Sacha Baron Cohen
Sacha Baron Cohen bei der Disclaimer-Premiere auf dem 68. BFI London Film Festival. Royal Festival Hall. 10. Oktober 2024. Credit: Steve Bealing
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Sacha Baron Cohen

Er gilt als Meister der Wandelbarkeit, des brachialen Humors und der Mockumentary. Sacha Baron Cohen hat es geschafft, durch Figurenkreationen wie Ali G, Borat oder Brüno zu einem Künstler zu werden, der die Grenzen des Humors ausreizt und seine Rollen andererseits nutzt, um sich als Privatperson der Öffentlichkeit zu entziehen.

Biografie von Sacha Baron Cohen

Judentum und Theater: Sein frühes Leben

Als dritter Sohn einer Israelitin und eines walisischen Juden wird auch der junge Sacha jüdisch erzogen und bereits früh bilingual geprägt, indem er sowohl englisch, als auch hebräisch lernt. Nach seinem Aufenthalt an der unabhängigen Haberdashers' Aske's Boys' School wechselt er auf das Christ's College in Cambridge, wo er er die künstlerischen Wurzeln seiner Mutter fortsetzen kann, indem er in „Anatevka“, „Cyrano de Bergerac“ und verschiedenen jüdischen Stücken mitspielt.

Der Schöne und der Clown: Seine ersten Rollen

Nach seinem Studium arbeitet Cohen als Mode-Modell und erscheint in verschiedenen Magazinen. Darüber hinaus moderiert er in den frühen 90ern eine wöchentliche Sendung mit der späteren Wetteransagerin Carol Kirkwood. Als der britische Sender Channel 4 1995 nach einem Ersatz für die Serie The Word sucht, schickt Cohen ein Video von sich als fiktiver, albanischer Fernseh-Reporter Kristo ein, die er später zu der bekannten Figur des Borat ausbaut und durch diese Aufmerksamkeit eines Produzenten auf sich zieht. Zwar klappt es mit „The Word“ nicht, dafür moderiert er ab sofort Pump TV bis 1996. Weiter geht es dann mit dem Jugend-Chat-Programm „F2F“ für „Granada Talk TV“ und einer kleinen Rolle in einem Werbespot „McCain Microchips“ in einem Spot namens „Ping Pong“.

Derweil ruht jedoch auch seine humoristische Karriere nicht, die er durch eine Clownerie-Ausbildung unter dem Meister-Clown Philippe Gaulier in Paris absolviert. Gaulier bezeichnet Cohen als einen „guten Clown voller Energie“. Ende der Neunziger kann Cohen seine erste Filmrolle in der britischen Comedy „The Jolly Boys' Last Stand“ ergattern und für Lee Jeans 2000 in mehreren Werbespots die Rolle des „Super Greg“ einnehmen, die er später zu Ali G weiterentwickelt. Wenngleich es die Werbespots leider nie ins TV geschafft haben, gilt die Website rundum „Super Greg“ als virale Sensation.

Ali G in da house!

Die Rolle des Super Greg ist es schließlich auch, die in der neuen Form des Ali G den Durchbruch für Cohen bedeutet. Diese nimmt er das erste Mal 1998 in der 11 O'Clock Show ein und wird ein Jahr später von GQ zum Komiker des Jahres gekürt. Weiterhin räumt er den Preis als Bester Newcomer 1999 ab. Ab 2000 darf er die Rolle dann auch in seiner eigenen Sendung „Da Ali G Show“ einnehmen, wofür er den „BAFTA“ des Folgejahres abstaubt. Einem internationalen Publikum wird die Rolle durch einen Gastauftritt in dem Madonna-Musikvideo Music bekannt. 2002 folgt der Film „Ali G Indahouse“, während es seine Sendung 2003 auch in die Vereinigten Staaten zu HBO schafft.

Das Spiel mit der Fremdscham: Borat

Seine „Ali G Show“ nutzt Cohen jedoch nicht nur, um sich seiner Titelrolle, sondern auch den Rollen des Borat und des Brüno zu widmen. Auf der Basis der Interviews, die er in diesen Rollen führt, wird schließlich 2006 die Mockumentary „Borat“ veröffentlicht, in dem er als kasachischer Journalist die USA besucht und in verschiedenen Situationen mit den kulturellen Traditionen spielt. Für diesen Film kann er den Golden Globe als Bester Darsteller in einem Musical oder einer Comedy 2007 einheimsen. Der Film wird weiterhin für einen Oscar für das beste Drehbuch nominiert, geht jedoch leer aus. Cohen etabliert sich als Komiker, der es versteht, durch seine Parodien sein eigenes Publikum vorzuführen und zeichnet sich somit als einer der besten Satiriker seiner Zeit aus. Ende 2007 kündigt er jedoch seinen Rückzug von seiner bis dato erfolgreichsten Rolle an.

