Sophie Nélisse wurde als Liesel in Die Bücherdiebin international bekannt und spielt seit 2021 die junge Shauna in Yellowjackets. Eigentlich wollte sie als Kunstturnerin zu Olympia, stattdessen landete sie bei Haien, Kannibalinnen und Eishockeyspielern.
Sophie Nélisse ist eine kanadische Schauspielerin, die in Windsor in der Provinz Ontario zur Welt kommt und in einer frankokanadischen Familie aufwächst. Als sie vier Jahre alt ist, zieht die Familie nach Montreal, wo Nélisse bis heute lebt und zweisprachig mit Französisch und Englisch groß wird.
Ihre Kindheit verbringt sie zunächst nicht vor der Kamera, sondern in der Turnhalle. Nélisse trainiert als Kunstturnerin und träumt von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen. Um das teure Training zu finanzieren, meldet sie sich bei einer Agentur an und dreht erste Werbespots.
Aus dem Nebenverdienst wird schnell mehr. 2010 spielt sie erste kleine Rollen in den Serien „Mirador“ und „Toute la Vérité“, ab 2011 gehört sie zur Besetzung der Familienserie „Les Parent“ (2011-2016), in der sie in 36 Episoden als Zoé zu sehen ist. 2012 folgt die Miniserie „Vertige“.
Im Kino gelingt ihr 2011 mit „Monsieur Lazhar“ ein erster großer Erfolg. In dem Drama spielt sie Alice, eine Schülerin, deren Klasse nach dem Suizid ihrer Lehrerin von einem algerischen Einwanderer übernommen wird. Der Film wird für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert, Nélisse gewinnt als Kind den Genie Award und den Jutra Award als beste Nebendarstellerin.
Den internationalen Durchbruch schafft sie 2013 mit der Titelrolle in „Die Bücherdiebin“, der Verfilmung des Romans von Markus Zusak. Als Liesel Meminger kommt sie während der NS-Zeit zu Pflegeeltern in eine Kleinstadt, gespielt von Geoffrey Rush und Emily Watson. Liesel lernt Lesen, stiehlt Bücher und versteckt mit ihrer Pflegefamilie einen jüdischen Flüchtling im Keller.
Nach dieser Rolle gibt sie das Turnen endgültig auf und konzentriert sich ganz auf die Schauspielerei. Sie erhält den Spotlight Award der Hollywood Film Awards, eine Nominierung für den Critics' Choice Award und einen Satellite Award als beste Nachwuchsdarstellerin. Für eine junge Turnerin aus Montreal ist das ein ziemlich großer Sprung.
In den folgenden Jahren pendelt Nélisse zwischen Hollywood und Kanada. In „Bauernopfer“ (2014) spielt sie Joan Fischer, die Schwester des Schachgenies Bobby Fischer. 2015 übernimmt sie die Titelrolle in „The Great Gilly Hopkins“ als widerspenstiges Pflegekind, das von einer Familie zur nächsten weitergereicht wird. 2016 dreht sie „The History of Love“ und das Drama „Mean Dreams“, mit dem sie Kanada beim Filmfestival in Cannes vertritt. Im selben Jahr nimmt das Filmfestival in Toronto sie in sein Programm für junge Nachwuchsstars auf.
2019 wird es dann deutlich blutiger. In „47 Meters Down: Uncaged“ taucht sie als Mia mit Freundinnen in eine versunkene Maya-Stadt vor der Küste Mexikos, in der blinde Weiße Haie auf Beute lauern. Im Netflix-Thriller „Close“ spielt sie im selben Jahr die junge Erbin Zoe Tanner, die von einer Leibwächterin, gespielt von Noomi Rapace, vor Entführern beschützt wird.
2020 folgt die Detektivkomödie „The Kid Detective“ an der Seite von Adam Brody. 2023 übernimmt sie die Hauptrolle in „Irena's Vow“, der wahren Geschichte der polnischen Krankenschwester Irena Gut, die im Zweiten Weltkrieg im Haus eines deutschen Offiziers zwölf Juden versteckt.
