Sean Bean
Sean Bean bei der Los Angeles-Premiere von Jupiter Ascending im TCL Chinese Theater in Hollywood am 2. Februar 2015.
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Sean Bean

Sean Bean leidet unter einer besonderen Form des Typecasting: Seine Charaktere sterben meist noch vor dem großen Finale. So geschehen unter anderem in der ersten Staffel des TV-Hits Game of Thrones als sein Kopf auf Befehl Joffreys rollen muss, ebenso wie in „Herr der Ringe“, wo er als Boromir letztendlich doch noch den Heldentod stirbt oder aber in seiner Rolle in der Serie Missing (2012), wo er den ermordeten Ehemann von Ashley Judd spielt und nur in Rückblenden erscheint.

Biografie von Sean Bean

Fußball adé

Sean Bean wurde als Shaun Mark Bean Sheffield geboren. Sean Bean gehört zu Englands wandlungsfähigsten Darstellern, denn seine Charaktere sind stets komplex: Ob als eiskalter Bösewicht 006 wie in „James Bond 007 - Golden Eye“ oder als leidenschaftlicher Liebhaber wie Mellors in „Lady Chatterly“ oder als raubeiniger Soldat Richard Sharpe in der Die Scharfschützen-Reihe oder als Oddyseus in „Troja“: Die Präsenz des Schauspielers verleiht jedem Film Glaubwürdigkeit und Facettenreichtum. Und dennoch wird Bean trotz seines weltweiten Ruhms als pragmatischer Kerl beschrieben, der auf dem Boden der Tatsachen geblieben ist.

Im britischen Sheffield geboren, wächst Shaun Mark Bean als Sohn eines Geschäftsmanns und einer Sekretärin wohlhabend auf und hat eine jüngere Schwester namens Lorraine. Sein Vater besitzt einen Metallverarbeitungsbetrieb mit 50 Mitarbeitern, in dem auch Bean später eine Zeit lang arbeitet. Seinen Traum vom Fußballspielen muss er bereits als Kind aufgeben, weil er in einem Streit eine Glastür zertrümmert und ein großes Stück Glas sich in sein Bein bohrt. Eine große Narbe zeugt bis heute von diesem Vorfall.

Erst im College entdeckt Bean seine Leidenschaft für das Schauspielen, nachdem er eher zufällig an einem Schauspielkurs teilnimmt. Nach einigen Schulaufführungen bewirbt er sich für ein Stipendium an der Royal Academy of Dramatic Art und absolviert 1983 seine Ausbildung dort.

Auf dem Weg zum Sex-Symbol

Sein professionelles Schauspieldebüt gibt Sean Bean 1983 auf der Bühne als Tybalt in einer Aufführung von „Romeo and Juliet“, sowie anderen West-End-Bühnenproduktionen. Wenig später erscheint er zunächst auf dem Fernsehbildschirm in einer Gastrolle der Serie The Bill (1984), sowie „The Practice (UK)“ und einigen TV-Spielfilmen. Seine erste große Rolle übernimmt er 1986 in dem Biopic „Caravaggio“, in dem er den Liebhaber des Titelhelden mimt. In den späten 80ern/ frühen 90ern ist Bean in verschiedenen Filmen zu sehen, unter anderem „Stormy Monday“ (1988), „Tod in Namibia“ (1990) oder „Das Feld“ (1990).

Doch das britische Fernsehen soll es sein, das für seinen Durchbruch sorgt: Er übernimmt rühmliche Rollen in den BBC-Produktionen „Clarissa“ (1991) und Lady Chatterly (1993), wobei vor allem die Letztere ihn dank seiner Sex-Szenen mit Joely Richardson berühmt-berüchtigt macht. Anschließend übernimmt er die Rolle, die seine Karriere einläutet: Die des Soldaten Richard Sharpe in der TV-Spielfilmreihe Die Scharfschützen (1993-97), die lose auf Brenard Cornwells Romanen basiert und in Großbritannien ein Riesenerfolg ist. Die Rolle beschert Bean nicht nur Bekanntheit, sondern auch das Image eines Sex-Symbols. Später folgen noch die beiden TV-Spielfilme „Sharpe's Peril“ (2008) und „Sharpe's Challenge“ (2006).

Währenddessen erscheint er ebenfalls in Filmen wie „Black Beauty“, „Shopping“, oder in der TV-Mini-Serie „Scarlett“ (alle 1994). Einen Kindheitstraum erfüllt er sich mit der Rolle des Fußballspielers Jimmy Muir in dem Film „Immer wieder samstags“ (1996).

