Paul Bettany ist seit 2008 im Marvel-Universum dabei, erst als Stimme von J.A.R.V.I.S. und dann als Androide Vision, zuletzt in VisionQuest. Wer als Teenager für Jennifer Connelly schwärmt und sie später heiratet, hat sein eigenes Drehbuch offenbar sehr früh geschrieben.
Paul Bettany wächst in London in einer Familie auf, in der Theater und Tanz zum Alltag gehören. Als er 16 Jahre alt ist, stirbt sein achtjähriger Bruder Matthew nach einem Sturz, wenig später verlässt Bettany das Elternhaus.
Er schlägt sich zunächst als Straßenmusiker in London durch und arbeitet anschließend in einem Heim für ältere Menschen. 1990 beginnt er eine dreijährige Schauspielausbildung am Drama Centre London, aus dem zahlreiche bekannte britische Darsteller hervorgegangen sind.
Direkt nach der Ausbildung steht Bettany 1993 im Londoner West End auf der Bühne und übernimmt in J. B. Priestleys Stück „Ein Inspektor kommt“ die Rolle des Eric Birling. 1995 spielt er mit der Royal Shakespeare Company in mehreren Stücken von William Shakespeare, darunter „Romeo und Julia“, „Julius Caesar“ und „Richard III“.
Parallel dazu sammelt er erste Erfahrungen vor der Kamera. Er hat Gastauftritte in je einer Episode der britischen Krimiserien „Wycliffe“ und „The Bill“ und ist 1997 im Fernsehfilm „Sharpe's Waterloo“ zu sehen. Darin spielt er an der Seite von Sean Bean den jungen Prinzen Wilhelm von Oranien in der Schlacht von Waterloo. Im selben Jahr gibt er in „Bent“ sein Kinodebüt, 1998 folgt das Kriegsdrama „The Land Girls“.
Größere Aufmerksamkeit erhält Bettany 2000 im britischen Thriller „Gangster No. 1“, in dem er die junge Version der namenlosen Hauptfigur spielt. Regisseur Brian Helgeland schreibt ihm danach die Rolle des Dichters Geoffrey Chaucer in „Ritter aus Leidenschaft“ (2001) auf den Leib. Chaucer ist ein spielsüchtiger Schreiber, der sich dem falschen Ritter William anschließt und ihn bei den Turnieren als Herold ankündigt.
Im selben Jahr spielt er in „A Beautiful Mind“ (2001) Charles Herman, den Zimmergenossen des Mathematikers John Nash an der Universität Princeton. Herman wirkt zunächst wie ein lebensfroher Freund, doch im Verlauf der Handlung stellt sich heraus, dass er nur in der Vorstellung des von Russell Crowe gespielten Nash existiert.
In „Master and Commander“ (2003) steht Bettany erneut neben Crowe vor der Kamera. Er spielt den Schiffsarzt und Naturforscher Stephen Maturin, der Kapitän Jack Aubrey während der Napoleonischen Kriege an Bord der Surprise begleitet, und erhält dafür eine Nominierung für den britischen Filmpreis BAFTA. Für das Drama „Dogville“ (2003) von Lars von Trier sagt er eine Rolle in „Roter Drache“ ab.
2006 ist er in „The Da Vinci Code“ als Albino-Mönch Silas zu sehen, der im Auftrag eines geheimnisvollen Lehrmeisters mordet, um einen verborgenen Schlussstein zu finden. In „Tintenherz“ (2008) spielt er den Feuerspucker Staubfinger, der aus einem Buch in die wirkliche Welt gelesen wurde und dorthin zurückkehren will. Es folgen Rollen als Premierminister Lord Melbourne in „Die junge Victoria“ (2009) und als Naturforscher Charles Darwin in „Creation“ (2009).
Seit „Iron Man“ (2008) gehört Bettany zum Marvel Cinematic Universe, zunächst nur mit seiner Stimme. Er spricht J.A.R.V.I.S., die künstliche Intelligenz, die Tony Stark im Alltag und im Kampf unterstützt, und übernimmt die Rolle auch in „Iron Man 2“ (2010), „Marvel's The Avengers“ (2012) und „Iron Man 3“ (2013).
In „Avengers: Age of Ultron“ (2015) bekommt er erstmals einen Körper, denn aus dem Programm von J.A.R.V.I.S., einem von Ultron gebauten Körper und dem Gedankenstein entsteht der Androide Vision. Bettany spielt ihn danach in „The First Avenger: Civil War“ (2016) und „Avengers: Infinity War“ (2018), in dem Thanos den Gedankenstein aus Visions Stirn reißt und ihn damit tötet.
