Bruce Greenwood spielte in The Resident sechs Staffeln lang den Chirurgen Dr. Randolph Bell und ĂŒbernahm in The Fall of the House of Usher die Rolle des Pharmamagnaten Roderick Usher. Mit John F. Kennedy und zwei erfundenen StaatsoberhĂ€uptern hat er bereits dreimal im WeiĂen Haus regiert und damit mehr Amtszeiten gesammelt, als die US-Verfassung einem echten PrĂ€sidenten erlaubt.
Bruce Greenwood stammt aus Noranda, einer Bergbaustadt im Westen der kanadischen Provinz Québec. Sein Vater arbeitete als Geophysiker und lehrte spÀter als Professor, seine Mutter war Krankenschwester in einer Pflegeeinrichtung.
Bevor er sich ganz der Schauspielerei widmete, probierte Greenwood eine erstaunliche Bandbreite an Jobs aus. Er arbeitete als Bohrarbeiter bei der Rohstoffsuche, schuftete in einer Chemiefabrik und heuerte als Crewmitglied auf einem Segelboot in Griechenland an. Nebenbei sang er in einer Blues-Rock-Band und spielte dort die Rhythmusgitarre.
Er studierte an der University of British Columbia in Vancouver und stand Mitte der 1970er-Jahre in TheaterstĂŒcken der Stadt erstmals auf der BĂŒhne. Danach ging er an die American Academy of Dramatic Arts in New York und ergĂ€nzte seine Ausbildung an der Central School of Speech and Drama in London. In New Yorker Theatern verdiente er sein Geld zunĂ€chst hinter den Kulissen als Requisiteur und Inspizient.
Seine erste Filmrolle war winzig, in „Bear Island“ (1979) spielte er einen Techniker. Wenige Jahre spĂ€ter folgte ein Kurzauftritt als Nationalgardist in „Rambo“ (1982) an der Seite von Sylvester Stallone. Parallel sammelte er Erfahrung in kanadischen Fernsehproduktionen und sprach eine Figur in der japanischen Zeichentrickserie „Space Carrier Blue Noah“.
1986 holte NBC ihn in die Krankenhausserie „St. Elsewhere“ (1982-1988), die im Bostoner St. Eligius Hospital spielt. Als Dr. Seth Griffin gehörte er in den letzten beiden Staffeln zur Hauptbesetzung. Griffin ist ein junger, selbstbewusster Assistenzarzt, der sich zwischen NotfĂ€llen und Konflikten im Kollegium erst seinen Platz erkĂ€mpfen muss.
Nach dem Ende der Serie wechselte er zur Seifenoper „Knots Landing“ und spielte dort in 23 Episoden (1991-1992) die Figur Pierce Lawton. Im Fernsehfilm „Summer Dreams: The Story of the Beach Boys“ verkörperte er 1990 den Schlagzeuger Dennis Wilson. FĂŒr einen Mann, der selbst in einer Band gespielt hatte, war das eine naheliegende Besetzung.
Seine erste Serienhauptrolle bekam Greenwood 1995 im Mysterydrama „Nowhere Man“ (1995-1996). Als Fotograf Thomas Veil verliert er ĂŒber Nacht seine gesamte Existenz, denn seine Ehefrau und seine Freunde behaupten plötzlich, ihn nie gekannt zu haben. Auslöser ist offenbar ein Foto, das er in SĂŒdamerika aufgenommen hat und das eine mĂ€chtige Organisation unbedingt zurĂŒckhaben will.
In 25 Episoden sucht Veil nach Beweisen fĂŒr sein frĂŒheres Leben und gerĂ€t dabei immer tiefer in ein Netz aus TĂ€uschungen. Die Serie endete nach einer einzigen Staffel ohne Auflösung aller RĂ€tsel. UngefĂ€hr zur selben Zeit arbeitete Greenwood mehrfach mit dem kanadischen Regisseur Atom Egoyan zusammen.
In „Exotica“ (1994) spielt er einen SteuerprĂŒfer, der Abend fĂŒr Abend denselben Nachtclub in Toronto besucht. FĂŒr das Drama „Das sĂŒĂe Jenseits“ (1997) ĂŒber die Nachwirkungen eines BusunglĂŒcks in einer Kleinstadt erhielt er eine Nominierung fĂŒr den kanadischen Genie Award.
