Orla Brady spielte in Star Trek: Picard die Romulanerin Laris und ist in VisionQuest die künstliche Intelligenz F.R.I.D.A.Y. in menschlicher Gestalt. Wer das Gemälde The Singing Butler von Jack Vettriano kennt, hat sie schon tanzen sehen, denn der Maler nutzte eine ihrer Posen aus einem Zeichenhandbuch als Vorlage.
Orla Brady kam in Dublin zur Welt und verbrachte ihre ersten sieben Lebensjahre im Küstenort Bray im County Wicklow. Sie besuchte eine Klosterschule der Loreto-Schwestern in Wicklow und später eine Schule der Ursulinen in Dublin. Nach der Schulzeit ging sie 1986 nach Paris, um an der École Philippe Gaulier und an der Pantomimenschule von Marcel Marceau zu lernen.
Rückblickend beschrieb sie den Unterricht in Paris als „viel Herumalbern, Possenreißerei und Fechten“. Damit meinte sie die körperliche Arbeit mit Clownerie und Bewegung, auf der beide Schulen ihre Ausbildung aufbauen. In den 1980er Jahren verdiente sie sich in London Geld als Modell für ein Nachschlagewerk, nach dessen Fotos Illustratoren menschliche Figuren zeichnen.
Mit der irischen Theatergruppe Balloonatics ging Brady auf Tournee, am Gate Theatre in Dublin spielte sie die Adela in Federico García Lorcas „Bernarda Albas Haus“. In Brian Friels „Philadelphia, Here I Come!“ übernahm sie die Kate, und die Inszenierung wanderte vom Londoner King's Head Theatre ins West End.
Vor der Kamera stand sie erstmals 1993 in einer Episode der britischen Krimikomödie „Minder“, ihr Kinodebüt gab sie 1994 in „Words Upon the Window Pane“. In der Krimiserie „Out of the Blue“ (1995-1996) gehörte sie als Detective Sergeant Becky Bennett zur Hauptbesetzung eines Teams von Kriminalbeamten.
Im Fernsehfilm „A Love Divided“ (1999) spielte Brady die Protestantin Sheila Kelly Cloney, die in den 1950er Jahren mit ihren Töchtern aus dem irischen Dorf Fethard-on-Sea flieht, weil sie die Kinder nicht katholisch erziehen lassen will. Für die Rolle in dem Film nach einer wahren Begebenheit erhielt sie beim Fernsehfestival von Monte Carlo die Goldene Nymphe als beste Darstellerin.
In der britischen Dramaserie Mistresses (2008-2010) gehörte Brady in 16 Episoden als Anwältin Siobhan Dillon zur Hauptbesetzung. Siobhan wünscht sich mit ihrem Mann Hari ein Kind, doch die Versuche bleiben erfolglos und belasten die Ehe. Sie beginnt eine Affäre mit einem Kollegen, die sie vor ihren Freundinnen nicht lange verbergen kann.
In der Mysteryserie Fringe war sie in sieben Episoden als Elizabeth Bishop zu sehen, die Ehefrau des Wissenschaftlers Walter Bishop, den John Noble spielt. Fünf dieser Auftritte zeigen die Elizabeth aus dem Paralleluniversum, deren kleinen Sohn Peter der Walter aus unserer Welt einst entführt hat. Diese Entführung löst den Konflikt zwischen den beiden Welten aus, um den sich die Serie dreht.
In der Weihnachtsepisode „The Time of the Doctor“ der Serie Doctor Who spielte sie 2013 Tasha Lem, die Oberin der Kirche des Papal Mainframe. Tasha Lem ist eine alte Bekannte des Doktors, gespielt von Matt Smith, und steht ihm bei der jahrhundertelangen Belagerung des Planeten Trenzalore zur Seite.
In der Martial-Arts-Serie Into the Badlands (2015-2019) gehörte Brady in 25 Episoden als Lydia zur Hauptbesetzung. Lydia ist die erste Ehefrau des Barons Quinn, der mit seiner Armee aus Kriegern einen Teil der feudal geordneten Badlands beherrscht. Als Quinn eine jüngere zweite Frau nimmt, wendet sie sich von ihm ab und verfolgt im Machtkampf der Barone fortan eigene Ziele.
In der Staffel 1984 der Anthologieserie American Horror Story trat sie 2019 in vier Episoden als Dr. Karen Hopple auf. Die Psychiaterin arbeitet in einer Klinik, aus der zu Beginn der Staffel der Serienmörder Mr. Jingles ausbricht, um Jagd auf die Betreuer eines Sommercamps zu machen.
