Jin Sun-kyu gewann für seine Rolle als Gangster in The Outlaws den Blue Dragon Film Award als bester Nebendarsteller und spielte danach in Extreme Job und Kingdom (2019). Verwandte rieten ihm einst zur Komikerprüfung, weil man für die Schauspielerei ein hübsches Gesicht brauche, was sich als grobe Fehleinschätzung herausstellte.
Jin Sun-kyu, in der Umschrift auch Jin Seon-kyu, stammt aus Jinhae in der Provinz Süd-Gyeongsang an der koreanischen Südküste. Als Jugendlicher war er schüchtern und blühte erst beim Sport auf, er trainierte Gewichtheben, Taekwondo und Hapkido. 1996, in seinem letzten Schuljahr, begleitete er einen Freund zu einer kleinen Theatergruppe in Jinhae und verliebte sich sofort in die Schauspielerei.
Seine Familie war wenig begeistert. Einige Verwandte fragten, ob er nicht lieber die Prüfung zum Komiker ablegen wolle, weil man für die Schauspielerei doch ein hübsches Gesicht brauche. Der Vater wünschte sich für seinen ältesten Sohn wegen der knappen Familienkasse einen sicheren Beruf. Die Mutter lieh heimlich 1,2 Millionen Won für die Aufnahmegebühr der Korea National University of Arts.
Erst als Jin nach den Sommerferien die Zusage der Kunsthochschule vorlegte, erfuhr sein Vater von den Plänen. Jin zog nach Seoul und gehörte zum dritten Jahrgang der Schauspielabteilung. Gemeinsam mit Park Bo-kyung und Kim Ji-hyun gründete er später die Theatergruppe Ganda, der sich unter anderem Kim Min-jae und Lee Hee-joon anschlossen.
2004 gab er sein Bühnendebüt in dem A-cappella-Musical „The Mirror Princess Pyeonggang Story“, das über Jahre auf Festivals im ganzen Land lief. Darin spielte er einen wilden Jungen und trainierte dafür auf dem Laufband auf allen vieren. Es folgten zahlreiche Stücke und Musicals, darunter „Legally Blonde“ und „Navillera“, in dem er 2019 einen 70-jährigen Rentner spielte, der noch Ballett lernen will.
Seinen ersten Kinoauftritt hatte er 2008 in einer kleinen Rolle im Western „The Good, the Bad, the Weird“ (2008). Nach eigener Aussage waren das finanziell harte Jahre, in denen er trotzdem durchhielt. Sein Fernsehdebüt gab er 2010 in der Kriegsserie „Road No. 1“.
Danach spielte er Nebenrollen in Historiendramen wie „The Great Seer“ und „God of War“ (beide 2012) sowie „Six Flying Dragons“ (2015). Im Kino war er unter anderem in „Tabloid Truth“ (2014), „The Hunt“ (2016) und „Tunnel“ (2016) zu sehen.
Für „The Outlaws“ (2017) von Regisseur Kang Yun-seong sprach Jin für die Rolle des Wi Seong-rak vor, eines Mitglieds einer brutalen Gang aus der chinesischen Region Yanbian. Der Film wurde ein großer Erfolg, und Jin gewann bei den Blue Dragon Film Awards einstimmig den Preis als bester Nebendarsteller. Für den glaubwürdigen Dialekt seiner Figur hatte er nach eigenen Worten schon in den Theatern von Daehakro geübt.
Im selben Jahr spielte er in „The Mayor“, „The Merciless“ und „The Fortress“ (alle 2017). 2018 folgten der Krimi „Dark Figure of Crime“ (2018) und „The Villagers“ (2018).
2019 gelang ihm mit der Actionkomödie „Extreme Job“ (2019) der nächste große Erfolg. Er spielte Detective Ma aus einer erfolglosen Drogenfahndungseinheit, die zur Observation ein Hähnchenrestaurant übernimmt, das plötzlich besser läuft als jede Ermittlung. Die Rolle brachte ihm Nominierungen bei den Baeksang Arts Awards und den Blue Dragon Film Awards ein.
Im selben Jahr spielte er im Mysterythriller „Svaha: The Sixth Finger“ (2019) den Mönch Hae-an und in „Money“ (2019) Park Chang-goo. In der Zombieserie Kingdom (2019) war er in den ersten beiden Staffeln (2019-2020) als Deok-seong zu sehen.
Im Netflix-Film „Space Sweepers“ (2021) spielte er den Mechaniker Tiger Park an Bord eines Raumschiffs, das Weltraumschrott einsammelt. Für die Rolle wurde er erneut bei den Blue Dragon Film Awards nominiert. Im Zeichentrickfilm „Taeil“ (2021) sprach er den Vater der Titelfigur. In „Confidential Assignment 2: International“ (2022) war er als nordkoreanischer Chef einer internationalen Verbrecherorganisation der Bösewicht.
Im Fernsehen übernahm er 2022 in „Through the Darkness“ die Rolle des Polizisten Gook Young-soo, der ein Team für die Analyse von Verbrechensmustern aufbaut, und gewann dafür Preise bei den APAN Star Awards und bei SBS. In Bargain (2022) spielte er Noh Hyung-soo, der bei einem zwielichtigen Geschäft in die Fänge von Organhändlern gerät, als ein Erdbeben das Gebäude erschüttert.
2023 spielte er in der zweiten Staffel von „The Uncanny Counter“ Ma Joo-seok und war in den Filmen „Count“ (2023) und „Honey Sweet“ (2023) zu sehen. 2024 folgten „Alienoid: Return to the Future“ (2024), der Netflix-Film „Uprising“ (2024) und die Komödie „Amazon Bullseye“ (2024).
2025 spielte er in der Serie „Aema“ über die Entstehung eines berühmten Erotikfilms der Achtziger den Gu Jung-ho, wofür er 2026 bei den Baeksang Arts Awards nominiert wurde. In „Heroes Next Door“ stand er als Gwak Byung-nam wieder mit seinem Kollegen aus The Outlaws, Yoon Kye-sang, vor der Kamera. Im selben Jahr war er in „Typhoon Family“ und in der Netflix-Serie „The Price of Confession“ zu sehen.
Seit Oktober 2026 spielt Jin in 100 Days of Deception den japanischen Kolonialbeamten Sato Shinichi, der 1932 als neuer Leiter der politischen Abteilung im Generalgouvernement nach Seoul kommt. Sato ist ehrgeizig und skrupellos und für den Widerstand das wichtigste Ziel, besonders für die Scharfschützin Yoo So-ran, gespielt von Kim Hyun-joo, mit der ihn eine dunkle Vergangenheit verbindet.
Privat ist Sato der Adoptivvater von Kim Tae-ung, den er unter dem Namen Sato Hideo großgezogen hat. Dass ausgerechnet sein Sohn der Spionin Lee Ga-kyung gefährlich nahe kommt, ahnt er lange nicht.
Jin ist seit 2011 mit der Schauspielerin Park Bo-kyung verheiratet, die er aus der gemeinsamen Theatergruppe kennt. Das Paar hat einen Sohn und eine Tochter. 2015 standen die beiden im Stück „Me and Grandpa“ zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder gemeinsam auf einer Bühne.
2022 wurde Jin zum Vorsitzenden der Ehemaligenvereinigung seiner Kunsthochschule gewählt. Etwas überraschend für einen Mann, der lange Gangster und Bösewichte spielte, warb er ab 2019 mehrere Jahre als Botschafter für den Goldmarkt der koreanischen Börse.