Der Bösewicht steht im gut

Mit seinem aufsteigenden Stern erregt Sean Bean auch jenseits des großen Teichs Aufmerksamkeit und gibt sein Debüt in einer US-Produktion als irisch-republikanischer Terrorist in „Die Stunde des Patrioten“ (1992) neben Harrison Ford - mit dieser Rolle beginnt für Bean das Typecasting als Bösewicht. So folgten Rollen wie James Bonds Nemesis in „James Bond 007 - Golden Eye“ (1995), der Waffenspezialisten Spence in „Ronin“ (1998) neben Robert De Niro, ein Frauen schlagender Gangster in „Essex Boys“ (2000), sowie ein übler Kidnapper und Dieb in „Sag kein Wort“ (2001) neben Michael Douglas.

Daneben ist der Darsteller aber auch in Filmen wie „Anna Karenina“ (1997) an der Seite von Sophie Marceau zu sehen, wirkt in dem Actionstreifen „Airbone - Bete, dass sie nicht landen!“ (1998) mit und spielt die Hauptrolle in der TV-Mini-Serie Extremely Dangerous (1999).

Kurz darauf übernimmt Bean die Rolle, die ihn weltweit zum Star aufsteigen lässt: Die des im Grunde ehrenhaften Gefährten Boromir in der „Herr der Ringe“-Trilogie - und auch hier muss sein Charakter sterben. Trotzdem seine bisher liebste Rolle, für die er auch einiges auf sich nimmt. Da der Schauspieler unter Flugangst leidet, läuft er in voller Montur zum Set auf einem Berg, während seine Kollegen bequem mit dem Hubschrauber fliegen. Nach dem Erfolg der Trilogie und der internationalen Bekanntheit steigt die Nachfrage nach seinen Diensten. Zu seinem umfangreichen Resümee gehören auch Rollen in Filmen wie „Tom & Thomas“, „Equilibrium“ (beide 2002), „The Big Empty“ (2003), der TV-Spielfilm „Henry VIII“ (2003), „Troja“ (2004) oder „Das Vermächtnis der Tempelritter“ (2004) neben Nicolas Cage und Diane Kruger.

Trotz seines vollen Terminplans nimmt er sich Zeit auch wieder auf der Bühne mit zu wirken und erscheint 2002 in „Macbeth“. Seine Popularität und seine markante Stimme bescheren ihm ebenfalls zahlreiche Voice-Over vor allem in britischen Werbespots.

Ab Mitte des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends ist Sean Bean in dem Mystery-Thriller „The Dark“, in dem SciFi-Thriller „Die Insel“, in dem hochgelobten Drama „Kaltes Land“ (2005) oder neben Jodie Foster in „Flightplan - Ohne jede Spur“ (alle 2005) zu sehen. Im Jahr 2006 versucht er ein Experiment und wirkt in dem Serienpiloten zu Faceless mit, doch die Serie wird nicht bestellt und so widmet sich der Schauspieler wieder seiner Leinwandkarriere zu. Es folgen die Filme „Silent Hill“ (2006), „The Hitcher“, „Outlaw“, „Far North“ (alle 2007), die Mini-Serie Red Riding (2009), sowie die Rolle des Vaters der Titelfigur in der Serie Crusoe (2008-10).

In den letzten beiden Jahren ist der Darsteller nicht weniger ausgelastet und übernimmt Rollen in dem Fantasy-Abenteuer „Percy Jackson - Diebe im Olymp“, in der Krimikomödie „Ca$h“, in dem Horrorfilm „Black Death“ und dem Sci-Fi-Abenteuer „Lost Future - Kampf um die Zukunft“ (alle 2010).

Dann kommt eine weitere lebensverändernde Rolle auf ihn zu: die des Eddard Stark in dem Fantasy-Epos Game of Thrones (2011), den für Nicht-Kenner der Romanvorlage nach George R.R. Martin, ein überraschendes und schreckliches Schicksal bereits in der ersten Staffel ereilt. Neben Kollegen Peter Dinklage betrachten Serienschöpfer David Benioff und Dan Weiss Beans Zusage für die Rolle ausschlaggebend für den Erfolg der Serie - so werden auch erst gar nicht nach alternativen Darstellern für die Rolle gesucht. Bean ist auch als bekanntester Darsteller der Adaption die tragende Werbefigur.

Sein Serientod schafft Freiraum für Engagements in dem Kriegsfilm „Age of Heroes“ (2011), in dem Actionfilm „Soldiers of Fortune“, die Hauptrolle in dem Thriller „Cleanskin“ und als König in „Spiegelein, Spiegelein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen“ (alle 2012). Im gleichen Jahr ist er in der neuen Serie Missing (2012) (2012) mit von der Partie und erscheint neben Carrie-Anne Moss in dem Horrorfilm „Silent Hill: Revelation 3D“, sowie in dem Fantasyabenteuer „Pan“ (2012) als Smee.

