Der Mann, der als Bezirksstaatsanwalt Adam Schiff immer auf die Bürde seine Amts bedacht war und Law & Order damit ein Zentrum der Ruhe und Weisheit verlieh, hat keine geradlinige, aber eine sehr interessante Karriere hingelegt. Am 23. August ist Steven Hill im Alter von 94 Jahren gestorben.
Schon der Start dieses Lebens ist von Rätseln umgeben, der Sohn russischer Immigranten wurde 1922 in Seattle geboren und hörte auf den Namen Solomon, Nachname entweder Krakovsky oder Berg. Schon früh fasst er Interesse für die Schauspielerei. Zunächst dient er vier Jahre in der United States Navy Reserve. Während dieser Zeit arbeitet er mit einem unbekannten, jungen Nachwuchsdarsteller in dem Broadway-Stück „A flag is born“, Marlon Brando. Doch seine erste Bestätigung als Künstler bekommt er von dem Regisseur Joshau Logan, unter dem er ebenfalls am Broadway auftritt. „Er ließ mich an einer der Szenen arbeiten, ich improvisierte einen Dialog und er schaffte es in die Endversion der Show. Das hat mir sehr viel Zuversicht gegeben, in dem Business zu bleiben.“
Kurz darauf bekommt er eine weitere Bestätigung: von 700 Bewerbungen werden seine und 50 andere in neu gegründeten Lee Strasbergs Actors Studio akzeptiert. Damit steht er in einer Reihe mit Montgomery Clift, Julie Harris und Marlon Brando. Wenig später folgt dann auch sein Filmdebüt mit „A Lady Without Passport“.
Er wird als vielversprechendes Talent gehandelt und bekommt selbst Lob von Lee Strasberg persönlich. Doch der junge Nachwuchsstar hat andere Pläne, statt Ruhm wählt er seine Rollen nach sozialer Verantwortung aus. „Erst später habe ich gelernt, dass Showbusiness um Unterhaltung geht. Also habe ich meine idealistischen Vorstellungen überdacht“, erklärte er einst in Interviews.
Im sogenannten Goldenen Zeitalter des Live-Fernsehens in den USA war er dennoch gut beschäftigt, nicht nur Serien auch Filme und Theaterstücke gehörten in dieser Zeit zu seinem Resümee dieser Zeit und mögen dafür gesorgt haben, dass er 1966 die Hauptrolle des Teamleiters Dan Briggs in der Serie „Mission: Impossible“ bekam. In Deutschland wurde die Serie als „Kobra, übernehmen Sie“ bekannt. Nach der ersten Staffel wurde er durch Peter Graves ersetzt.
Als orthodoxer Jude hatte er den Produzenten gesagt, dass er am Sabbat nicht arbeiten könne, doch die nahmen seine Vorstellungen nicht ernst und waren oft unvorbereitet wenn Steven Hill das Set am Freitagabend verließ. Dadurch wurde seine Rolle nach und nach kleiner. Kurz vor Ende der ersten Staffel wurde er dann vom Set suspendiert weil er sich weigerte, auf das Dach zu klettern. Nach diesem Vorfall wurde er nicht für eine zweite Staffel verpflichtet und zog sich für zehn Jahre aus der Schauspielerei zurück und arbeitete unter anderem als Immobilienmakler. Über lange Strecken an Arbeitslosigkeit hat er offen gesprochen, aber auch betont, dass ein Schauspieler in seinen Augen nicht jeden Tag auf der Bühne oder vor der Kamera stehen sollte, das sei nicht gut für den kreativen Prozess.
Zu Beginn der 1980er Jahre begann er wieder vermehrt Rollen anzunehmen, er wurde auf Autoritätsfiguren abonniert und war in Filmen wie „Yentl“ und „Raw Deal“ zu sehen. 1986 spielte er einen Staatsanwalt in dem Drama „Legal Egales“, woraufhin er von den Law & Order-Produzenten als Adam Schiff verpflichtet wurde.
Zehn Staffeln lang blieb er seiner berühmtesten Rolle treu, bei seinem Ausstieg im Jahr 2000 war er das Mitglied des Originalcast mit der längsten „Dienstzeit“. Anschließend zog er sich aus dem Showbusiness zurück und trat bis zu seinem Tod nicht mehr vor die Fernsehkamera. In unserer Hommage an die Serie zum 25-jährigen Jubiläum findet sich Adam Schiff unter den fünf besten Charakteren.
Seine erste Ehe mit Schauspielerin Selma Stern wurde 1964 geschieden und brachte vier Kinder hervor. Seine zweite Ehe, mit Rachel Schenker brachte es sogar auf fünf Kinder.
Am 23. August 2016 verstarb er im Alter von 94 Jahren in Manhattan. Er hinterlässt neben seiner zweiten Frau und seinen neun Kindern zahlreiche Enkelkinder und Großenkelkinder.