Christopher Lloyd
Christopher Lloyd bei der Weltpremiere des Kinofilms „Star Wars: The Mandalorian and Grogu" im TCL Chinese Theatre. Los Angeles, 14.05.2026
© IMAGO/Future Image

Christopher Lloyd

Christopher Lloyd gewann zwei Emmys als Reverend Jim in Taxi und wurde als Doc Brown an der Seite von Michael J. Fox zur Kinofigur einer ganzen Generation. In Wednesday reicht ihm inzwischen ein Glas auf Rädern als Kostüm, denn von seinem Professor Orloff ist nur noch der Kopf übrig.

Biografie von Christopher Lloyd

Christopher Lloyd kam in Stamford im US-Bundesstaat Connecticut zur Welt und wuchs im nahen Westport als jüngstes von sechs Geschwistern auf. Die Familie war wohlhabend, denn sein Großvater mütterlicherseits gehörte zu den Gründern des Ölkonzerns Texaco, und ein Onkel war Bürgermeister von San Francisco. An der Staples High School gründete Lloyd die Theatergruppe der Schule mit, die es bis heute gibt.

Schon als Teenager arbeitete er in den Sommerferien als Lehrling an kleinen Theatern in Mount Kisco und Hyannis. Mit neunzehn Jahren nahm er in New York Schauspielunterricht, unter anderem an der Neighborhood Playhouse bei Sanford Meisner. Meisner habe ihm beigebracht, nicht an einem Abend gut und am nächsten Abend langweilig zu spielen, erzählte Lloyd später der New York Times.

Vom Off-Broadway nach Hollywood

Seine erste Bühnenrolle in New York bekam Lloyd 1961 als Ersatzmann in einem Stück von Fernando Arrabal. Am Broadway stand er erstmals 1969 im kurzlebigen Musical „Red, White and Maddox“ auf der Bühne. Den Durchbruch am Theater brachte ihm 1973 die Titelrolle in Peter Handkes „Kaspar“, für die er einen Obie Award und einen Drama Desk Award gewann.

Danach spielte er Off-Broadway in Stücken von Shakespeare, Tschechow und Cocteau, bevor er mit Mitte dreißig seinen ersten Kinofilm drehte. In „Einer flog über das Kuckucksnest“ (1975) war er an der Seite von Jack Nicholson und Danny DeVito als Max Taber zu sehen, einem der Patienten der psychiatrischen Klinik. Es folgten kleinere Rollen im Western „Goin' South“ (1978) und als Schurke Butch Cavendish in „The Legend of the Lone Ranger“ (1981).

Reverend Jim in „Taxi“

Im Fernsehen landete Lloyd 1978 zunächst als Gast in der Sitcom „Taxi“, die von den Fahrern eines Taxiunternehmens in New York erzählt. Seine Figur Jim Ignatowski ist ein früherer Hippie, der nach Jahren voller Drogen ziemlich neben sich steht und trotzdem Taxifahrer werden will. Der Auftritt kam so gut an, dass Jim ab der zweiten Staffel zur festen Besetzung gehörte.

In insgesamt 84 Episoden spielte Lloyd neben Judd Hirsch, Marilu Henner, Danny DeVito und Andy Kaufman. Eine der bekanntesten Szenen zeigt Jim bei der Führerscheinprüfung, als er den Prüfer immer wieder fragt, was ein gelbes Licht bedeutet, und jede Antwort ernsthaft durchdenkt. Für die Rolle gewann Lloyd 1982 und 1983 jeweils den Emmy als bester Nebendarsteller in einer Comedyserie.

Nach dem Ende der Serie war er 1984 in zwei Episoden von Cheers als exzentrischer Maler Phillip Semenko zu sehen. Ein Jahr später spielte er den Bösewicht im Pilotfilm der Actionserie „Street Hawk“.

Doc Brown in „Zurück in die Zukunft“

Die Rolle seines Lebens kam 1985 mit „Zurück in die Zukunft“. Lloyd spielt den Erfinder Emmett Brown, genannt Doc, der aus einem DeLorean eine Zeitmaschine baut und damit versehentlich den Teenager Marty McFly (Michael J. Fox) ins Jahr 1955 schickt. Dort muss Marty dafür sorgen, dass sich seine Eltern doch noch verlieben, während der junge Doc einen Weg sucht, die nötigen 1,21 Gigawatt mit einem Blitzschlag in den Rathausturm zu erzeugen.

