Player of Ibiza 1x01

© NDR/Hannah Aders
In der NDR-Serie Player of Ibiza, die nun in der ARD Mediathek zu streamen ist, geht es um eine Realityshow nach dem Bachelor-Vorbild. Die Macher:innen wissen, wovon sie erzählen... Die Persiflage landet nämlich schon in der Pilotepisode viele Treffer. Doch was genau erwartet die Zuschauer:innen?
Wovon handelt die Serie „Player of Ibiza“?
Amelie (Larissa Sirah Herden, auch bekannt als Lary) produziert seit neun Staffeln das Format „Player of Ibiza“. Eigene Moralvorstellungen hat sie längst dem Anspruch des breiten Publikums untergeordnet. Jedes Jahr aufs Neue inszeniert sie fünf handgepickte Männer, die nicht zur Krone der Schöpfung gehören, dabei, wie sie sich pausenlos blamieren, um am Ende ein Date mit der „Queen“ zu gewinnen.
Nun trifft es sie komplett unvorbereitet, als ihr Chefredakteur Arne (Martin Brambach) ihr unterbreitet, dass die Jubiläumsstaffel anders aussehen soll. Er will auf den Feminismuszug springen, ohne sich die Mühe zu machen, zu verstehen, was das ist. Amelie macht er das Angebot damit schmackhaft, dass sie es dadurch aus der Realitywelt rausschaffen kann. Und hinterher schiebt er noch, dass außerdem nun gespart werden müssen, statt Ibiza steht Buchholz in Niedersachsen auf dem Reiseplan.
Wer sind die Player der Jubiläumsstaffel?
Das erfahren die Player allerdings zunächst nicht. So lernen wir hoffnungsfrohe Teilnehmer kennen, die sich auf zum Treffpunkt machen. Dazu gehören der verwöhnte Anthony (Emil Belton), der Incel mit psychopathischen Zügen Jeppe (Sammy Scheuritzel) und ebenso der Möchtegernübermoslem Abdel (Arman Kashani). Abgerundet wird die Gruppe durch den Fitnessfreak Tim (Bruno Alexander), der seine Gefühle nur zeigen kann, wenn er mit seiner Freundin alleine ist und der erfolglose Rapper Marvin (Charles Booz Jakob), der im Gartenhaus seiner Mutter kiffend seine Zeit verbringt.
Mit nach Buchholz reisen außerdem Moderatorin Shirin (Altine Emini), die die Idee mit dem Feminismus nicht so gut findet, und Kamerafrau Toni (Paula Goos), die sich mit Gras und Beruhigungstabletten ruhigstellt, wenn ihr Job sie wieder einmal in Absurditäten führt.
Auch wenn die erste Enttäuschung über den fehlenden Strand groß ist: Die Jungs lassen sich auf die Herausforderung ein. Zum Glück wissen sie noch nicht, dass es in diesem Jahr nicht einmal eine Queen gibt... Das eigentliche Ziel ist es, die Jungs zu Feministen zu machen. Diese Aufgabe lässt Amelie zwischen Hoffnung und Wahnsinn pendeln. Während ihr angelernter Zynismus nach neun Jahren Reality-TV bröckelt, stellt sich die Frage: Ist es besser, was dahinterliegt? Und ebenso: Ist es besser, mit Feminismus oder Sexismus Quoten und Profit zu machen?
Wie kommt es rüber?
Ganz neu ist die Idee nicht, unter anderem könnten die Serienmacherinnen sich Inspiration bei dem gelungenen US-Format UnREAL geholt haben. Doch die „Player-of-Ibiza“-Crew kennt ihr Metier und macht die Idee, das Realitygebahren ins Fiktive zu holen, zu ihrer ganz eigenen Sache. Wer schon einmal auch nur kurz an einer deutschen Trash-TV-Produktion vorbeigekommen ist, der sieht sofort: Die neue Das Erste-Serie trifft alle Töne.
Mit den schrillen Neontönen in Palmenoptik bricht die Serie bereits nach wenigen Minuten. Wir finden uns nicht am Strand von Ibiza wieder, sondern letztlich in einer ruhigen Siedlung in Niedersachsen. Die Serie spielt mit den typischen Realitysegmenten, wie zum Beispiel Einzelinterviews, Vorstellungsclips und Musikcollagen. Erwischt man nur einen kleinen Ausschnitt der Serie, kann man sich direkt wie in einer echten Realitysendung fühlen. Denn: Etwas zu persiflieren, was schon selbst hochgradig absurd ist, ist gar nicht so einfach... Doch das Team hinter der Serie meistert diese Aufgabe mit Komik und Cleverness.
Dabei hilft natürlich der Blick der drei Frauen, die hinter der Kamera arbeiten, also im serieninternen Format. Regisseurin Amelie dient den Zuschauer:innen als Identifikationsfigur, Moderatorin Shirin symbolisiert die Trash-TV-Fans in uns oder unserem Freundeskreis und Kamerafrau Toni ist die zynische Seite der Zuschauerschaft, diese kleine Stimme der Vernunft, die das echte Realityfernsehen einfach nicht verharmlosen und als Spaß genießen kann.
Mit cleveren Einwürfen, oft gepaart mit einer skurrilen Dummheit, begeistern die Macher:innen auf bestem Niveau. So dürfte das GEZ-Geld gut angelegt sein. Auftrag erfüllt, hier wird unterhalten, es darf aber auch mitgedacht werden - und wenn jemand möchte, dann kann er sogar noch was dazulernen...
Wir vergeben daher viereinhalb von fünf niedersächsischen Palmen.
Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Donnerstag, 16. Mai 2024(Player of Ibiza 1x01)
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?