Mit Power präsentiert uns Starz ein Drama, in dem ein tüchtiger Geschäftsmann am Scheideweg zwischen dem Drogengeschäft und einem Leben als Nachtclub-Besitzer steht. Der Pilot ist solide und die Prämisse nicht uninteressant. Dennoch mangelt es noch etwas an der titelgebenden Power.

Hauptdarsteller Omari Hardwick als James 'Ghost' St. Patrick in „Power“. / (c) Starz
Hauptdarsteller Omari Hardwick als James 'Ghost' St. Patrick in „Power“. / (c) Starz

Die neue Dramaserie Power des amerikanischen Kabelsenders Starz wurde im Vorfeld fleißig damit beworben, dass unter anderem der US-Rapper 50 Cent für das Projekt als Produzent mit verantwortlich ist. So lassen sich mit Sicherheit auch einige autobiographische Elemente in der Serie Power finden, die den Zuschauer in die zwielichtige Unterwelt New Yorks entführt, wo gefährliche Drogengeschäfte, opulente Nachtclubfeten, dicke Limousinen und fette Bässe an der Tagesordnung sind.

An dieser Stelle ließe sich schon auf eine offensichtliche Schwäche von Power eingehen: Stereotypen und Klischees werden voll augekostet und genüsslich auf einem Silbertablett serviert. Da sich die Serienmacher jedoch vollkommen darüber bewusst sind, was das Format sein will und vor allem was für eine Geschichte sie mit „Power“ erzählen möchten, kann man so über einige Klischees hinwegsehen - auch wenn sie hie und da auf die Spitze getrieben werden.

Dabei kann die Serie auf eine fähige Besetzung bauen, die zwar nicht gerade vor originellen Charakteren strotzen mag, aber immerhin überzeugend ihre Arbeit abliefert. Die hier eingeführte Prämisse verspricht einiges, an manchen Stellen vielleicht sogar zu viel. Der Grundstein für eine spannende Geschichte ist also gelegt. Ob es nun gelingt, die folgenden Episoden etwas kraft- und schwungvoller zu inszenieren, etwas mutiger und origineller zu arbeiten, bleibt jedoch abzuwarten.

Big rich town

In Power steht die Figur des James St. Patrick (Omari Hardwick) oder auch „Ghost“ im Mittelpunkt des Geschehens. Er ist in New York groß geworden und musste sich schon in seiner Kindheit in einer erbarmungslosen Welt durchsetzen. Jetzt ist er ein erfolgreicher Geschäftsmann, der die Eröffnung seines protzigen Nachtclubs feiert. Doch hinter dieser Fassade offenbart sich gleich zu Beginn die anderen Seite seines Charakters.

Hart und unerbittlich: Ghost (Omari Hardwick) greift auch selbst zu fragwürdigen Methoden. © Starz
Hart und unerbittlich: Ghost (Omari Hardwick) greift auch selbst zu fragwürdigen Methoden. © Starz

So ist Ghost gemeinsam mit seinem Kindheitsfreund Tommy (Joseph Sikora) bereits seit langer Zeit auch im Drogengeschäft tätig und hat sich damit eine goldene Nase verdient. Doch langsam keimen Zweifel in dem kräftigen Arbeitertypen auf, der sich seinen ganzen Erfolg hart erkämpft hat. Sollte er den riskanten Drogengeschäften nicht endlich den Rücken kehren und als aufrichtiger Clubbesitzer seine Brötchen verdienen?

Somit ist die Prämisse von Power relativ schnell etabliert, wird uns hier doch wie bereits so oft im Fernsehgeschäft eine Figur präsentiert, die offensichtlich am Scheideweg steht. Mit der schwierigen Entscheidung, das alte kriminelle Leben ad acta zu legen und von nun an legale Geschäfte durchzuführen, ergeben sich für unsere Hauptfigur eine Menge Konflikte, von denen gleich in der ersten Episode des neuen Starz-Dramas eine Vielzahl angerissen werden.

Don't touch the merchandise

Da wäre zum einen Ghosts Drogengeschäft, das nach einem Überfall auf seine Dealer erst einmal auf Eis liegt. Seine Geschäftsbeziehungen kann er aber nicht vernachlässigen, drohen ihm doch schwerwiegende Repressalien. Also macht er weiterhin gemeinsame Sache mit dem eigentümlichen mexikanischen Kartellboss Lobos (Enrique Murciano), trotz seiner ständigen Überlegungen, seine kriminellen Machenschaften über den Haufen zu werfen. Insbesondere Ghosts alter Freund und Mitstreiter Tommy mag sich nicht recht mit dem Gedanken anfreunden, sein Geld als Betreiber eines popeligen Nachtclubs zu verdienen. Außerdem droht auch Gefahr aus Ghosts innerem Kreis. Und die muss unbedingt beseitigt werden, wofür schwere Geschütze aufgefahren werden.

Gleichzeitig muss Ghost, der sich nicht zu schade ist, seine eigene Hände schmutzig zu machen, auch noch die Rolle des pflichtbewussten Familienvaters und liebevollen Ehemanns verkörpern. Gerade mit Blick auf seine Familie liebäugelt er mit einem Ausstieg aus dem Drogengeschäft. Als er dann auch noch auf eine verflossene Flamme trifft, droht ihm zusätzlich Ärger mit seiner Frau Tasha (Naturi Naughton). Und als wäre dies noch nicht genug, stellt sich seine alte Bekannte Angela zum Ende auch noch als Teil einer Spezialeinheit heraus, die es auf Kingpin Lobos und all diejenigen abgesehen hat, die mit diesem Geschäfte machen.

