Platonic: Review der Pilotepisode

© Apple TV+
Der britische Regisseur Nicholas Stoller, bekannt für US-Filmkomödien wie „Nie wieder Sex mit der Ex“, „Männertrip“ und „Bros“, präsentiert zusammen mit seiner Frau Francesca Delbanco, mit der er vor einigen Jahren schon die wenig begeisternde Netflix-Serie Friends From College schuf, bei Apple TV+ die neue Freundschaftskomödie Platonic.
Die Hauptrollen spielen Rose Byrne (Physical, Mrs. America, Damages) und Seth Rogen („Superbad“, „The Interview“, „Der Super Mario Bros. Film“), den man auch als Produzenten von Formaten wie The Boys, Future Man und Preacher kennt. In der zweiteiligen „Bad-Neighbors“-Reihe, die ebenfalls von Stoller inszeniert wurde, spielten Byrne und Rogen ein genervtes Ehepaar. Diesmal sind sie jedoch nur platonisch verbunden, wie der Titel des Neustarts bereits festlegt.
Ebenfalls im festen Ensemble mit dabei: Luke Macfarlane (Killjoys), Tre Hale (All American), Carla Gallo (Bones) und Andrew Lopez („Funny or Die“). Sowie Alisha Wainwright (Raising Dion), Guy Branum (The Mindy Project), Janet Varney (You're the Worst), Emily Kimball (Daisy Jones & The Six) und TikTok-Star Vinny Thomas in wiederkehrenden Rollen.
Worum geht's?
Die zehnteilige Auftaktstaffel beginnt mit einer circa halbstündigen Pilotepisode, in der wir zunächst Byrnes Alter Ego Sylvia kennenlernen. Bei ihr handelt es sich um eine verantwortungsbewusste Familienmutter, die mit ihrem unterstützenden Partner Luke (Macfarlane) drei Kinder großzieht. Alles scheint auf den ersten Blick perfekt - außer vielleicht, dass man sich nicht auf einen Film beim gemeinsamen Heimkinoabend einigen kann. Aber auch das wirkt wunderbar normal...
Bewegung ins Spiel kommt, als die weibliche Hauptfigur eines Tages via Social Media erfährt, dass sich ihr ehemaliger bester Freund Will (Rogen) offenbar von seiner Frau Audrey (Wainwright) hat scheiden lassen. An ihr scheiterte die Freundschaft einst, denn Sylvia hatte kein Geheimnis daraus machen wollen, dass sie die Ehe der beiden nicht gutheißen kann. Dass nun ausgerechnet ihr eigener Mann Luke sie dazu drängt, wieder Kontakt zu Will zu suchen, wirkt ziemlich erfrischend, weil Stoller und Delbanco so dem langweiligen Thema Eifersucht früh einen Riegel vorschieben.

Obwohl somit eine längst überholte Frage ausgeschlossen wird, fokussiert man sich zu Beginn der Serie leider auf ein anderes, vielleicht sogar noch leidigeres Thema. Es geht um die von Hunderten von Sitcoms hundertfach durchsimulierte Situation, in der eine Frau und ein Mann versuchen, einfach befreundet zu sein - ganz ohne sexuelle Anziehung. Im echten Leben kennen vermutlich die meisten solche Fälle, in denen es wirklich kein Problem darstellt. Doch Hollywood scheint sowas schlichtweg utopisch zu finden. Das Stichwort „Harry und Sally“ wird sogar genannt...
Zum Glück bleibt eine potentielle Spannung zwischen Sylvia und Will in „Platonic“ weit im Hintergrund. Allerdings haben wir auch nur eine Handvoll Folgen vorab sehen können. Sollte sich am Ende doch mehr zwischen den platonischen Freunden entwickeln, würde sich der Serientitel als Täuschung erweisen. Zumal die beiden Macher Stoller und Delblanco so wenig Einfallsreichtum bewiesen (genau in diese Falle tappten sie übrigens schon bei „Friends from College“).
Was derweil vielversprechend wirkt, sind die Szenen zwischen Byrnes Charakter Sylvia und ihrer neuen besten Freundin Katie (Gallo). Denn beide stecken in der Mühle des Mutterdaseins fest und wollen sich gegenseitig wieder zu Abenteuern aufraffen. Das ist jedenfalls eine Perspektive, die noch nicht so überstrapaziert ist. Hier kann die Serie noch viel rausholen, aber sicher auch, wenn es darum geht, Sylvia als spaßige Mutter zu porträtieren - wohingegen viele Fernsehmütter humorlos sein müssen, damit ihre Männer verrückt sein können. Bestes Beispiel: Homer und Marge Simpson.
Wie ist es?
Alles in allem ein nicht ganz eindeutiger Auftakt für „Platonic“ bei Apple TV+. Einerseits kann sich das neue Werk von Nicholas Stoller und seiner Kreativ- wie Ehepartnerin Francesca Delbanco voll und ganz auf den Charme des „Bad Neighbors“-Duos Rose Byrne und Seth Rogen verlassen, andererseits spielt die Serie gefährlich mit RomCom-Klischees. Zu diesem frühen Zeitpunkt ist es schwer zu sagen, ob man bewusst diese Referenzen bringt, um sie am Ende direkt zu entkräften - oder ob die platonische Freundschaft doch in Liebe oder Sex übergeht.
Alles in allem knüpfen wir für den Pilot der US-Comedy „Platonic“ gut gemeinte 3,5 von 5 Freundschaftsarmbändern. Die drei ersten Folgen der Serie können die Apple-Abonnent:innen ab Mittwoch, den 24. Mai 2023 streamen. Die verbliebenen sieben Ausgaben folgen dann im Wochentakt, nämlich bis zum Staffelfinale am 12. Juli.
P.S.: Dass Seth Rogen im Spielberg-Streifen „Die Fabelmans“ zuletzt auch einen platonischen Freund einer weiblichen Hauptfigur gespielt hat, mit dem schließlich mehr lief, macht einen zusätzlich paranoid, wie es hier weitergehen könnte...
Hier abschließend der Trailer zur Serie: