Becky G. sang sich aus der Garage ihrer Großeltern per YouTube bis in die Charts und tauschte später das Mikrofon gelegentlich gegen das gelbe Ranger-Kostüm. Fans kennen sie aus Empire, Kinogänger als Yellow Ranger und als Stimme eines vorlauten Alien-Käfers.
Becky G. kam in Inglewood in Kalifornien zur Welt und wuchs als ältestes von vier Kindern in einer Familie mit mexikanischen Wurzeln auf. Alle vier Großeltern stammen aus dem mexikanischen Bundesstaat Jalisco, was ihre Musik und ihr Selbstverständnis bis heute stark prägt.
Ihre Kindheit verbrachte sie größtenteils in Moreno Valley, wo die Familie in eine finanzielle Krise geriet und ihr Haus verlor. Mit neun Jahren zog Becky G. deshalb mit Eltern und Geschwistern in die umgebaute Garage ihrer Großeltern.
Schon als Kind übernahm sie kleine Jobs in Werbespots und als Sprecherin, um die Familie finanziell zu unterstützen. Weil sie an ihrer öffentlichen Schule gemobbt wurde, erhielt sie später Unterricht zu Hause und konzentrierte sich immer stärker auf die Musik.
Erste Bühnenerfahrung sammelte Becky G. um 2008, als sie in einem Kurzfilm mitwirkte und als Sängerin bei einem Album der Reihe Kidz Bop zu hören war. Danach gehörte sie kurz der Mädchengruppe G.L.A.M. und dem Duo B.C.G. an, ohne dass beide Projekte größere Aufmerksamkeit erhielten.
Den eigentlichen Durchbruch brachte ihr ein Computer mit der Software GarageBand, mit der sie im Zimmer bei den Großeltern eigene Coverversionen aufnahm. Die Videos lud sie auf ihren YouTube-Kanal hoch, wo vor allem ihre Version von „Otis“ im Jahr 2011 viele Klicks sammelte.
Genau diese Clips fielen dem Produzenten Dr. Luke auf, der damals zu den erfolgreichsten Hitlieferanten der amerikanischen Popbranche gehörte. Er nahm die junge Sängerin bei seinem neuen Label Kemosabe Records unter Vertrag, das eng mit RCA Records und Sony Music verbunden war.
Als erste offizielle Single erschien 2013 „Becky from the Block“, eine Neuauflage des bekannten Songs von Jennifer Lopez mit einem Gastauftritt von Lopez im Video. Der Titel schaffte es zwar nicht in die Charts, machte die Newcomerin aber in der Branche und bei vielen jungen Fans bekannt.
Den kommerziellen Durchbruch erreichte Becky G. im Jahr 2014 mit dem Sommerhit „Shower“, der sich bis in die Top 20 der Billboard Hot 100 hocharbeitete. Im selben Jahr wurde sie Werbegesicht der Kosmetikmarke CoverGirl und trat damit auch abseits der Musik einer breiten Öffentlichkeit gegenüber.
In den folgenden Jahren wandte sie sich immer stärker spanischsprachiger Musik zu und fand dort ihr eigentliches Publikum. Der Song „Mayores“ mit Bad Bunny führte 2017 in elf Ländern die Charts an und erreichte Platz drei der Hot Latin Songs.
Mit Natti Natasha veröffentlichte Becky G. im Jahr 2018 die Single „Sin Pijama“, die ebenfalls in die Top 5 der Hot Latin Songs einstieg. Ein Jahr später folgte ihr erstes Studioalbum „Mala Santa“, das vor allem Reggaeton und Latin-Pop enthält und die Top 5 der Top Latin Albums erreichte.
Das zweite Album „Esquemas“ erschien 2022 und lieferte mit „Mamiii“ gemeinsam mit Karol G einen Nummer-eins-Hit in den Hot Latin Songs. Danach widmete sie sich mit „Esquinas“ im Jahr 2023 der regionalen mexikanischen Musik und verstand das Album als Hommage an ihre Großeltern.