Zwischen Ghost und Angela (Lela Loren) knistert es auch seit Jahren noch. © Starz
Zwischen Ghost und Angela (Lela Loren) knistert es auch seit Jahren noch. © Starz

The road not travelled

Wie man bereits erkennen kann, reißt die gut 60-minütige Pilotepisode eine ganze Menge an Handlungen an, was aber nicht nur Vorteile hat. So fühlt sich die Pilotfolge durchaus ein wenig zu vollgepackt an. Es werden gleich mehrere Fässer aufgemacht, einige sich anbahnende Konflikte stellen sich dabei als ein wenig zu vorhersehbar heraus (etwa dass Ghosts ehemalige Freundin mit Juraabschluss sich im Rahmen ihrer Arbeit für eine Spezialeinheit als seine Widersacherin herausstellen wird).

So viele Probleme und Konflikte sich für Ghost hier auch präsentieren und so sehr Power auch den Mechanismen einer klassischen Pilotepisode mit viel Inhalt und zahlreichen Informationen verfällt, so sehr gelingt es den Serienmacher aber ebenso, ein stimmiges Bild ihrer Charaktere und der Umgebung zu zeichnen. Einzig die bereits zuvor angesprochene Klischeekeule wird etwas zu sehr geschwungen. Doch letztendlich gestaltet sich die erste Folge des Dramas als runde Sache, die durchaus einige reizvolle Aspekte setzen und interessante Handlungsstränge bieten kann.

A way out

Schade ist jedoch, dass das Produktionsteam hinter Power zu oft eine viel zu risikoarme Kugel schiebt, vor allem visuell. Neben dem recht sehenswerten Intro zur Serie bleiben weitere originelle Ideen auf visueller Ebene leider aus. Dadurch verliert Power des Öfteren ordentlich an Schwung. Auch wenn die Geschichte überzeugen kann - packend und kreativ inszeniert ist sie nur selten. Dadurch verschenkt man leider etwas Potential. Zwar kann man als Serie auf einem Kabelsender auf nackte Haut und explizite Gewaltdarstellung zurückgreifen, besonders interessant oder mitreißend gefilmt fühlt sich die erste Episode von Power aber nicht wirklich an.

Zumindest kann man auf anderen Produktionsebenen punkten, zum Beispiel bei der musikalischen Untermalung. Hier werden die Meinungen der Zuschauer sicherlich variieren, und gelegentlich ist der eine oder andere Hip Hop-Song vielleicht auch etwas nervig. Doch insgesamt passt es gut ins Gesamtbild der Serie und spiegelt das hier gezeigte Milieu durchaus wieder.

Gefährlicher Geschäftspartner: Ghost zusammen mit Kartellboss Felipe Lobos (Enrique Murciano). © Starz
Gefährlicher Geschäftspartner: Ghost zusammen mit Kartellboss Felipe Lobos (Enrique Murciano). © Starz

Bei den Darstellern hat man nicht viel verkehrt gemacht, auch wenn ihnen größtenteils durch vorgegebene Stereotypen Fesseln angelegt sind. Hauptdarsteller Omari Hardwick fällt hier natürlicherweise am meisten auf. Seinen inneren Konflikt bringt er dabei gut zur Geltung, ab und an wünscht man sich aber auch von ihm etwas mehr Elan. Im Zusammenspiel mit Lela Loren, die seine Jugendfreundin Angela verkörpert, fabrizieren die beiden einige gute Szenen. Die Beziehung der beiden Figuren zueinander wird in den zukünftigen Episode sicherlich noch ein großes Thema sein und sich eventuell sehr interessant gestalten. Aber auch Joseph Sikora teilt ein paar sehenswerte Momente mit Hardwick, auch wenn er den Akzent seiner Figur gelegentlich etwas arg gestelzt von sich gibt.

Fazit

Ohne Frage ist auch Power auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten, die wiederum vor allem erst einmal über die äußeren Merkmale des Formats überzeugt werden soll. Dies gelingt auch im Großen und Ganzen, etwas mehr Mut und Einfallsreichtum hinsichtlich der visuellen Gestaltung und Inszenierung hätte man sich aber schon gewünscht. Die Schlussmontage ist hier ein positives Beispiel, das definitiv für etwas Abwechslung sorgt.

Mit Blick auf die Handlung muss man sich zwangsläufig fragen, ob man sich in der ersten Episode nicht ein wenig viel aufgebürdet hat. Der Rahmen an sich ist nicht wirklich originell und hält altbekannte Muster und Motive parat, die wiederum schon zuhauf im Fernsehgeschäft verwurstet wurden. Wichtig ist jetzt, mit eigenen Ideen aufzuwarten, den Charakteren mehr Profil zu verleihen und weniger auf öde Klischees zu setzen.

Mit dem richtigen Ansatz können die Serienmacher aus den hier etablierten Problemen und Konflikten reichlich Spannung herausholen. In der Pilotepisode von Power macht vieles noch einen recht generischen Eindruck, aber Potential ist durchaus erkennbar. Wenn sich die folgenden Episoden zum einen als etwas origineller und kreativer herausstellen, und zum anderen Power etwas mehr in Fahrt kommt und mehr mitreißen kann, könnte sich Starz' neues Drama zu einem sehr soliden Format mausern, das nicht nur gut unterhalten, sondern auch einiges an Spannung mit sich bringen könnte.

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