Brendan Gleeson spielte in Mr. Mercedes den pensionierten Polizisten Bill Hodges und wurde im Kino als Mad-Eye Moody in den Harry-Potter-Filmen bekannt. Bevor er mit 34 Jahren seine Filmkarriere begann, stand er als Lehrer für Englisch und Irisch vor einer Schulklasse, was ihm im Umgang mit schwierigen Zauberschülern sicher geholfen hat.
Der irische Schauspieler Brendan Gleeson wurde in Dublin geboren und wuchs dort als begeisterter Leser auf. An der Schule St Joseph's im Stadtteil Fairview spielte er in der Theatergruppe mit. Danach studierte er Englisch und Irisch am University College Dublin.
Bevor er Schauspieler wurde, unterrichtete Gleeson viele Jahre lang Englisch und Irisch am Belcamp College im Norden des County Dublin. Parallel stand er bei semiprofessionellen und professionellen Produktionen in Dublin auf der Bühne. In seinen Zwanzigern spielte er zudem Gaelic Football als Stürmer für den Verein St Finian's in Swords.
Erst 1991 gab Gleeson den Lehrerberuf auf und widmete sich ganz der Schauspielerei, seine Filmkarriere begann mit 34 Jahren. Als Mitglied der Dubliner Theatergruppe Passion Machine spielte er in Stücken von Roddy Doyle und Paul Mercier. Für die Truppe schrieb er sogar drei eigene Stücke, zwei davon inszenierte er selbst.
In Irland wurde er durch den Fernsehfilm „The Treaty“ (1991) bekannt, in dem er den Freiheitskämpfer Michael Collins spielte. Dafür erhielt er 1992 einen Jacob's Award. Kurios ist, dass er Collins wenige Jahre später nicht noch einmal spielte, sondern in „Michael Collins“ (1996) dessen engen Vertrauten Liam Tobin, während Liam Neeson die Titelrolle übernahm.
International fiel Gleeson 1995 als Hamish Campbell in Mel Gibsons „Braveheart“ auf. Hamish ist ein Jugendfreund von William Wallace und kämpft an seiner Seite gegen die englischen Besatzer. Gleich danach folgten Rollen in „Trojan Eddie“ und „I Went Down“.
Viel Anerkennung erhielt er 1998 für „The General“ von Regisseur John Boorman. Gleeson spielte darin den Dubliner Gangster Martin Cahill, der mit spektakulären Raubzügen die Polizei narrt. Es war seine erste große Hauptrolle im Kino.
Danach ging es Schlag auf Schlag. Gleeson war in „Mission: Impossible II“ (2000), Steven Spielbergs „A.I. Künstliche Intelligenz“ (2001) und Danny Boyles „28 Days Later“ (2002) zu sehen. In Martin Scorseses „Gangs of New York“ (2002) spielte er den irischen Schläger Walter McGinn.
Bei vielen Kinogängern blieb Gleeson als Alastor Moody in Erinnerung, der wegen seines magischen Auges Mad-Eye genannt wird. In „Harry Potter und der Feuerkelch“ (2005) spielte er allerdings genau genommen Barty Crouch Junior, der sich mit Vielsafttrank als Moody ausgibt. Den echten Auror verkörperte er dann in „Harry Potter und der Orden des Phönix“ (2007) und in „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ (2010).
Im letzten Teil standen Vater und Sohn gemeinsam auf der Besetzungsliste, denn sein Sohn Domhnall Gleeson spielte Bill Weasley. Davor war Brendan Gleeson in Ridley Scotts „Königreich der Himmel“ (2005) und in Wolfgang Petersens „Troja“ (2004) als König Menelaos aufgetreten. In M. Night Shyamalans „The Village“ (2004) gehörte er zu den Ältesten des abgeschiedenen Dorfes.
Für Familien wurde er 2017 zum Gefängniskoch Knuckles McGinty in „Paddington 2“. Der gefürchtete Häftling wird ausgerechnet durch die Orangenmarmelade des kleinen Bären zum Freund. In der Westernanthologie The Ballad of Buster Scruggs (2018) der Brüder Coen sang er als Kopfgeldjäger das Volkslied „The Unfortunate Rake“.
Eine besondere Partnerschaft verbindet Gleeson mit dem Autor und Regisseur Martin McDonagh. 2004 drehten die beiden den Kurzfilm „Six Shooter“, der den Oscar als bester Kurzfilm gewann. Vier Jahre später folgte „Brügge sehen... und sterben?“ (2008), in dem er an der Seite von Colin Farrell einen alternden Auftragskiller spielt.
