tatorts gerĂ€t fĂŒr den ansonsten hartgesottenen Mann zu einem Albtraum, denn die junge Frau wurde erbarmungslos an Hals, Armen und FĂŒĂen gefesselt und erschlagen. Schon in diesen ersten Minuten wird deutlich, dass Jake Gyllenhaal („Guy Ritchie's Der Pakt“, „Donnie Darko“, Mysterio in âSpider-Man: Far From Homeâ) die perfekte Wahl fĂŒr den emotional stark involvierten Rusty ist. Der Mime tritt mit einer so beeindruckenden EmotionalitĂ€t auf, dass kaum ein Zweifel daran besteht, dass da mehr als eine rein kollegiale Beziehung zwischen ihm und dem Opfer besteht.
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Die ersten Ermittlungen

Die ersten 30 Minuten verwendet „Aus Mangel an Beweisen“ entsprechend auf die Vorstellung des Falls und der Hauptfiguren. Parallel erleben wir die ersten genretypischen Ermittlungen mit, die naturgemÀà ins Leere laufen, aber den Fall dennoch verkomplizieren. Als erfolgsorientierte StaatsanwĂ€ltin mit politischen Ambitionen hatte Carolin nĂ€mlich viele Feinde, von denen einige als Schwerverbrecher hinter Gittern sitzen, andere aber in ihrem Kollegenkreis agieren. Das sorgt fĂŒr Interesse.
Nach etwa 20 Minuten kommt zudem heraus, dass Rusty und die Ermordete ein VerhĂ€ltnis miteinander hatten, was der Geschichte eine zwar nicht ganz unerwartete, aber doch spannende Wendung verleiht. Bis hierhin vergehen die Minuten wie im Flug. Die Schauspielleistungen sind gut bis hochklassig. Die Farbgebung erinnert angenehm an die Entstehungszeit des zugrundeliegenden Romans in den 80ern, obwohl die Story in die Gegenwart transportiert wurde und die DialogfĂŒhrung ist ansprechend.
Ein kleiner Einbruch

Einen kleinen Knick in Sachen Pacing muss die Miniserie dann allerdings circa zehn Minuten spĂ€ter hinnehmen. Obwohl die heimliche Liebesbeziehung lĂ€ngst offen vor uns liegt und wir wissen, dass diese Rustys Ehe auf eine harte BewĂ€hrungsprobe stellt, reiten David E. Kelley und sein Team auf diesem Umstand viel zu lange herum und ziehen damit das Tempo aus der ErzĂ€hlung. Sicherlich ist es fĂŒr den weiteren Verlauf gut zu wissen, dass Sabich nicht der fehlerfreie Saubermann ist, aber das nun folgende Drama zwischen ihm und seiner Frau Jaden (einfĂŒhlsam von Chase Infiniti dargestellt) zieht sich wie Kaugummi und lĂ€sst uns den Fokus auf den Kern verlieren.
Und der liegt klar auf der Hand, weil wir lĂ€ngst schon wissen, dass Rusty sich mit seinem Schweigen zum HauptverdĂ€chtigen machen könnte. Genau das geschieht letztlich auch, als sein Freund und Vorgesetzter Raymond (herrlich ruppig: Bill Camp) die Wahl verliert und den Posten an den ehrgeizigen, fachlich aber inkompetenten Nico Della Guardia (unĂŒbersehbar borniert von O. T. Fagbenle gespielt) verliert.
Um den Plotpoint am Ende der Episode gebĂŒhrend zu unterstreichen, lĂ€sst das Drehbuch-Team ĂŒber die Laufzeit der Folge hinweg immer mal wieder diverse Sticheleien der AnwĂ€lte untereinander einflieĂen. WĂ€hrend der eine versucht, den Fall zu lösen, ist der andere lediglich daran interessiert, die Wahl zu gewinnen. Neid, Missgunst und Ăberheblichkeit sind im BĂŒro der Staatsanwalt offensichtlich allgegenwĂ€rtig, womit die Show durchaus hier und da Soap-artige AnklĂ€nge offenbart, die ein wenig Schwung in das ansonsten recht klassische Krimisetting bringen.
Auf eigene Faust?

Wie sich das Ganze letztlich weiterentwickelt, scheint ausgehend von der Startepisode klar. Rusty verliert jeglichen RĂŒckhalt in der Kanzlei und muss den Fall auf eigene Faust aufklĂ€ren, um seine Unschuld zu beweisen. Inwieweit der Plot ĂŒber mehr als fĂŒnf Stunden tragfĂ€hig ist, muss sich allerdings erst noch zeigen. GenĂŒgend Raum fĂŒr Wendepunkte, figĂŒrliche und situative AbgrĂŒnde sowie eine ebenso verzwickte wie hoffentlich actionreiche Auflösung gibt es auf jeden Fall.
Fazit
Die Pilotfolge von Presumed Innocent prĂ€sentiert sich routiniert und solide, fĂŒhlt sich bisher aber auch nicht besonders an. Im Grunde genommen scheint alles auf ein typisches „Lone-Wolf-Setting“ hinauszulaufen, in dem der SympathietrĂ€ger der Geschichte zum HauptverdĂ€chtigen avanciert und seine Unschuld nur im Alleingang beweisen kann. HandlungsverlĂ€ufe dieser Art stehen und fallen mit dem Cast und den Plotpoints, die klug getimt sein mĂŒssen, um das Interesse des Publikums hochzuhalten.
In Anbetracht des unnötigen und zu lang gezogenen Mittelteils darf man indes vor allem bezĂŒglich der Spieldauer der Miniserie durchaus skeptisch sein, ob der Spannungsbogen ĂŒber die gesamten sieben Teile hinweg erhalten bleibt. Andererseits sind sowohl das Ensemble als auch das Produktionsteam tragfĂ€hig, so dass wir vorsichtig optimistisch sind.
Dreieinhalb von fĂŒnf StaatsanwĂ€lten.
Verfasser: Reinhard Prahl am Mittwoch, 12. Juni 2024Aus Mangel an Beweisen 1x01 Trailer
(Aus Mangel an Beweisen 1x01)
Schauspieler in der Episode Aus Mangel an Beweisen 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?