Für die Rolle wurde Lloyd für den Saturn Award nominiert. In „Zurück in die Zukunft II“ (1989) reisen die beiden ins Jahr 2015, in „Zurück in die Zukunft III“ (1990) landet Doc im Wilden Westen von 1885 und verliebt sich in die Lehrerin Clara Clayton. Danach trat er in den Realfilmszenen der Zeichentrickserie „Back to the Future“ (1991-1992) und in einem Videospiel von 2010 noch einmal als Doc auf.

Die Figur begleitet ihn bis heute. Am 21. Oktober 2015, dem Zieldatum aus dem zweiten Film, stand er mit Michael J. Fox in einem Sketch bei Jimmy Kimmel vor der Kamera. Weil der zerstreute Wissenschaftler Rick Sanchez aus Rick and Morty (seit 2013) auf Doc Brown zurückgeht, spielte Lloyd ihn 2021 in kurzen Werbeclips sogar selbst.

Klingonen, Toons und Onkel Fester

Auf Vorschlag seines Freundes Leonard Nimoy wurde Lloyd 1984 als Klingonenkommandant Kruge in „Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock“ besetzt, der die Crew der Enterprise um das Geheimnis des Genesis-Projekts bringen will. Ein Jahr später war er als Professor Plum in der Krimikomödie „Alle Mörder sind schon da“ (1985) zu sehen, die auf dem Brettspiel Cluedo beruht.

In „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ (1988) spielte er den eiskalten Richter Doom, der die Stadt der Zeichentrickfiguren auslöschen will und sich am Ende selbst als Toon entpuppt. Auch dafür erhielt er eine Nominierung für den Saturn Award.

Als Onkel Fester trat er 1991 in „Die Addams Family“ neben Anjelica Huston und Raul Julia auf. Fester kehrt dort nach 25 Jahren zurück, und lange bleibt offen, ob er wirklich der verschollene Bruder ist. In der Fortsetzung „Die Addams Family in verrückter Tradition“ (1993) heiratet er die Nanny Debbie, die es als Witwenmacherin auf sein Vermögen abgesehen hat. Die junge Wednesday spielte damals Christina Ricci.

Emmy für „Road to Avonlea“ und Sprechrollen

Seinen dritten Emmy gewann Lloyd 1992 für einen Gastauftritt in der kanadischen Serie „Road to Avonlea“, in der er den Erfinder Alistair Dimple spielte. Für den Episodenfilm „Twenty Bucks“ (1993) bekam er den Independent Spirit Award als bester Nebendarsteller. In „Things to Do in Denver When You're Dead“ (1995) überzeugte er als kranker Gangster Pieces in einer ernsten Rolle.

Von 1995 bis 1996 war er in 13 Episoden der Serie „Deadly Games“ als Bösewicht Sebastian Jackal zu sehen, einer Figur aus einem Videospiel, die plötzlich in der echten Welt auftaucht. Parallel baute er seine Arbeit als Sprecher aus und lieh dem Zauberer Merlock im Film zu „DuckTales“ (1990) und Rasputin in „Anastasia“ (1997) die Stimme.

Seit 2002 spricht er den Hacker in der Lernserie „Cyberchase“, für den er über 130 Episoden einsprach und zwei Nominierungen für den Daytime Emmy erhielt. 2014 übernahm er die Rolle des Holzfällers in der Miniserie „Over the Garden Wall“.

Gastrollen von „Stacked“ bis „12 Monkeys“

In den Nullerjahren wurde Lloyd zum gefragten Gaststar. In Clubhouse (2004) war er in elf Episoden als Lou Russo dabei, in Stacked (2005-2006) gehörte er in 19 Episoden zum Ensemble um Pamela Anderson und spielte den schrulligen Harold March. In Malcolm in the Middle (2000-2006) tauchte er 2002 als Hals Vater Walter beim großen Familientreffen auf.