Abseits von Marvel ist er 2018 als Verbrecherboss Dryden Vos in „Solo: A Star Wars Story“ zu sehen. In „Here“ (2024) von Robert Zemeckis spielt er Al Young, den Vater der von Tom Hanks verkörperten Hauptfigur Richard.
Seine erste große Serienrolle übernimmt Bettany in Manhunt (2017). Er spielt den als Unabomber bekannten Ted Kaczynski, der fast zwei Jahrzehnte lang Briefbomben verschickt, bis ihm der FBI-Profiler Jim Fitzgerald (Sam Worthington) mit Hilfe der Sprachanalyse auf die Spur kommt.
Als Vision kehrt er in WandaVision (2021) zurück, in eine Vorstadtidylle, die Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen) im Stil klassischer Sitcoms erschaffen hat. Hinter der heilen Fassade wird nach und nach klar, dass dieser Vision nur in der Scheinwelt existiert, und Bettany wird für die Rolle für den Emmy und den Golden Globe nominiert.
Im selben Jahr spielt er in der zweiten Staffel von A Very English Scandal, die den Titel „A Very British Scandal“ trägt, Ian Campbell, den Herzog von Argyll. Die drei Episoden erzählen von seiner Scheidung von Margaret Campbell (Claire Foy), die in den 1960er Jahren in Großbritannien Schlagzeilen macht.
Auf der Bühne spielt Bettany 2022 im Stück „The Collaboration“ den Künstler Andy Warhol, zunächst im Londoner Young Vic und danach am Broadway in New York. Das Stück von Anthony McCarten erzählt von der Zusammenarbeit zwischen Warhol und dem jungen Maler Jean-Michel Basquiat. Eine Verfilmung des Stücks mit Bettany in derselben Rolle ist bereits abgedreht.
In der Miniserie Amadeus (2025) übernimmt er die Rolle des Hofkomponisten Antonio Salieri, der am Wiener Hof den Aufstieg des jungen Wolfgang Amadeus Mozart (Will Sharpe) verfolgt. Salieri hält sich für fromm und fleißig und kann nicht begreifen, warum Gott ausgerechnet dem respektlosen Mozart ein so großes Talent schenkt. Nachdem er bei den Dreharbeiten das „Lacrimosa“ dirigiert hat, sagt Bettany „Oh, das ist zu viel Macht für jemanden wie mich“, womit er auf die eigenen Selbstzweifel anspielt, aus denen er die Figur entwickelt hat.
Seit Oktober 2026 spielt Bettany die Titelrolle in der achtteiligen Serie VisionQuest von Terry Matalas bei Disney+, die die mit WandaVision begonnene und mit Agatha All Along fortgesetzte Trilogie abschließt. Vision lebt zu Beginn unter dem Namen Sherwood in Edinburgh und arbeitet im Pub Old Selkie, in dem er einst mit Wanda zu Gast war. Er weiß zwar, wer er früher war, doch die Gefühle zu seinen Erinnerungen fehlen ihm.
In seinem Kopf hat er sich ein Haus gebaut, in dem andere künstliche Intelligenzen leben, auf dem Dachboden auch Ultron (James Spader). Als der Kopfgeldjäger Paladin den jungen Thomas Shepherd entführt, der sich an ein Leben als Sohn von Wanda und Vision erinnert, macht Vision sich auf die Suche nach ihm. Über die Beziehung zu Ultron sagt Bettany „Wir haben so etwas wie eine Beziehung zwischen Vater und Sohn, zwischen Therapeut und Psychopath“, und meint damit den ständigen Wechsel aus Rat und Bedrohung zwischen beiden Figuren.
Seit dem 1. Januar 2003 ist Bettany mit der Schauspielerin Jennifer Connelly verheiratet, die er bei den Dreharbeiten zu A Beautiful Mind kennengelernt hat. Das Paar hat zwei gemeinsame Kinder, Sohn Stellan und Tochter Agnes, und Bettany ist Stiefvater von Connellys Sohn Kai aus einer früheren Beziehung. Die Familie lebt seit vielen Jahren in New York.
Als Teenager schwärmt Bettany für Connelly, nachdem er sie im Fantasyfilm „Die Reise ins Labyrinth“ gesehen hat. 2014 gibt er mit dem Drama „Shelter“ sein Debüt als Drehbuchautor und Regisseur und besetzt seine Frau in der Hauptrolle einer obdachlosen Frau in New York.