Seit 2021 spielt Nélisse in Yellowjackets die junge Shauna Shipman, die erwachsene Shauna verkörpert Melanie Lynskey. Shauna Shipman (jung) ist 1996 Spielerin im Fußballteam der Wiskayok High School und steht im Schatten ihrer besten Freundin Jackie, der Kapitänin. Hinter deren Rücken hat sie eine Affäre mit Jackies Freund Jeff und ist von ihm schwanger, als das Flugzeug in der kanadischen Wildnis abstürzt.
Als die Wahrheit ans Licht kommt, eskaliert der Streit zwischen den Freundinnen, und Jackie erfriert in der Nacht vor der Hütte. In der zweiten Staffel spricht Shauna mit der gefrorenen Leiche, bringt im Winter ihr Kind zur Welt und verliert es kurz darauf. In der dritten Staffel wird sie nach dem Tod des Coachs zur neuen Anführerin der Gruppe und manipuliert das Kartenziehen, sodass ihre Rivalin Mari gejagt wird.
Insgesamt hat Nélisse bislang 29 Episoden gedreht. Die vierte und letzte Staffel startet am 20. November 2026 bei Paramount+, und Nélisse ist wieder dabei. Shauna liebe sich selbst nicht, sagt sie über ihre Figur, und genau das mache sie so unberechenbar für alle anderen im Lager.
2022 ist sie in einer Episode der kanadischen Krankenhausserie Transplant als Hannah Miller zu sehen. 2023 und 2025 spielt sie in den Québecer Serien „Aller Simple“ und „L'Indétectable“ jeweils sechs Episoden lang tragende Rollen.
Seit 2025 gehört sie zur Besetzung der kanadischen Serie Heated Rivalry nach den Romanen von Rachel Reid. Als Schauspielerin Rose dreht sie in der Nähe einen Film und beginnt eine Beziehung mit dem Eishockeystar Shane, gespielt von Hudson Williams. Damit gerät die heimliche Liebe zwischen Shane und seinem Rivalen Ilya gehörig ins Wanken.
Für die Rolle gewinnt sie 2026 den Canadian Screen Award als beste Nebendarstellerin in einer Dramaserie. Die Serie entwickelt sich zum viralen Erfolg und wird um eine zweite Staffel verlängert. In Deutschland ist sie seit Februar 2026 zu sehen.
In der Serie This Summer Will Be Different übernimmt Nélisse die Hauptrolle der Lucy Ashby. Die Verfilmung des Romans von Carley Fortune spielt über mehrere Sommer auf Prince Edward Island und erzählt von Lucys Liebe zum Bruder ihrer besten Freundin. Der Start ist für 2027 geplant.
Daneben spricht sie die Titelfigur im Animationsfilm „Lydia and the Mist Rider“ (2026) und spielt die Ruth in „Stranger in Town“. 2026 ist sie zudem in zwei Episoden der Serie „Alice“ als Catherine Calvert zu sehen. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Courtney Eaton, die in Yellowjackets die junge Lottie spielt, hat sie die Filmrechte an Kathleen Glasgows Roman „Girl in Pieces“ gekauft.
Ihre Mutter gibt 2013 ihren Beruf als Lehrerin auf, um die Karrieren ihrer beiden Töchter zu managen. Auch ihre jüngere Schwester Isabelle Nélisse ist Schauspielerin und stand unter anderem im Horrorfilm „Mama“ vor der Kamera.
Nach dem Schulabschluss 2017 verzichtet Nélisse wegen ihrer Dreharbeiten auf ein Studium. 2018 macht sie öffentlich, dass man ihr nach dem Wunsch nach erwachseneren Rollen vor allem Figuren mit sexueller Gewalt angeboten habe, und lehnt deshalb die Hauptrolle in der Serie „Fugueuse“ ab. Ihr Privatleben hält sie ansonsten weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus.
Mit Yellowjackets verbindet sie zudem eine kleine Pointe, denn ausgerechnet die Kanadierin spielt eine Amerikanerin, die in der kanadischen Wildnis strandet. Gedreht wird die Serie ohnehin in British Columbia, ein Heimspiel ist es also allemal. Und wer als Kind eigentlich zu Olympia wollte, landet dann eben bei Haien, Kannibalinnen und Eishockeyspielern.