2007 traf er in Numb3rs (2005-2010) seinen alten Kollegen Judd Hirsch wieder. Es folgten Auftritte als Psychiater Leo Dreyfus in Chuck (2007-2012) und als alter Rockmusiker Roscoe Joyce in Fringe (2008-2013). In der 100. Episode von Psych (2006-2014), einer Hommage an seinen Film nach dem Brettspiel Cluedo, spielte er 2013 den Butler Martin Kahn.

Später sah man ihn in The Big Bang Theory (2007-2019), in drei Episoden von 12 Monkeys (2015-2018) und als Lou, den Freund von Roseannes Mutter, in Roseanne (1988-2018). Diese Rolle nahm er 2022 im Ableger The Conners (seit 2018) wieder auf.

Späte Rollen von „The Mandalorian“ bis „Hacks“

2023 übernahm Lloyd eine Gastrolle in der dritten Staffel von The Mandalorian (seit 2019). Als Kommissar Helgait des Planeten Plazir-15 soll er rätselhafte Fehlfunktionen der Droiden aufklären, steckt aber selbst hinter der Sabotage. Ein Jahr später sprach er in Knuckles (2024) den Geist Pachacamac.

In Hacks (seit 2021) spielte er 2024 Larry Arbuckle, den Enkel des Stummfilmstars Fatty Arbuckle, der in einem Haus voller Erinnerungsstücke mit einem Falken lebt. Das Team von Jean Smart will ihm die Rechte für ein Biopic abkaufen. Die Episode brachte Lloyd seine erste Emmy-Nominierung seit 32 Jahren ein.

Im Kino war er in „Abgang mit Stil“ (2017) neben Morgan Freeman, Michael Caine und Alan Arkin zu sehen. In „Nobody“ (2021) und „Nobody 2“ (2025) spielt er David Mansell, den Vater von Hutch (Bob Odenkirk), einen früheren FBI-Agenten, der im Altenheim lebt und im richtigen Moment zur Schrotflinte greift.

Professor Orloff in „Wednesday“

Mehr als 30 Jahre nach Onkel Fester kehrte Lloyd 2025 in die Welt der Addams Family zurück. In der zweiten Staffel von Wednesday (seit 2022) spielt er in vier Episoden Professor Orloff, den dienstältesten Lehrer der Nevermore Academy und Leiter der Biologie. Von Orloff ist allerdings nur der Kopf übrig, der in einer Art Glasglocke auf Rädern durch die Gänge fährt.

Am Streichtag der Schule ist er schlecht gelaunt, weil ihm im Vorjahr jemand Aale ins Glas gesetzt hat. Orloff beobachtet Wednesday (Jenna Ortega) genau und bemerkt, dass sie bestimmte Menschen förmlich anzieht. Im Lauf der Staffel wird klar, dass er mehr über die Vorgänge an der Schule weiß, als er zugibt.

Für die Szenen filmte das Team Lloyds Gesicht mit einem aufwendigen Verfahren aus vielen Kameras gleichzeitig. Die Mimik im Glas stammt also wirklich von ihm, der Rest kommt aus dem Computer. Die Idee zur Figur entstand laut den Showrunnern aus der Frage, wie es wohl wäre, einen Lehrer zu haben, der nur aus einem Kopf besteht.

Christopher Lloyd Privatleben

Lloyd war fünfmal verheiratet. Seine erste Ehe mit Catharine Boyd hielt von 1959 bis 1971, danach war er mit der Schauspielerin Kay Tornborg, mit Carol Ann Vanek und von 1992 bis 2005 mit der Drehbuchautorin Jane Walker Wood verheiratet. Seit 2016 ist er mit Lisa Loiacono verheiratet, die er kennenlernte, als sie 2012 als Maklerin sein Grundstück in Montecito verkaufte.

Sein Haus dort war 2008 bei einem Waldbrand vollständig abgebrannt. Sein Neffe Sam Lloyd, der 2020 starb, spielte den unglücklichen Anwalt Ted Buckland in Scrubs. Zu seinen Vorfahren zählt John Howland, einer der Passagiere der Mayflower, die 1620 in Amerika landeten.

Dem Theater ist Lloyd trotz aller Kinoerfolge treu geblieben. 2010 spielte er in Vermont den Willy Loman in „Tod eines Handlungsreisenden“, und mit über 80 Jahren stand er 2021 in Massachusetts als König Lear auf der Bühne.

Darsteller Updates