Der Glasgower James McArdle spielte den Diakon in Mare of Easttown, einen eifersüchtigen Verräter in Andor und den Anwalt Nick Taylor in War, und auf der Bühne brachte ihm Angels in America eine Nominierung für den Olivier Award ein. Auf seinem Kaminsims steht eine Spieldose mit Bildern aus Titanic, die ihm Kate Winslet geschenkt hat, und kaum ein Besucher glaubt ihm das beim ersten Mal.
James McArdle stammt aus Glasgow und wuchs im Stadtteil Darnley auf, wo er die St Ninian's High School im benachbarten Giffnock besuchte. Schon als Kind spielte er beim Jugendtheater PACE im nahen Paisley und stand früh für kleinere Filmrollen vor der Kamera.
Mit 17 setzte er sich ohne Wissen seiner Eltern in einen Bus nach London, um dort eine richtige Schauspielausbildung zu beginnen. Beim Vorsprechen an der Royal Academy of Dramatic Art verhaspelte er sich zunächst im Text, durfte aber zurückkommen und überzeugte die Auswahlkommission im zweiten Anlauf.
Die Ausbildung beendete er nicht ganz, denn kurz vor dem Abschluss im Jahr 2010 kamen bereits die ersten Engagements. Seine Eltern unterstützten ihn, zeigten sich aber lange verwundert über einen Beruf, der mit ihrer eigenen Welt wenig zu tun hatte.
Noch im Jahr 2010 spielte McArdle den Malcolm in „Macbeth“ am Globe Theatre und den Schüler Daniel Mast in Anya Reiss' Erfolgsstück „Spur of the Moment“ am Royal Court Theatre. Am Chichester Festival Theatre folgte die Rolle des Hauslehrers Beljajew in Turgenjews „Ein Monat auf dem Lande“.
Am National Theatre trat er 2011 als Agathon in Ibsens „Kaiser und Galiläer“ auf, bei der Royal Shakespeare Company gab er im selben Jahr den Robin Hood in „The Heart of Robin Hood“. Mit diesen Rollen war er innerhalb kurzer Zeit an den wichtigsten Bühnen Londons angekommen.
Im Jahr 2012 übernahm er die Rolle des Läufers Harold Abrahams in der Bühnenfassung von „Die Stunde des Siegers“, die vom Hampstead Theatre ins West End wechselte. Passend zu den Olympischen Spielen in London trug er im Kostüm seiner Figur sogar die olympische Fackel ein Stück durch die Stadt.
Als schottischer König James I. stand McArdle 2014 in Rona Munros „The James Plays“ auf der Bühne, die am National Theatre und beim Edinburgh International Festival liefen. Kurz darauf spielte er in Chichester die Titelrolle in Tschechows „Platonow“ und den jungen Arzt Lwow in „Iwanow“.
Für Platonow erhielt er den Ian Charleson Award, der junge Darsteller in klassischen Theaterrollen auszeichnet. Die Inszenierung wanderte 2016 zusammen mit Iwanow an das National Theatre in London.
Den nächsten großen Schritt machte er 2017 mit Tony Kushners „Angels in America“, in dem er an der Seite von Andrew Garfield den Gerichtsschreiber Louis Ironson spielte. Dafür war er für den Olivier Award als bester Nebendarsteller nominiert, und 2018 zog er mit der Produktion an den Broadway, wo er den Theatre World Award gewann und eine Nominierung für den Drama Desk Award erhielt.
Im Fernsehen war McArdle erstmals 2011 in dem Krimidrama „Appropriate Adult“ zu sehen, wo er in zwei Episoden Stephen West spielte, den Sohn des Serienmörders Fred West. Im selben Jahr spielte er im Agententhriller „Page Eight“ den jungen Ted Finch, eine Rolle, die er 2014 in den Fortsetzungen „Turks & Caicos“ und „Salting the Battlefield“ wieder aufnahm.
Seine erste feste Serienrolle hatte er 2013 in der Sitcom „Love and Marriage“, in der er über sechs Episoden Charlie McCallister spielte. Es folgten die historische Miniserie „New Worlds“ (2014) sowie der Mehrteiler „37 Days“ (2014) über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Auf der Kinoleinwand spielte er 2014 einen Sergeant im Drama „'71“ über den Nordirlandkonflikt und flog ein Jahr später als Pilot Niv Lek einen Angriff auf die Starkiller-Basis in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“. Rückblickend erzählte er, wie er am Set plötzlich neben einem riesigen Wesen stand, halb Nashorn und halb Roboter, und dazu Gespräche über das Weltall improvisieren sollte.
Im zweiteiligen Fernsehfilm Man In An Orange Shirt (2017) spielte McArdle den Maler Thomas March, der sich im Zweiten Weltkrieg in seinen alten Schulfreund Michael Berryman verliebt. Nach dem Krieg heiratet Michael seine Verlobte Flora Berryman, während Thomas wegen seiner Homosexualität ins Gefängnis kommt.
Der Film entstand nach einem Drehbuch von Patrick Gale, der darin Teile seiner eigenen Familiengeschichte verarbeitete, und gewann 2018 den International Emmy. In „Maria Stuart, Königin von Schottland“ (2018) spielte er dann James Stewart, den Halbbruder der Königin, der sich gegen sie stellt.
Saoirse Ronan, die Maria Stuart spielte, traf er zwei Jahre später wieder. In „Ammonite“ (2020) war er als Geologe Roderick Murchison ihr Ehemann, der seine kränkelnde Frau bei der Fossiliensammlerin Mary Anning zurücklässt.
