Mit Powerless ist bei NBC die erste DC-Comedy an den Start gegangen. Diese wurde von der ursprünglichen Bestellung bis hin zur fertigen Ausstrahlung noch einmal völlig neu gestaltet. Im Zentrum stehen die Mitarbeiter von einem Wayne-Security-Ableger in Charm City.

Der Cast von „Powerless“ / (c) NBC
Der Cast von „Powerless“ / (c) NBC
© er Cast von „Powerless“ / (c) NBC

DC- und Marvel-Serien gibt es wie Sand am Serienmeer: Ob nun bei ABC, FOX, Netflix oder The CW - das Genre ist im Dramabereich bereits gut repräsentiert. Was es bislang noch nicht gab - oder zumindest in den letzten Jahren nicht -, ist eine waschechte Comedy, was nun NBC mit Powerless nachholen möchte.

You don't need superpowers to be a hero

Vanessa Hudgens in „Powerless“
Vanessa Hudgens in „Powerless“ - © NBC

Dabei steht die lebensfrohe Emily Locke (Vanessa Hudgens) im Mittelpunkt, die ihren Traumjob als Director of Research and Development bei Wayne Security in Charm City findet. Von ihrem Vater hat sie ihr Lebensmotto erhalten. Man muss keine Superkräfte haben, um ein Held zu sein. In Charm City sind Kämpfe mit Superkräften etwas Alltägliches, wobei sie sich noch davon beeindrucken lässt, während der Rest der Bewohner abgebrüht reagiert, wenn Jack O'Lantern und Crimson Fox einander bekämpfen und dabei die U-Bahn in Mitleidenschaft ziehen.

Folglich kommt sie auch zu ihrem ersten Tag zu spät und muss feststellen, dass der Chef Van Wayne (Alan Tudyk) vor allem an seinen eigenen Ruhm und Vorteil denkt und seine Untergebenen dazu anstachelt, etwas zu erfinden, wofür er die Lorbeeren einheimsen kann.

Allerdings werden die kreativen Ideen abgelehnt, weil sie zu teuer oder zu gefährlich sind und vielleicht sind manche davon, wie das Kryptonit-Glas oder der Sexroboter (ja, richtig gelesen), nicht ganz ausgereift.

Dem Team droht die Auflösung und der Jobverlust, wenn nicht die große Erfindung kommt, denn Cousin Wayne freut sich auf eine Versetzung nach Gotham City. Emily muss nun also ihren Enthusiasmus auf das Team übertragen, das ihr teilweise nicht wohlgesonnen ist. Kollegin Wendy (Jennie Pierson) entwickelt sogar ein Emily-Warngerät, das sich aber als Geniestreich herausstellt. Denn durch eine Modifizierung gelingt es, daraus ein Schurkenwarngerät zu machen, das auf den Duft des Schurken abgestimmt ist und sogar auf den Joker anwendbar ist. Alle behalten also ihre Jobs und dürfen weitertüfteln.

Wayne or Lose

Alan Tudyk in „Powerless“
Alan Tudyk in „Powerless“ - © NBC

Der Serienpilot zu Powerless trägt den Titel Wayne or Lose und, wie es scheint, werden auch die weiteren Episoden der Staffel das Wort Wayne im Titel behalten. Tatsächlich ist diese Version die zweite, die gedreht wurde. Im Juli 2016 wurde während der Preview-Night der San Diego Comic-Con eine völlig andere Vorabversion gezeigt.

Bis auf die Heldenszenen ist nichts mehr so wie dort gesehen. Der Handlungsort wurde geändert (zuvor spielte die Serie in der Retcon Insurence), Darsteller ausgetauscht, neue Charakterisierungen entwickelt und 90 Prozent der Szenen und Dialoge überarbeitet. Dabei wurde auch der Bezug zum Comicuniversum und dem Batman-Mythos verstärkt, wobei im Endprodukt der Wayne-Faktor sehr hoch ist.

Meinem Empfinden nach sind es im Piloten die Superheldenszenen, die sich wie ein Fremdkörper anfühlen und gar nicht unbedingt nötig sind. Falls sie weiter verwendet werden, dann hoffentlich organischer. Die Effekte sind zu ambitioniert für das TV-Budget und das sieht man ihnen an. Auch wenn die Figuren nur aus der dritten oder vierten DC-Garde stammen...

Die Anspielungen und Easter Eggs sind zahlreich und bisher vor allem Batman- (aus offensichtlichen Gründen) und Superman-lastig. Der Seitenhieb durch Van Wayne auf den unzureichend begründeten Kampf zwischen Bats und Sups in „Batman v Superman: Dawn of Justice“ gehört für mich zu den besseren Anspielungen. Auch sonst bin ich überrascht, wie viel DC nun in dieser fertigen Version in der Comedy steckt. Der Vorspann ist wunderbar gestaltet, das Joker-Gas hat als Gag gepasst und einigen Trailern nach zu urteilen, werden wir noch viel mehr in dieser Richtung sehen.

With great power comes living in a taint

Der Cast wirkt ebenfalls gut gewählt. Vanessa Hudgens kommt sympathisch, aber etwas zu zielstrebig herüber. Die Macher müssen zukünftig bei ihr eine gute Balance finden, damit sie nicht zu nervig wirkt. Ron Funches wirkt tumb, liebenswürdig und dürfte noch Spaß in die Sache bringen, während Jackie (Christina Kirk) sehr viel bodenständiger erscheint als im Ursprungspiloten und durch einen schönen, trockenen Humor als Gegenpol zum überdrehten Van Wayne fungiert.

Alan Tudyk sehe ich generell gerne, wenn er dick auftragen darf. Danny Pudi spielt eine Rolle, die der aus Abed in Community ein wenig zu sehr ähnelt, aber das stört nur bedingt, denn meine große Hoffnung ist, dass sich die Serie irgendwann in die Richtung der bei NBC gestarteten Comedy entwickelt und einfach die merkwürdigen Seiten des DC-Universums beleuchtet. Dabei darf sie auch gerne noch mehr auf die Metaebene gehen.

Fazit

Die Crew aus „Powerless“
Die Crew aus „Powerless“ - © NBC

Der Anfang von Powerless ist vielversprechend, aber bei weitem nicht bahnbrechend oder hochgradig innovativ, der Cast sympathisch und die Anspielungen ein netter Fanservice. Jetzt fehlt noch etwas bei der komödiantischen Substanz sowie eine höhere Gagdichte, dann könnte die Comedy auch etwas sein, worauf ich mich wöchentlich freue. Schon jetzt passt sie zur NBC-Comedyprogrammfarbe, die an workplace comedies wie Community, The Office, Parks and Recreation, aber auch dem charmant positiven The Good Place und Superstore erinnert.

Und: War das tatsächlich ein versteckter The Grinder-Joke? („But what if it weren't?“).

Diese Serie passen auch zu «Powerless»