Olivia Colman

Olivia Colman gewann den Oscar als Königin Anne und den Emmy als Elisabeth II., zwei Kronen innerhalb von nur zwei Jahren. Eigentlich wollte sie Grundschullehrerin werden, heute bringt sie stattdessen Millionen Zuschauern bei, wie man in Broadchurch ermittelt.

Biografie von Olivia Colman

Olivia Colman stammt aus Norwich in der englischen Grafschaft Norfolk. Ihre Mutter arbeitete als Krankenschwester, ihr Vater als Vermessungstechniker. Sie besuchte die Norwich High School for Girls und danach die Gresham's School in Holt.

Nach der Schule begann sie am Homerton College in Cambridge ein Studium als Grundschullehrerin. Erst mit Anfang 20 entdeckte sie bei der Studententruppe Cambridge Footlights, dass sie lieber auf der Bühne steht als vor einer Klasse. Das Lehramtsstudium gab sie auf und machte die Schauspielerei zum Beruf.

Komödie mit Mitchell und Webb

In Cambridge lernte Colman die Komiker David Mitchell und Robert Webb kennen, die ihr den Weg ins Fernsehen ebneten. Sie spielte in deren Sketchshows „The Mitchell and Webb Situation“ und „That Mitchell and Webb Look“ mit. Einem größeren Publikum wurde sie ab 2003 in der Sitcom Peep Show (2003-2015) bekannt.

Dort spielte sie in 33 Episoden Sophie Chapman, die Arbeitskollegin und spätere Frau des verklemmten Mark Corrigan. Parallel war sie als Personalbetreuerin Harriet Schulenburg in der Krankenhaus-Comedy Green Wing (2004-2006) zu sehen. Gastauftritte in „The Office“, „Black Books“ und Doctor Who folgten, wo sie 2010 in der ersten Episode mit Matt Smith eine Nebenrolle übernahm.

Vom Comedyfach ins Drama

Lange galt Colman in Großbritannien als verlässliche Komödiantin für Nebenrollen. Im Kinofilm „Hot Fuzz“ (2007) spielte sie die Polizistin Doris Thatcher, in der Sitcom „Rev.“ (2010-2014) die Frau eines Londoner Pfarrers. Als hektische Assistentin Sally Owen in Twenty Twelve (2011-2012) nahm sie die Vorbereitung der Olympischen Spiele in London aufs Korn.

Die Wende kam 2011 mit dem Sozialdrama „Tyrannosaur“ von Paddy Considine. Colman spielt darin eine gläubige Verkäuferin in einem Wohltätigkeitsladen, die von ihrem Mann misshandelt wird, und gewann dafür unter anderem den British Independent Film Award. Im selben Jahr war sie in „Die Eiserne Lady“ als Carol Thatcher zu sehen, die Tochter der Premierministerin.

Ermittlerin in „Broadchurch“

Ab 2013 spielte Colman in Broadchurch (2013-2017) die Polizistin Ellie Miller. In der Küstenstadt in Dorset ermittelt sie mit dem schroffen Alec Hardy, gespielt von David Tennant, im Mord an einem elfjährigen Jungen. Der Fall trifft sie persönlich, denn die Familie des Opfers gehört zu ihrem Freundeskreis.

Über drei Staffeln und 24 Episoden blieb Ellie Miller die emotionale Mitte der Serie. Am Ende der ersten Staffel stellt sich heraus, dass ihr eigener Mann der Täter ist, was ihr Leben und ihre Familie zerreißt. Für die Rolle erhielt Colman 2014 den BAFTA als beste Hauptdarstellerin.

Angela Burr in „The Night Manager“

In der John-le-Carré-Verfilmung The Night Manager spielt Colman seit 2016 die Ermittlerin Angela Burr. Mit einer kleinen Einheit des Außenministeriums jagt sie den Waffenhändler Richard Roper, gespielt von Hugh Laurie. Für die Operation gewinnt sie den früheren Soldaten Jonathan Pine, gespielt von Tom Hiddleston, als verdeckten Ermittler.

Im Roman ist Burr ein Mann. Weil Colman während der Dreharbeiten schwanger war, schrieben die Macher die Schwangerschaft gleich mit ins Drehbuch. Für die Rolle gewann sie 2017 den Golden Globe als beste Nebendarstellerin, 2026 kehrte sie für die zweite Staffel zurück.

