Emma Laird arbeitete rund sieben Jahre als Model, bevor sie als Iris in Mayor of Kingstown ihre erste Fernsehrolle bekam und danach mit Kenneth Branagh und Danny Boyle drehte. Ihre Rolle in Der Brutalist verdankt sie ausgerechnet einer Schranktür, in der Regisseur Brady Corbet ihr bei früheren Dreharbeiten versehentlich die Hand einklemmte.
Emma Laird stammt aus Chesterfield in der englischen Grafschaft Derbyshire, einer Stadt, die vor allem für ihren Kohlebergbau und den schiefen Turm ihrer Kirche bekannt ist. Dort besuchte sie die Tupton Hall School und machte 2014 ihren Schulabschluss.
Als Jugendliche ritt sie gern und war oft im nahen Nationalpark Peak District unterwegs, wo ihr Vater lebte. Ein eigenes Pferd besaß sie allerdings nie, darauf legt sie in Interviews ausdrücklich Wert.
Eine Karriere als Schauspielerin schien ihr damals unerreichbar, denn Filmstars und Popsänger lebten in ihrer Vorstellung alle in Amerika. Sie liebte das Fach Theater in der Schule, bekam dort aber nie die Hauptrollen. Ihr Lehrer prophezeite ihr sogar, dass sie scheitern werde.
Ihre Vorliebe für Horror geht auf ein Erlebnis mit sieben Jahren zurück, als ein Nachbar ihr den Klassiker „Night of the Living Dead“ zeigte. Der Film verstörte sie damals gründlich, heute zählt sie Horror- und Zombiefilme zu ihren liebsten Genres.
Als Teenager wurde Laird beim Leeds Festival von der Agentur Models 1 entdeckt und zog bald darauf nach London. Rund sieben Jahre arbeitete sie als Model, lief unter anderem für Vivienne Westwood und wurde 2019 das Gesicht einer Herbstkampagne des Schmuckherstellers „Pandora“.
Rückblickend äußert sie sich kritisch über die Branche, die sie als gefährlich für junge Mädchen beschreibt. Immer wieder sollte sie abnehmen, zugleich langweilte sie der fehlende kreative Spielraum.
Als ihre Agentur sie in New York erneut zum Abnehmen drängte, zog sie die Reißleine. Sie meldete sich spontan für einen zweimonatigen Kurs an der New York Film Academy an, der schon am nächsten Tag begann, und musste noch am selben Tag aus der Wohnung ihrer Agentur ausziehen.
Heute sagt sie, dieser Kurs habe ihr das Leben gerettet. Ganz ohne Opfer ging der Neustart allerdings nicht, denn mitten in der Corona-Pandemie verkaufte sie ihr Haus, um Schauspielunterricht und private Lehrer bezahlen zu können.
Ihr wichtigster Begleiter ist bis heute ihr Schauspielcoach James Monarski. Ihm schreibt sie zu, dass sie überhaupt Arbeit in der Branche hat, und vergleicht die Zusammenarbeit mit einer Therapie, bei der beide auch gemeinsam weinen.
Im April 2021 bekam Laird ihre erste Fernsehrolle in Mayor of Kingstown (2021-2024), der Krimiserie von Taylor Sheridan für Paramount+. Nach eigener Aussage lagen ihr gleichzeitig drei weitere Angebote vor, doch keine Figur reizte sie so sehr wie diese.
Als Iris spielte sie in 30 Episoden der ersten drei Staffeln eine junge Edelprostituierte aus New York. Der inhaftierte Mafiaboss Milo Sunter holt sie in die von Gefängnissen geprägte Kleinstadt, damit sie Mike McLusky verführt und unter Kontrolle bringt.
Mike, gespielt von Jeremy Renner, lässt sich darauf nicht ein und versucht stattdessen, Iris aus der Stadt zu schaffen. Weil ihr Auftrag scheitert, lässt Milo, verkörpert von Aidan Gillen, sie in den ersten beiden Staffeln immer wieder brutal misshandeln. Mike rettet sie schließlich und bringt sie erst in seiner Hütte im Wald und später bei seiner Familie unter.