#DontKillSeanBean

2015 verkörpert Bean FBI-Agent Martin Odum in Legends. Die Marketingabteilung nutzt geschickt seine zahlreichen vorherigen letalen Rollen und startet eine Kampagne unter #DontKillSeanBean. Dabei versichern sie seinen Fans, ihn werde hier nicht das gleiche Schicksal ereilen. Im gleichen Jahr erhält er die Hauptrolle des John Malmott in der Serie The Frankenstein Chronicles, von der es auch schon eine zweite Staffel gibt. 2016 spielt er sich selbst in der aberwitzigen Comedy Wasted. In der BBC-Dramaserie Broken (2017) sieht man ihn als nicht immer ganz frommen Geistlichen Father Michael. In The Oath sieht man Sean Bean als erbarmungslosen Polizisten Tom Hammond, der sich nach einem Gefängnisaufenthalt wieder an die Spitze seiner korrupten Gang kämpfen will.

Privatleben

Privat war Sean Bean bereits viermal verheiratet und hat drei Töchter aus unterschiedlichen Ehen. 1981 führt er seine Jugendliebe Debra James vor den Traualtar. Die Ehe wird 1990 geschieden. Am RADA lernt er die Schauspielerin Melanie Hill kennen und lieben. Die beiden schließen 1990 den Bund der Ehe, bereits drei Jahre vorher kommt ihre gemeinsame Tochter, Lorna, zur Welt. Weiterer Nachwuchs stellt sich 1991 ein, Tochter Molly. Im August 1997 wird die Ehe geschieden. Am Set von Die Scharfschützen verliebt er sich dann in Abigail Cruttenden. Die Hochzeit folgt 1997, seine dritte Tochter erblickt 1998 das Licht der Welt. Bean und Cruttenden lassen sich 2000 scheiden. 2008 heiratet er zum vierten Mal, Georgina Sutcliffe. Auch diese Ehe wird geschieden (2010).

Fakten zu Sean Bean
Fakten zu Sean Bean

5 Facts über Sean Bean

Sean Bean leidet unter einer besonderen Form des Typecasting: Seine Charaktere sterben meist noch vor dem großen Finale. So geschehen in der ersten Staffel des TV-Hits Game of Thrones als sein Kopf auf Befehl Joffreys rollen musste, ebenso wie in „Herr der Ringe“, wo er als Boromir letztendlich doch noch den Heldentod starb oder aber in seiner neuen Rolle in der Serie Missing (2012), wo er den ermordeten Ehemann von Ashley Judd spielt und nur in Rückblenden erscheint.

Fakt 1

Da Sean Bean ein großer des Fußballvereins Sheffield United ist, hat er ein Tattoo auf seiner linken Schulter: „100% Blade“ - der Spitzname des Vereins ist Blade. In Filmen wird das Tattoo meist digital entfernt. Seine linke Schulter ziert das Wort „Nine“ in der elbischen Sprache als Erinnerung an seine Rolle in „Herr der Ringe“: Die meisten Hauptdarsteller der Produktion sollen sich Tattoos haben machen lassen.

Fakt 2

Der Darsteller hat ein ewiges Andenken an seine Zusammenarbeit mit Harrison Ford in „Die Stunde der Patrioten“. Als sie Beans Todesszene drehten, erwischte ihn Ford mit einem Bootshaken am Auge, was eine Narbe hinterließ. In der Serie Die Scharfschützen wurde die Narbe extra betont, um seiner Rolle Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Fakt 3

Auch sonst scheint der Darsteller im wahren Leben eher kein Langweiler zu sein. Im Juni 2011 genoss Bean ein Getränk in einem Londoner Pub, als er in ein Handgemenge mit einem anderen Gast geriet. Laut der „Daily Mail“ attackierte der unbekannte Mann den Darsteller mit Faustschlägen und dem Rest einer abgebrochenen Flasche. Bean wurde von dem Besitzer der Lokalität mithilfe eines Verbandskastens verarztet und bestellte danach einfach eine weitere Runde.

Fakt 4

Sean Bean war übrigens nicht die erste Wahl für die Rolle von Sharpe in Die Scharfschützen. Paul McGann sollte die Rolle übernehmen, verletzte sich allerdings drei Tage vor Beginn der Dreharbeiten beim Fußballspielen - und Bean übernahm.

Fakt 5

Der Schauspieler hasst das Fliegen. Bei den Dreharbeiten zu „Herr der Ringe“ in Neuseeland lehnte er es ab, mit dem Hubschrauber zu einem Drehort zu fliegen - und nahm stattdessen lieber eine Seilbahn und wanderte die letzten Meilen zum Drehort in voller Montur als Boromir verkleidet.
Mariano Glas
Mariano Glas
Gründer von Serienjunkies.de und Web/App-Entwickler
Dieser Artikel wurde von Mariano Glas veröffentlicht. Mariano Glas hat über 8.284 Artikel seit Freitag, 21. Februar 2003 bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Mariano Glas

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