Die Mode und die Diktatur: Brüno und Aladeen

Als Nächstes widmet sich Cohen der Rolle des österreichischen, homosexuellen Modereporters Brüno, der sich vor allem durch oberflächliches und abwertendes Verhalten auszeichnet. 2009 veröffentlicht er den gleichnamigen Film, der zwar ähnlich wie „Borat“ als Mockumentary dazu dient, eine bestimmte Kultur sich selbst vorführen zu lassen, jedoch nicht ganz an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen kann.

2012 arbeitet er ein drittes Mal mit dem Regisseur Larry Charles zusammen, mit dem er bereits „Borat“ und „Brüno“ umsetzte, um sich einer neuen Rolle zu widmen, die des Admiral General Aladeen aus der fiktiven Republik Wadiya. Diese Satire zielt vor allem auf den libyschen Diktator Gaddafi ab. Da jedoch mit politischen Reaktionen seitens des Diktators zu rechnen ist, werden verschiedene Missinformationen bezüglich des Films veröffentlicht, die diesen stattdessen als Parodie Saddam Husseins titulieren. Eine heftige Reaktion erfährt Cohen stattdessen seitens der „Academy Awards“, da er dieser 2013 nicht beiwohnen dürfe, was jedoch von der Academy verneint und als Lüge Cohens betitelt wird.

Sein Schaffen neben der Mockumentary

Neben seinen Mockumentary-Rollen kann sich Cohen im Laufe der Jahre jedoch auch als ernstzunehmender Schauspieler etablieren. So ist er unter anderem 2007 in Tim Burtons „Sweeney Todd: Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“, 2011 in Martin Scorseses „Hugo Cabret“ und 2012 in der Filmversion von „Les Misérables“ zu sehen, wenngleich eine große, ernste Hauptrolle bisher noch ausbleibt. Insgesamt vermeidet er größtenteils Interviews als Privatperson. Laut Regisseur Larry Charles verstecke er sich lieber hinter seinen Rollen, um seine Schwächen nicht zu offenbaren.

Das Spiel mit dem Feuer

Natürlich bleiben im Zuge des Schaffens Cohens auch Kontroversen und Kritiken nicht aus. So bot er 2000 als Ali G dem britischen Politiker Neil Hamilton Cannabis an, welches dieser rauchte und damit für einen Skandal in den britischen Medien sorgte. Weiterhin wurde seine Satire nicht immer ganz verstanden und immer wieder als rassistisch und voreingenommen kritisiert. Bezüglich seiner Rolle als Borat verdeutlichte Cohen, dass es in der Darstellung dieser vor allem darum gehe, wie Rassismus eine dumme Konformität bediene, anstatt sich über die Figur selbst lustig zu machen. Weiterhin betont er, dass es die grenzwertigen Ansichten Borats erlauben, auch die extremen Ansichten des Gegenübers leichter aufzuzeigen.

Im Zuge der Moderation der MTV Europe Awards 2005 drohte die kasachische Regierung Cohen mit einer Anklage. Weiterhin wurde die Domain seiner Website „borat.kz“ gesperrt. In seiner Rolle als Borat antwortete er auf diese Kontroverse, dass er mit Sacha Baron Cohen nichts zu tun habe. Weiterhin wurde Cohen von einem ehemaligen kasachischen Minister eingeladen, sein Bild Kasachstans durch einen Besuch zu überholen. Im Zuge des zunehmenden Erfolgs von „Borat“ sah jedoch auch die kasachische Regierung die ganze Sache gelassener.

Sacha Baron Cohen Privatleben

Sacha Baron Cohen ist war zwischen 2010 und 2025 mit Isla Fisher verheiratet. Das Paar hat drei Kinder, darunter Olive und Elula. Trotz seiner provokativen Rollen lebt er ein eher zurückgezogenes Privatleben. Politisch engagiert er sich für Menschenrechte und ist ein entschiedener Kritiker von Fake News und Online-Desinformation.

Sacha Baron Cohen Auszeichnungen und Preise

PreisKategorieWerkJahrErgebnis
Golden GlobeBester Hauptdarsteller - Komödie/MusicalBorat Anschluss Moviefilm2021Gewonnen
OscarBestes adaptiertes DrehbuchBorat2007Nominiert
BAFTABester britischer DarstellerDa Ali G Show2001Gewonnen
Golden GlobeBester Hauptdarsteller - Komödie/MusicalBorat2007Nominiert
Mariano Glas
Mariano Glas
Gründer von Serienjunkies.de und Web/App-Entwickler
Dieser Artikel wurde von Mariano Glas veröffentlicht. Mariano Glas hat über 8.284 Artikel seit Freitag, 21. Februar 2003 bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Mariano Glas

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