In der Krimiserie Mare of Easttown (2021) von HBO spielte McArdle den Diakon Deacon Mark Burton, der sich in der Kirchengemeinde der Kleinstadt um die Jugendgruppe kümmert. Nach dem Mord an der jungen Erin McMenamin spendet er den Trauernden Trost und gerät gerade deshalb in den Blick der Ermittlerin.
Gespielt wurde die Polizistin Mare Sheehan von Kate Winslet, die den Diakon in der Kirche vernimmt, weil er Erin in ihrer letzten Nacht am Telefon hatte. Kurz darauf sieht man ihn, wie er nachts ein Fahrrad verschwinden lässt, das dem Opfer gehörte.
Ein Jahr später kehrte er in der ersten Staffel von Andor (2022) auf Disney+ ins Star-Wars-Universum zurück. Als Timm Karlo ist er über drei Episoden der eifersüchtige Freund von Bix Caleen, der Cassian Andor misstraut und ihn schließlich an die Behörden verrät.
In der Romanverfilmung Life after Life (2022) nach Kate Atkinson spielte McArdle Hugh Todd, den Vater der Hauptfigur Ursula. Ursula stirbt in der Serie immer wieder und beginnt ihr Leben jedes Mal von vorn, während Hugh als ruhiger und liebevoller Vater den Rahmen der Familie bildet.
Seine Schwester Izzie spielte Jessica Brown Findlay, mit der er wenig später erneut zusammenarbeitete. Bei Paramount+ übernahm er 2024 die Hauptrolle in Sexy Beast, der Vorgeschichte zum gleichnamigen Gangsterfilm aus dem Jahr 2000.
Über acht Episoden spielt er den Einbrecher Gal Dove, der im London der 1990er Jahre mit seinem besten Freund Don Logan in die Unterwelt aufsteigt. Gefährlich wird es, als sich Gal in die Erotikdarstellerin Deedee verliebt.
In der Thrillerserie Playing Nice (2025) nach dem Roman von JP Delaney spielte McArdle bei ITV den wohlhabenden Miles. Nach einer Verwechslung im Krankenhaus zieht er mit seiner Frau Lucy das leibliche Kind eines anderen Paares groß, während dieses Paar seinen Sohn aufzieht.
Was zunächst nach einer gütlichen Einigung aussieht, entpuppt sich als Plan, das Sorgerecht für beide Jungen zu bekommen. Für Miles zählt das eigene Vermächtnis über alles, und als Vorbild für die Figur studierte McArdle nach eigener Aussage Politiker, die mühsam Mitgefühl vorspielen.
Die Gegenspieler spielten James Norton und Niamh Algar, Lucy übernahm Jessica Brown Findlay. Gerade weil die beiden einander vertrauten, fiel es ihnen leichter, die düsteren Szenen eines Paares zu spielen, in dem der Mann seine Frau kontrolliert.
Seine erste Hauptrolle im Kino hatte McArdle im irischen Film „Four Mothers“ (2024) von Darren Thornton. Er spielt Edward, einen schwulen Jugendbuchautor, der seine Mutter nach einem Schlaganfall pflegt und plötzlich auch noch die Mütter seiner drei Freunde betreuen muss.
Der Film gewann beim London Film Festival den Publikumspreis, McArdle wurde 2025 bei den BAFTA Scotland Awards als bester Schauspieler ausgezeichnet. Die Theaterbühne verließ er dabei nie, nach „Peter Gynt“ (2019) und „The Tragedy of Macbeth“ (2021) spielte er 2024 am Old Vic den Dramatiker Henry in Tom Stoppards „The Real Thing“.
Stoppard hatte ihn für die Rolle selbst ausgewählt, und McArdle gab zu, er habe immer geglaubt, er werde „mein Leben lang neurotische Glasgower spielen“. Im Jahr 2025 folgte am National Theatre der König Pentheus in „Die Bakchen“, und 2026 spielte er für die BBC den König James VI. im Dokudrama „Queen James“.
Seit 2026 ist McArdle in der Anwaltsserie War von George Kay bei Sky und HBO zu sehen. Er spielt den Anwalt Nicholas Taylor, der von allen nur Nick genannt wird und mit seiner Frau Serena Byrne die Londoner Kanzlei Taylor & Byrne führt.
Das Paar erwartet ein Kind, als der Filmstar Carla Duval die Kanzlei für ihre Scheidung vom Milliardär Morgan Henderson engagieren will. Nick hat zunächst Bedenken, weil Carla den Seitensprung ihres Mannes selbst eingefädelt hat, doch Serena überzeugt ihn, den Fall zu übernehmen.
Carla spielt Sienna Miller, Morgan wird von Dominic West verkörpert, Serena von Phoebe Fox. Die Dreharbeiten fielen in die Zeit der Bakchen, sodass McArdle tagsüber vor der Kamera stand und abends mit dem Motorrad zur Vorstellung ins Theater fuhr.
McArdle wuchs als einziges Kind seiner Eltern auf und hält sein Privatleben weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Die Liebe zur Kultur verdankt er nach eigenen Worten vor allem seiner Großmutter, die über Stücke von Noël Coward und griechische Tragödien sprechen konnte und Frank Sinatra in Glasgow live gesehen hatte.
Zum 30. Geburtstag schenkte ihm Kate Winslet eine kleine blaue Spieldose mit Bildern aus „Titanic“, die beim Öffnen „My Heart Will Go On“ spielt. Sie steht bis heute auf seinem Kaminsims, und Besuchern muss er regelmäßig versichern, dass die Geschichte wirklich stimmt.
Mit James Norton, den er schon aus der Ausbildung kennt, lieferte er sich bei den Dreharbeiten zu Playing Nice einen verbissenen Wettkampf im Surfen. Beide nahmen dafür Unterricht bei null, und McArdle ärgert sich nach eigener Aussage jedes Mal, wenn Norton länger auf dem Brett steht als er.