Udo Kroschwald spielt seit 2004 in SOKO Wismar den Revierleiter Jan-Hinrich Reuter und ist als einziger Darsteller seit der ersten Episode ununterbrochen dabei. Eigentlich wollte er als Student nur Verstärker für seine Band löten, landete dann aber mit Pferd, Wagen und Shakespeare in den Gasthöfen des Erzgebirges.
Udo Kroschwald stammt aus Freiberg in Sachsen und kam über einige Umwege zur Schauspielerei. Seine Familie war vom Handwerk geprägt, ein Großvater betrieb eine Schmiede, der andere arbeitete als Steinmetz in der Lausitz, und der Vater war Dreher.
Nach dem Abitur begann er in Dresden ein Studium der Elektrotechnik, das damals unter dem Namen Kybernetik lief. Als Gitarrist einer Band hoffte er, Verstärker und Mischpulte bald selbst bauen zu können, denn solche Geräte gab es in der DDR kaum zu kaufen.
Über die Musik fand Kroschwald den Weg zur Studentenbühne der Technischen Universität Dresden. In den Semesterferien zog die Truppe mit Pferd und Wagen durch das Erzgebirge und das Elbsandsteingebirge und spielte vormittags und abends Shakespeare in Gasthöfen.
Die Technik rückte danach immer weiter in den Hintergrund. Sein Geld verdiente er eine Weile als Eisenbahner, Tanzmusiker und Bühnenarbeiter, ehe er an die Theaterhochschule Leipzig wechselte und seine Ausbildung dort 1984 abschloss.
1985 stand Kroschwald in „Der Haifischfütterer“ unter der Regie von Erwin Stranka zum ersten Mal vor der Kamera. Parallel führten ihn Engagements an die Bühnen in Magdeburg und Stendal, wo er das Spiel im Repertoirebetrieb von der Pike auf lernte.
Danach gehörte er bis 2001 zum festen Ensemble des Deutschen Theaters Berlin. Dort spielte er unter anderem in „Der Widerspenstigen Zähmung“ und „Othello“ sowie den Max von Stahl in Klaus Pohls „Karate-Billi kehrt zurück“ unter der Regie von Alexander Lang.
Auch das Musical ließ ihn nicht los. In der Spielzeit 2008/2009 sang und spielte er im Berliner Admiralspalast den Alfred Doolittle in „My Fair Lady“.
Nach der Wende wuchs die Zahl seiner Film- und Fernsehrollen stetig. Kroschwald spielte in der Romanverfilmung „Helden wie wir“ (1999) nach Thomas Brussig und in Roman Polanskis „Der Pianist“ (2002), der den Überlebenskampf des Musikers Władysław Szpilman im besetzten Warschau erzählt.
Danach sah man ihn in Dani Levys Satire „Mein Führer“ (2007) und im Technodrama „Berlin Calling“ (2008) an der Seite von Paul Kalkbrenner. Zur Besetzung von George Clooneys „Monuments Men“ (2014) gehörte er ebenfalls, einem Film über eine Spezialeinheit, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs geraubte Kunstwerke aufspürt.
Im Fernsehen war Kroschwald in zahlreichen Krimireihen zu sehen, darunter mehrfach im Tatort und im „Polizeiruf 110“. In Berlin, Berlin trat er 2003 in zwei Episoden auf, in „Hinter Gittern“ spielte er 2005 in vier Episoden mit.
Hinzu kamen wechselnde Rollen in Küstenwache und „In aller Freundschaft“ sowie Gastauftritte in Der letzte Bulle (2011) und in der Agentenserie Berlin Station (2017). Insgesamt wirkte er bislang in mehr als 60 Film- und Fernsehproduktionen mit.
Seit der ersten Episode im Oktober 2004 spielt Kroschwald in SOKO Wismar den Erster Kriminalhauptkommissar Jan-Hinrich Reuter. Als Leiter des Reviers in der Hansestadt hält Reuter sein Team mit ruhiger, besonnener Art zusammen und behält auch in angespannten Lagen einen kühlen Kopf.
Abstand vom Dienst sucht die Figur beim Angeln, das immer wieder als Ausgleich zum Ermittleralltag auftaucht. Kroschwald ist als einziger Darsteller seit dem Start ununterbrochen dabei und hat die Marke von 500 Episoden längst hinter sich gelassen.
Die lange Laufzeit hat ihn so bekannt gemacht, dass er nach eigener Aussage kaum noch unerkannt durch die Straßen gehen kann. Zum 20. Drehjubiläum freute er sich vor allem darüber, dass die Serie nach so vielen Jahren noch immer an der Spitze der SOKO-Quoten steht.
Neben Bühne und Kamera ist Kroschwald seit den Neunzigern ein gefragter Hörspielsprecher. Er wirkte 1998 an der 30-teiligen MDR-Produktion von Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“ mit und sprach 2002 in der Hörspielfassung von Samuel Shems Klinikroman „House of God“.
Für Kinderhörspiele des Deutschlandradios stand er ebenso vor dem Mikrofon wie für Kriminalhörspiele, 2026 etwa in Sven Strickers „Sörensen geht aufs Haus“. Seine Haltung zum Beruf fasst er knapp zusammen, „Die Rolle war mir nie wichtig“. Entscheidend seien für ihn immer die Kollegen und die Stimmung bei der Arbeit gewesen.
Kroschwald ist mit der Schauspielerin Frauke Poolman verheiratet, die aus einer niederländischen Theaterfamilie stammt und heute vor allem als Hörspielsprecherin und Dozentin arbeitet. Das Paar lebt in Berlin in der Nähe des Lietzensees und in Nettelbeck in Brandenburg.
Aus einer früheren Beziehung hat er eine Tochter, die 1980 zur Welt kam. Die Nachricht von der Vaterschaft und die Zusage der Leipziger Schauspielschule erreichten ihn damals fast gleichzeitig. Neben Deutsch spricht er Englisch und Russisch.