Ende der 1990er-Jahre etablierte sich Greenwood im Kino. In „Doppelmord“ (1999) spielte er den Ehemann von Ashley Judd, der seinen eigenen Tod vortĂ€uscht und seine Frau dafĂŒr ins GefĂ€ngnis bringt. In „Thirteen Days“ (2000) verkörperte er John F. Kennedy wĂ€hrend der Kubakrise und gewann dafĂŒr den Satellite Award als bester Nebendarsteller.
Darauf folgte eine lange Reihe groĂer Studioproduktionen. Neben Will Smith spielte er in „I, Robot“ (2004) den Konzernchef Lawrence Robertson, in „Capote“ (2005) den LebensgefĂ€hrten von Truman Capote und in „DĂ©jĂ Vu“ (2006) einen FBI-Agenten an der Seite von Denzel Washington.
Das Oval Office wurde fĂŒr ihn fast zum zweiten Arbeitsplatz. In „Das VermĂ€chtnis des geheimen Buches“ (2007) und spĂ€ter in „Kingsman: The Golden Circle“ (2017) saĂ er jeweils als fiktiver PrĂ€sident der Vereinigten Staaten hinter dem Schreibtisch.
2007 holte David Milch ihn fĂŒr das Drama John From Cincinnati (2007) zu HBO. Als Mitch Yost spielt er eine gealterte Surferlegende aus Imperial Beach, deren Karriere eine Knieverletzung beendet hat. Als ein rĂ€tselhafter Fremder namens John auftaucht, beginnt Mitch plötzlich ĂŒber dem Boden zu schweben, was seine zerstrittene Familie zusĂ€tzlich durcheinanderbringt.
Bei ABC ĂŒbernahm er 2012 die zentrale Rolle in der Mysteryserie The River (2012). Emmet Cole ist ein bekannter Naturfilmer und Fernsehstar, der bei einer Expedition im Amazonasgebiet spurlos verschwindet. Seine Frau Tess und sein Sohn Lincoln brechen mit einem Kamerateam zur Suche auf, und in acht Episoden setzt sich aus gefundenen Aufnahmen nach und nach zusammen, welchen KrĂ€ften Emmet begegnet ist.
In der Zeichentrickserie Young Justice (2010-2022) leiht er Batman seine Stimme. Der Dunkle Ritter tritt dort als Mentor eines Teams junger Superhelden auf, das verdeckte EinsĂ€tze fĂŒr die Justice League ĂŒbernimmt. Die Rolle sprach er auch in mehreren Batman-Zeichentrickfilmen.
2009 besetzte J. J. Abrams ihn in „Star Trek“ (2009) als Captain Christopher Pike, den ersten Kommandanten der neuen Enterprise und vĂ€terlichen Förderer des jungen James T. Kirk. In „Star Trek Into Darkness“ (2013) kehrte er als Admiral Pike zurĂŒck, bis die Figur einem Anschlag des Terroristen John Harrison zum Opfer fĂ€llt.
2015 tauchte er in vier Episoden der finalen Staffel von Mad Men (2007-2015) als Richard Burghoff auf. Der wohlhabende Bauunternehmer im Ruhestand beginnt eine Beziehung mit Joan Harris, tut sich aber schwer mit ihrem kleinen Sohn und ihren beruflichen PlÀnen.
Ein Jahr spÀter spielte er in American Crime Story (2016-2021) den Bezirksstaatsanwalt Gil Garcetti von Los Angeles. Garcetti verantwortet als Vorgesetzter von Marcia Clark die Anklage gegen O. J. Simpson und steht dabei unter enormem öffentlichen Druck.
Von 2018 bis 2023 gehörte Greenwood zur Hauptbesetzung des Krankenhausdramas The Resident (2018-2023) bei FOX. Dr. Randolph Bell ist zu Beginn Chefchirurg des Chastain Park Memorial Hospital in Atlanta, ein machtbewusster Mann, der Fehler im Operationssaal lieber vertuscht als zugibt. In der ersten Staffel verschweigt er ein Zittern seiner Hand, das Patienten in Gefahr bringt.
