Götz George

Biografie von Götz George

Die Schauspielerei war Götz George buchstäblich in die Wiege gelegt: Seine Eltern waren die Schauspieler Berta Drews und Heinrich George, seines Zeichens einer der größten deutschen Kinostars der Kriegs- und Vorkriegszeit. Sogar sein Vorname hatte Wurzeln im Theater - bei Johann Wolfgang von Goethes „Götz von Berlichingen“.

Das Erbe des Vaters, der sich durch Filme wie „Metropolis“ oder „Berlin Alexanderplatz“ höchste künstlerische Meriten erworben hatte, durch seine Rollen Nazi-Propagandastreifen wie „Jud Süß“ jedoch in Verruf gekommen war, hing Götz George Zeit seines Lebens nach. 2013 spielte er seinen Vater in dem Fernsehfilm „George“.

Götz George schaffte es jedoch wie kaum ein anderer in seiner Lage - als Sohn eines berühmten Schauspielers - aus dem Schatten des Vaters herauszutreten und eine eigene künstlerische Identität von unvergleichlicher Strahlkraft zu entwickeln. Wenn es einen Schauspieler gibt, der es im Nachkriegsdeutschland verdient hätte, ein Star genannt zu werden, dann ist das Götz George.

Seine Karriere ist viel zu umfang- und facettenreich, als dass sie an dieser Stelle auch nur annähernd vollständig skizziert werden könnte. Deshalb können hier nur einzelne Schlaglichter geworfen werden: In den 50er und 60er Jahren war der junge George bereits ein viel beschäftigter Filmschauspieler. Neben den großen Unterhaltungsfilmen dieser Ära (etwa „Der Schatz im Silbersee“ oder „Ferien mit Piroschka“) suchte er die Zusammenarbeit mit einigen der größten Regisseure der Zeit wie Wolfgang Staudte („Kirmes“) und William Dieterle („Die Fastnachtsbeichte“).

Mit den Autorenfilmern des so genannten Neuen Deutschen Films, der in den 70er Jahren die Oberhand gewann, kam der eigensinnige Götz George dagegen nicht zurecht - oder sie nicht mit ihm. Er wandte sich in dieser Zeit jedenfalls dem Fernsehen zu, spielte Gastrollen in Serien wie „Der Kommissar“ oder „Der Alte“ und hatte auch selbst einige Hauptrollen in zumeist kurzlebigen Serien wie etwa „Diamantendetektiv Dick Donald“.

Er hatte auch schon drei Mal in Gastrollen beim Tatort mitgespielt, bevor er 1981 die Rolle des Duisburger Kommissars Horst Schimanski übernahm - und nichts weniger vollbracht hat als den deutschen TV-Krimi zu revolutionieren Die Rolle des unangepassten Polizisten aus dem Ruhrpott und der oft unnahbar und bärbeißig wirkende Schauspieler - sie passten zueinander wie die berühmte Faust aufs Auge. Als „Schimmi“ polarisierte Götz George hemmungslos, ja voller Genuss die Bundesrepublik der 80er Jahre. Während die BILD-Zeitung Sonntag für Sonntag zählte, wie oft Schimanski wieder mal „Scheiße“ sagte oder sich anderweitig für einen Polizisten ungehörig benahm, flogen ihm die Sympathien des Publikums zu, welches von den biederen TV-Kommissaren der vorausgegangenen Jahrzehnte die Nase voll hatte.

So populär war er in seiner Rolle, dass zwei Schimanski-Tatorte, „Faust auf Faust“ (1984) und „Zabou“ (1987), sogar den Weg auf die Kinoleinwand fanden. Und George den Weg zum Kinostar bahnten, der ihm durch den Neuen Deutschen Film in den 70er Jahren verbaut worden war.

Er spielte die Hauptrolle in Carl Schenkels „Abwärts“ (1984) und in Dominik Grafs „Die Katze“ (1987) - zwei der besten Thriller, die je in Deutschland gedreht worden sind.

1991 stieg Götz George nach 29 Folgen aus dem Tatort aus. Zu seinen prägenden TV-Rollen im Anschluss gehörte unter anderem die Reihe „Schulz & Schulz“ mit George als wiedervereintes deutsch-deutsches Zwillingsgespann.

Vor allem aber waren die 90er Jahre die große Zeit von George im deutschen Kino: „Schtonk“, „Der Sandmann“ (ursprünglich ein TV-Film, später aber auch im Kino ausgewertet), „Der Totmacher“, „Rossini oder die tödliche Frage wer mit wem schlief“, „Solo für Klarinette“, „Nichts als die Wahrheit“. George war das prägende Gesicht in einigen der größten Kinoproduktionen dieser Zeit. Dabei zeigte er sich in einem geradezu erstaunlichen Maß wandlungsfähig.

Besonders hohe Anerkennung erfuhr der Schauspieler für seinen Part als Serienkiller Fritz Haarmann in dem beklemmenden Kammerspiel „Der Totmacher“. Neben zahlreichen Auszeichnungen in Deutschland (unter anderem der deutsche Filmpreis) gesellten sich auch internationale Ehrungen, etwa der Preis als bester Schauspieler beim Filmfestival von Venedig.

In den letzten Jahren war George vor allem in zahlreichen Fernsehfilmen zu sehen, darunter ebenfalls preisgekrönte Produktionen wie etwa „Mein Vater“ an der Seite von Klaus J. Behrendt (sein Nachfolger im WDR-Tatort).

Von 1996 an kehrte George außerdem sporadisch immer wieder zu seiner Paraderolle als Horst Schimanski zurück. Das Erste gab ihm mit „Schimanski“ eine eigene Reihe, in der er abseits vom Tatort ein bis zwei Mal im Jahr auf Sendung ging „53897“. Seinen letzten Fall, „Loverboy“, löste er 2013 „54904“. Dabei machte sich jedoch stets das Fehlen von Eberhard Feik bemerkbar, der als Schimmis Partner Thanner im Tatort das unverzichtbar bürokratisch korrekte Gegengewicht zu Georges „Schmuddel-Cop“ gewesen ist. Eberhard Feik war jedoch bereits 1994 gestorben.

Am 19. Juni 2016 verstarb Götz George im Alter von 77 Jahren und wurde im engsten Familienkreis in Hamburg beigesetzt.

Nun sind Tanner und Schimmi wieder vereint.

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