Ken soll seinen jungen Kollegen in Brügge auf andere Gedanken bringen, nachdem ein Auftrag schiefgegangen ist. Die Rolle brachte Gleeson seine erste Nominierung für den Golden Globe ein. Der Kritiker Roger Ebert schwärmte, Gleeson habe das zerfurchte Gesicht und die Statur eines Boxers, der aus der Form geraten ist.
2022 kamen McDonagh, Farrell und Gleeson erneut für „The Banshees of Inisherin“ zusammen. Gleeson spielt Colm Doherty, der seinem langjährigen Freund Pádraic eines Tages ohne Vorwarnung die Freundschaft kündigt. Dafür wurde er für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert.
Auch mit McDonaghs älterem Bruder John Michael McDonagh arbeitete Gleeson erfolgreich zusammen. In „The Guard“ (2011) spielte er einen eigenwilligen Dorfpolizisten in Galway, der mit einem FBI-Agenten einen Drogenring jagen muss. In „Am Sonntag bist du tot“ (2014) verkörperte er Father James, einen Priester, dem während der Beichte mit dem Tod gedroht wird.
Im Fernsehen schlüpfte Gleeson gern in die Haut historischer Figuren. Für seine Darstellung des britischen Premierministers Winston Churchill im HBO-Film „Into the Storm“ (2009) gewann er einen Emmy. In der Miniserie The Comey Rule (2020) verkörperte er Donald Trump und wurde dafür für den Golden Globe nominiert.
Von 2017 bis 2019 spielte er in drei Staffeln von Mr. Mercedes die Hauptrolle des pensionierten Polizisten Bill Hodges. Die Serie basiert auf den Romanen von Stephen King. Hodges jagt einen Massenmörder, der mit einem gestohlenen Mercedes in eine Menschenmenge gerast ist und ihn danach mit höhnischen Botschaften verspottet.
2022 stand er mit Patricia Clarkson unter der Regie von Stephen Frears für die zweite Staffel von State of the Union vor der Kamera. Die beiden spielen in zehn Episoden das ungleiche Ehepaar Scott und Ellen, das sich vor jeder Sitzung zur Paartherapie in einem Café trifft. Auch diese Rolle brachte ihm eine Emmy-Nominierung ein.
2024 übernahm er im Musical „Joker: Folie à Deux“ die Rolle des Gefängniswärters Jackie Sullivan. Im Jahr darauf stand er in „H Is for Hawk“ und am Theater in Conor McPhersons „The Weir“ in Dublin und London auf der Bühne. Für Fans von Harry Potter lieh er Mad-Eye Moody 2025 zudem für eine Attraktion in einem Freizeitpark noch einmal sein Gesicht.
2026 war Gleeson in der Marvel-Serie Spider-Noir neben Nicolas Cage zu sehen. Die acht Episoden spielen im New York der 1930er Jahre, Gleeson verkörpert den Gangster Finn Byrne, bekannt als Silvermane. Die Serie lief als Schwarzweißversion und als Farbversion.
Sein aktuelles Projekt ist die Miniserie The Good Daughter, die am 12. November 2026 bei Peacock startet und in Deutschland bei HBO Max zu sehen ist. Die Serie basiert auf dem Roman von Karin Slaughter, Rose Byrne ist neben ihrer Hauptrolle auch Executive Producer. Gleeson spielt den Vater der beiden Schwestern Sam und Charlie.
Seine Figur Rusty ist Strafverteidiger in der Kleinstadt Pikeville. Er verteidigt Menschen, die sonst niemand verteidigen will, und hat sich damit viele Feinde gemacht. Als ein neues Verbrechen die Stadt erschüttert, bittet er seine Töchter, die Byrne und Meghann Fahy spielen, um Hilfe.
Seit 1982 ist Gleeson mit Mary Weldon verheiratet, das Paar hat vier Söhne. Zwei davon stehen ebenfalls vor der Kamera, Domhnall Gleeson und Brian Gleeson. Inzwischen ist Brendan Gleeson auch Großvater eines Enkels und einer Enkelin.
Gleeson spricht fließend Irisch und setzt sich für die Förderung der Sprache ein. Er spielt Geige und Mandoline und hat die Fiedel in mehreren Filmen selbst gespielt, darunter „Unterwegs nach Cold Mountain“ und The Banshees of Inisherin. Wer sich wundert, warum ein Dubliner ausgerechnet dem englischen Fußballverein Aston Villa die Daumen drückt, hat ihn vermutlich noch nicht danach gefragt.