Mehr Raum erhielt Brady in Star Trek: Picard (2020-2023), wo sie in elf Episoden die Romulanerin Laris spielte. Laris lebt mit Zhaban auf dem französischen Weingut von Jean-Luc Picard, den Patrick Stewart † spielt. Beide waren einst Agenten des romulanischen Geheimdienstes Tal Shiar und haben sich von ihm losgesagt. In der zweiten Staffel gehört sie zur Hauptbesetzung, spielt die Romulanerin Tallinn im Los Angeles des Jahres 2024 und beginnt am Ende eine Beziehung mit Picard.
In der irischen Serie The South Westerlies (2020) übernahm sie in sechs Episoden die Hauptrolle der Kate Ryan. Kate arbeitet für ein Energieunternehmen und kehrt an die Westküste Irlands zurück, um in einem Küstenort aus ihrer Jugend verdeckt für einen geplanten Windpark auf dem Meer zu werben.
In der dritten und letzten Staffel von Bosch: Legacy war Brady 2025 als Siobhan Murphy zu sehen. Siobhan wendet sich an den Privatdetektiv Harry Bosch, gespielt von Titus Welliver, weil ihre Familie spurlos verschwunden ist. Bosch übernimmt den Fall, während ihm selbst die Polizei von Los Angeles immer dichter auf den Fersen ist.
Im Actionthriller „The Foreigner“ (2017) spielte sie Mary Hennessy, die Ehefrau des nordirischen Politikers Liam Hennessy, den Pierce Brosnan verkörpert. Nach einem Bombenanschlag in London setzt ein Vater, dessen Tochter dabei getötet wurde und den Jackie Chan spielt, Hennessy unter Druck, um an die Namen der Attentäter zu kommen.
In „The Price of Desire“ (2015) war sie als irische Designerin und Architektin Eileen Gray zu sehen. Der Film erzählt vom Streit zwischen Gray und dem Architekten Le Corbusier um ihre Villa E-1027 an der Côte d'Azur.
In „Freud's Last Session“ (2023) spielte Brady die Irin Janie Moore an der Seite von Anthony Hopkins als Sigmund Freud. Janie Moore ist die Mutter eines im Ersten Weltkrieg gefallenen Freundes von C. S. Lewis, und der Schriftsteller lebt viele Jahre mit ihr unter einem Dach.
In der Marvel-Miniserie VisionQuest (2026), die Showrunner Terry Matalas für Disney+ entwickelt hat, spielt sie F.R.I.D.A.Y. in menschlicher Gestalt. Die künstliche Intelligenz steuerte in den Filmen die Rüstungen von Tony Stark, damals gesprochen von Kerry Condon, und lebt nun im Haus, das Vision in seinem Kopf gebaut hat. Matalas kannte Brady aus der gemeinsamen Arbeit an Picard, ihre Besetzung machte er im August 2025 öffentlich.
Die acht Episoden starteten am 13. Oktober 2026 mit einer Doppelpremiere. Im Haus in Visions Kopf ist F.R.I.D.A.Y. für das Soziale zuständig und hilft Vision, menschliche Seiten an sich zu verstehen. Im Lauf der Serie erzählt sie ihm, dass sie beim Tod von Tony Stark dabei war und ihn trotzdem nicht retten konnte.
2001 zog Brady nach Los Angeles und lernte dort den englischen Fotografen Nick Brandt kennen, der mit Aufnahmen wilder Tiere in Ostafrika bekannt wurde. Im Dezember 2002 heirateten die beiden in den Chyulu Hills in Kenia, gemeinsame Kinder sind nicht bekannt.
Irland hatte sie einst verlassen, weil sie das Land als bedrückend für Frauen empfand, doch nach den Referenden zur Ehe für alle 2015 und zur Abtreibung 2018 sagte sie „Das ist ein anderes Irland, und es akzeptiert mich jetzt.“ Damit beschrieb sie, wie sehr sich ihr Blick auf die Heimat inzwischen gewandelt hat. Eine ihrer Modellposen aus den 1980er Jahren diente dem schottischen Maler Jack Vettriano als Vorlage für die tanzende Frau auf seinem Gemälde „The Singing Butler“. 2020 setzte die Irish Times sie auf Platz 43 ihrer Liste der 50 größten irischen Filmschauspieler.