Oscar als Queen Anne

Mit Regisseur Giorgos Lanthimos drehte Colman 2015 die dystopische Satire „The Lobster“. Für ihn spielte sie danach in „The Favourite“ (2018) die kranke und launische Königin Anne, um deren Gunst zwei Hofdamen kämpfen. Die Rolle brachte ihr den Oscar, den Golden Globe, den BAFTA und den Darstellerpreis in Venedig ein.

Bei der Oscarverleihung 2019 sagte sie auf der Bühne, die Situation sei zum Lachen und ziemlich stressig. Danach entschuldigte sie sich bei der mitnominierten Glenn Close, die sie seit Jahren verehre. Zwei weitere Oscarnominierungen folgten für „The Father“ (2020) an der Seite von Anthony Hopkins und für „Frau im Dunkeln“ (2021).

Die Königin in „The Crown“

In der dritten und vierten Staffel von The Crown übernahm Colman die Rolle von Königin Elisabeth II. von Claire Foy. Sie zeigt die Monarchin in ihren mittleren Jahren, zwischen dem Grubenunglück von Aberfan, der Ehe von Charles und Diana und den Konflikten mit Margaret Thatcher. Für die Rolle gewann sie 2020 den Golden Globe und 2021 den Emmy als beste Hauptdarstellerin.

Zuvor hatte sie in beiden Staffeln von Fleabag die selbstgefällige Patentante und spätere Stiefmutter der Hauptfigur gespielt. In Landscapers (2021) verkörperte sie an der Seite von David Thewlis eine Frau, die mit ihrem Mann jahrelang die Leichen ihrer Eltern im Garten versteckte. Der Fall beruht auf einem echten Doppelmord in Nottinghamshire.

Von „Heartstopper“ bis „The Bear“

In Heartstopper (2022-2023) spielt Colman Sarah Nelson, die verständnisvolle Mutter des Schülers Nick. In der Miniserie Great Expectations (2023) übernahm sie die Rolle der verbitterten Miss Havisham, die seit ihrer geplatzten Hochzeit das Brautkleid nicht mehr ablegt. Für das Marvel-Universum spielte sie in Secret Invasion (2023) die MI6-Agentin Sonya Falsworth.

In The Bear tauchte sie in drei Episoden als Küchenchefin Terry auf, bei der Richie in einem Chicagoer Spitzenrestaurant in die Lehre geht. Im Kino war sie in „Wonka“ (2023) als gierige Wirtin Mrs. Scrubbit und in „Paddington in Peru“ (2024) als singende Oberin eines Altenheims für Bären zu sehen. In „Die Rosenschlacht“ (2025) liefert sie sich mit Benedict Cumberbatch einen bitteren Ehekrieg.

Mrs. Bennet in „Pride and Prejudice“

In der Netflix-Neuverfilmung Pride and Prejudice spielt Colman Mrs. Bennet, die Mutter von fünf Töchtern. Die Serie umfasst sechs Episoden und startet am 3. Dezember 2026, an ihrer Seite spielen Emma Corrin als Elizabeth Bennet, Jack Lowden als Mr. Darcy und Rufus Sewell als Mr. Bennet. Mrs. Bennet setzt alles daran, ihre Töchter gut zu verheiraten, weil das Erbe der Familie an einen entfernten Vetter fallen wird.

Für die sechste Staffel von Only Murders in the Building stieß sie 2026 zum Ensemble um Steve Martin, Martin Short und Selena Gomez. Die Staffel spielt in London und versammelt viele britische Gaststars. Den Film „Wicker“ (2026) hat sie zudem mitproduziert.

Olivia Colman Privatleben

Ihren Mann Ed Sinclair lernte Colman in Cambridge kennen, wo beide in einer Aufführung von Alan Ayckbourns „Table Manners“ auf der Bühne standen. Sie heirateten 2001 und haben zwei Söhne und eine Tochter.

Seit 2019 trägt Colman den Titel Commander of the Order of the British Empire. Bei der Komödie „Kleine schmutzige Briefe“ (2023) wurde sie zudem als Produzentin geführt. Ihren Beitrag dazu beschrieb sie später so, dass sie lediglich darum gebeten habe, Jessie Buckley für die zweite Hauptrolle anzufragen.

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