Im Lauf von sechs Staffeln wandelt sich Bell spĂŒrbar. Er steigt zum Klinikchef auf, gerĂ€t mit Investoren aneinander und findet in der Ărztin Dr. Kitt Voss eine Partnerin. Je lĂ€nger die Serie lĂ€uft, desto hĂ€ufiger stellt er sich auf die Seite der jungen Ărzte um Conrad Hawkins.
Mit Regisseur Mike Flanagan verbindet Greenwood eine lange Zusammenarbeit. In der Stephen-King-Verfilmung „Das Spiel“ (2017) spielt er den Ehemann von Carla Gugino, der in einem abgelegenen Ferienhaus stirbt und seine ans Bett gefesselte Frau zurĂŒcklĂ€sst. In The Haunting of Hill House (2018) hatte er einen kurzen Auftritt als Geist, 2019 folgte „Doctor Sleeps Erwachen“ (2019) mit ihm als Arzt Dr. John Dalton.
2022 sprang er fĂŒr die Miniserie The Fall of the House of Usher (2023) ein, nachdem Netflix den ursprĂŒnglich besetzten Frank Langella entlassen hatte. Flanagan rief ihn an einem Mittwoch an, bereits am Sonntag stand er mit einem rund 550 Seiten starken Drehbuch am Set. Er habe „alle Vorsicht in den Wind geschlagen“, erzĂ€hlte er spĂ€ter, und die langen Monologe klebte er sich auf Zetteln ins Auto und ins Hotelzimmer.
Als Roderick Usher spielt er den Chef des Pharmakonzerns Fortunato, der mit einem sĂŒchtig machenden Schmerzmittel ein Vermögen angehĂ€uft hat. Innerhalb von acht Episoden sterben seine sechs Kinder auf grausame Weise. Roderick erzĂ€hlt die Geschichte dieser Tode dem Staatsanwalt Auguste Dupin, der ihn seit Jahrzehnten verfolgt.
In der dritten Staffel von Dark Winds (seit 2022) spielt er 2025 bei AMC den Ălunternehmer Tom Spenser aus New Mexico, dessen Quellen langsam versiegen. Spenser hat einen ungewöhnlichen Weg gefunden, sein GeschĂ€ft weiter zu finanzieren. Die Serie deutet frĂŒh an, dass der GeschĂ€ftsmann einiges zu verbergen hat.
Am 1. Dezember 2026 startet bei Netflix der Politthriller Trinity (2026) von Jed Mercurio mit sieben Episoden. Gugu Mbatha-Raw und Richard Madden spielen die Hauptrollen, Greenwood ĂŒbernimmt in einer wiederkehrenden Rolle den Special Agent Eric Colby, der an der Aufdeckung einer Verschwörung beteiligt ist. Gedreht wurde von Juli bis November 2025 in Vancouver, also in der Stadt, in der er einst seine ersten Theatererfahrungen sammelte.
Im Kino bleibt er ebenfalls gefragt. FĂŒr den Thriller „Hyde“ wurde er 2026 an der Seite von Bill Camp als Therapeut eines Ermittlers besetzt, der einen Serienmörder jagt.
Seit 1985 ist Greenwood mit Susan Devlin verheiratet, mit der er ein Kind hat. Die Familie lebte lange in Pacific Palisades bei Los Angeles. Abseits der Drehs zieht es ihn nach drauĂen, zu seinen Leidenschaften zĂ€hlen Skifahren, Segeln, Wandern und Fallschirmspringen.
Mit Kennedy und zwei erfundenen StaatsoberhĂ€uptern hat er inzwischen dreimal einen US-PrĂ€sidenten gespielt, fĂŒr einen gebĂŒrtigen Kanadier eine ordentliche Quote. Zudem trat er als ausfĂŒhrender Produzent eines Kinderalbums des kanadischen Musikers Norman Foote in Erscheinung, und Videospieler kennen seine Stimme als Overlord aus „Call of Duty: Modern Warfare 3“.