In der dritten Staffel stellt sich heraus, dass der neue russische Gangsterboss Konstantin ihr früherer Mentor aus New York ist, der ihr sogar den Namen Iris gegeben hat. Am Ende dieser Staffel verabschiedet sich die Figur aus der Serie.
Für die Rolle bereitete sich Laird drei Monate lang vor und lief dafür in ihrer Wohnung in Toronto herum, als wäre sie eine Katze. Mit Mitschöpfer Hugh Dillon entwickelte sie eine geheime Vorgeschichte für Iris, die nie im Drehbuch stand. Im Oktober 2021 nahm das Branchenblatt Variety sie in seine Liste der zehn britischen Nachwuchstalente auf.
2023 folgte die Miniserie The Crowded Room bei Apple TV, in der Tom Holland den jungen Danny Sullivan spielt, der 1979 in Manhattan nach einer Schießerei festgenommen wird. Laird war in fünf Episoden als Annabelle zu sehen, Dannys Schwarm aus der Schulzeit.
Die beiden lernen sich auf einer Party kennen, und Annabelle erkennt Dannys Talent und sein Herz auf eine Weise wie kaum jemand sonst. In den Rückblenden, die er mit der Psychologin Rya durchgeht, nimmt sie eine zentrale Rolle ein. Rya wird von Amanda Seyfried gespielt.
Im selben Jahr gab Laird ihr Kinodebüt in „A Haunting in Venice“ (2023), dem dritten Poirot-Film von Kenneth Branagh. Sie spielt Desdemona Holland, die gemeinsam mit ihrem Halbbruder Nicholas als Assistentin des Mediums Joyce Reynolds arbeitet, das Michelle Yeoh verkörpert.
Das Geschwisterpaar schlägt sich als Flüchtlinge im Venedig der Nachkriegszeit durch. Bei der Séance im verfallenen Palazzo, zu der Poirot widerwillig erscheint, geraten auch die beiden ins Visier des Detektivs.
Ihre Rolle in „Der Brutalist“ (2024) verdankt Laird einem kleinen Unfall. Bei den Dreharbeiten zu The Crowded Room klemmte Regisseur Brady Corbet ihr versehentlich die Hand in einer Schranktür ein, woraufhin die Produzentin vorschlug, er solle sie in seinem nächsten Film besetzen.
In dem dreieinhalbstündigen Historienepos spielt sie Audrey, die amerikanische Ehefrau von Attila, dem längst in Amerika heimisch gewordenen Cousin des Architekten László Tóth. Den Holocaust-Überlebenden, gespielt von Adrien Brody, empfängt sie nach seiner Ankunft mit kaum verhohlener Ablehnung.
2025 war sie in den letzten Minuten von Danny Boyles „28 Years Later“ (2025) als Jimmima zu sehen, die zu einer sektenartigen Bande gehört. Für die Rolle trainierte sie zwei Wochen lang Stunts und übernahm sie in der Fortsetzung „28 Years Later: The Bone Temple“ (2026) unter der Regie von Nia DaCosta erneut.
In dem Psychodrama „Satisfaction“ (2025) von Alex Burunova spielt sie als Lola die Hauptrolle neben Fionn Whitehead, Premiere feierte der Film beim Festival SXSW. In „Fackham Hall“ (2025), einer Parodie auf britische Kostümdramen in Herrenhäusern, übernahm sie die Rolle der Poppy Davenport.
Ihre erste Hauptrolle in einer Serie übernahm Laird in Mint (2026), einem achtteiligen Gangsterdrama von Charlotte Regan für BBC One. Vier Monate lang drehte sie in Glasgow und stand dabei an fast jedem Drehtag vor der Kamera.
Als Shannon spielt sie die einzige Tochter des führenden Verbrecherclans der Stadt, die bislang ein eher behütetes Leben geführt hat. Ihr Vater Dylan, gespielt von Sam Riley, will sich gerade aus dem Geschäft zurückziehen, während eine rivalisierende Bande in die Stadt drängt.
An einem Bahnhof begegnet Shannon zufällig Arran, ohne zu ahnen, dass er zur verfeindeten Familie gehört. Ihre Mutter Cat, verkörpert von Laura Fraser, erkennt den jungen Mann und will die Romanze sofort beenden.
Die Serie erzählt die Geschichte als moderne Variante von „Romeo und Julia“ und mischt raue Gewalt mit Traumsequenzen, in denen das Liebespaar schwerelos durch die Luft schwebt. Arran wird vom Rapper Loyle Carner unter seinem bürgerlichen Namen Benjamin Coyle-Larner gespielt.
In der Anwaltsserie War (seit 2026) von George Kay, die bei HBO und Sky läuft, gehört Laird zum Ensemble um Dominic West und Sienna Miller. Im Mittelpunkt der ersten Staffel steht die erbittert geführte Scheidung zwischen dem Unternehmer Morgan Henderson und dem Filmstar Carla Duval.
Laird spielt Molly Giordano, eine junge Juristin in Ausbildung bei der Londoner Kanzlei Taylor & Byrne. Die Kanzlei der Eheleute Serena Byrne und Nicholas Taylor vertritt Carla und steht im Kampf gegen die alteingesessene Kanzlei Cathcarts & Sons unter enormem Druck.
Molly gehört zu den Nachwuchskräften, die im Hintergrund an Carlas Fall arbeiten, und ist eng mit ihrem Kollegen Saeed Masood befreundet. Die erste Staffel umfasst sechs Episoden, eine zweite Staffel mit einem neuen Fall ist bereits bestellt.
Im Januar 2027 startet bei Apple TV die Serie Neuromancer nach dem Roman von William Gibson. Laird spielt darin Linda Lee, die Freundin des abgestürzten Hackers Case in der zwielichtigen Stadt Chiba City.
Gedreht wurde unter anderem in Tokio, was Laird zu ihren eindrucksvollsten Erfahrungen zählt. Die Drehbücher bekam sie erst vor Ort, zunächst lag ihr nur die erste Episode vor.
In Alex Garlands Videospielverfilmung „Elden Ring“ (2028) gehört sie zum Ensemble, die Dreharbeiten begannen im April 2026. Zudem stand sie für Cary Joji Fukunagas Thriller „Blood on Snow“ nach einem Roman von Jo Nesbø vor der Kamera.
In Richard Eyres Romanze „The Housekeeper“ verkörpert sie die Schriftstellerin Daphne du Maurier an der Seite von Anthony Hopkins und Helena Bonham Carter. Für Terry Gilliams Komödie „Carnival: At the End of Days“ wurde sie ebenfalls verpflichtet.
Über ihr Liebesleben spricht Laird öffentlich kaum, eine Beziehung hat sie bislang nicht bestätigt. 2023 geriet sie ungewollt in die Schlagzeilen, als sie Fotos von ihrem Kollegen Joe Alwyn aus Der Brutalist teilte und daraufhin von Fans seiner früheren Freundin Taylor Swift im Netz angefeindet wurde.
Nach eigener Aussage hat ihr diese Erfahrung ein dickes Fell verschafft, Kritik ohne konstruktiven Kern nimmt sie seitdem gelassener. Ausgleich findet sie beim Wandern, Schwimmen und Klettern sowie bei morgendlichen Bädern in kaltem Wasser, die sie sich während der Dreharbeiten zu Mayor of Kingstown angewöhnt hat.
Mit Yorick van Wageningen, dem Darsteller des Konstantin, verbindet sie eine enge Freundschaft. Zwischen zwei Einstellungen lagen die beiden oft auf dem Bett des Bootes, das für die dritte Staffel im Studio nachgebaut worden war, und plauderten wie zwei Teenager, während das Team sie suchte.
Laird möchte eine Organisation gründen, die Kindern aus Arbeiterstädten im Norden Englands den Weg in die Filmbranche erleichtert. Als Vorbilder nennt sie wandelbare Darsteller wie Gary Oldman, Helena Bonham Carter und Tilda Swinton, und am liebsten würde sie einmal eine richtig finstere Schurkin spielen.