Mit „Encuentros“ setzte sie diesen Weg 2024 fort, bevor 2026 das Album „Baraja Bendita“ als erstes Werk nach dem Abschied von Kemosabe erschien. Insgesamt erhielt sie sieben Nominierungen für die Latin Grammys sowie zahlreiche American Music Awards, Premios Juventud und Lo Nuestro Awards. Billboard zeichnete sie 2023 mit dem Impact Award aus und ehrte sie 2026 zusätzlich mit dem Global Impact Award. Forbes nahm sie 2023 in die Liste 30 Under 30 auf, und das Magazin Time zählte sie 2025 zu den aufstrebenden Stars.
Vor der Kamera stand Becky G. schon früh, unter anderem mit einem Gastauftritt in der Disney-Serie Austin & Ally (2011-2016). Größere Aufmerksamkeit brachte ihr 2015 die zweite Staffel des Musikdramas Empire (2015-2020), in der sie in zwei Episoden zu sehen war.
Dort spielt sie Valentina Galindo, eine selbstbewusste junge Sängerin, die genau weiß, was sie will, und vor großen Namen keine Scheu zeigt. Hakeem Lyon umwirbt sie für eine Mädchengruppe, die er gründen möchte, um im Machtkampf mit seinem Bruder Jamal eigene Erfolge vorweisen zu können.
Im Jahr 2022 wechselte sie auf die andere Seite der Bühne und arbeitete als Jurorin und ausführende Produzentin der Castingshow „Becoming a Popstar“. Moderationen übernahm sie unter anderem bei den MTV Europe Music Awards 2019 und mehrfach bei den Latin American Music Awards.
Ihre erste große Kinorolle spielte Becky G. im Jahr 2017 in „Power Rangers“ (2017), der Neuauflage der bekannten Fernsehmarke aus den Neunzigerjahren. Fünf Jugendliche aus der Kleinstadt Angel Grove entdecken darin geheimnisvolle Münzen, die ihnen übermenschliche Kräfte verleihen.
Sie verkörpert Trini Kwan, eine verschlossene Einzelgängerin, die neu in der Stadt ist und unter dem Druck ihrer Familie leidet. Als Yellow Ranger stellt sich Trini mit den anderen Teenagern der Schurkin Rita Repulsa entgegen, die die Stadt zerstören will.
Die Figur sorgte für Gesprächsstoff, weil der Film andeutet, dass Trini sich zu Mädchen hingezogen fühlt. Viele Medien bezeichneten sie deshalb als eine der ersten queeren Superheldinnen in einem großen Hollywood-Blockbuster.
Im selben Jahr lieh sie in dem Animationsfilm „Gnome Alone“ (2017) der Hauptfigur Chloe ihre Stimme. Chloe zieht mit ihrer Mutter in eine neue Stadt und entdeckt, dass die Gartenzwerge im Haus lebendig sind und ihr Zuhause gegen kleine Monster verteidigen.
In dem Science-Fiction-Film „A-X-L“ (2018) übernahm Becky G. die weibliche Hauptrolle neben Alex Neustaedter. Sie spielt Sara, die einem jungen Motocross-Fahrer hilft, einen militärischen Roboterhund vor seinen Erfindern zu verstecken.
Danach folgte ein Auftritt in der Kifferkomödie „Good Mourning“ (2022) von Machine Gun Kelly und Mod Sun. Die Dokumentation „Rebbeca“ (2025) zeigt ihr Leben und die Entstehung von Esquinas und kam nach der Premiere beim Tribeca Festival zu Netflix.
Im DC-Film „Blue Beetle“ (2023) spricht Becky G. die Rolle von Khaji-Da, einem außerirdischen Skarabäus mit eigener künstlicher Intelligenz. Der Käfer verbindet sich mit dem jungen Jaime Reyes, gespielt von Xolo Maridueña, und verwandelt ihn in einen gepanzerten Superhelden.
Khaji-Da lebt dabei im Kopf von Jaime und kommentiert seine Entscheidungen oft trocken und mit eigenem Willen. Die Beziehung zwischen beiden schwankt zwischen Misstrauen und Teamwork, während Jaime gegen ein mächtiges Rüstungsunternehmen und dessen Chefin kämpfen muss.
Für die geplante Animationsserie Blue Beetle im neuen DC-Universum ist sie laut Ankündigung erneut als Stimme von Khaji-Da vorgesehen. Damit soll die außerirdische Figur aus dem Kinofilm ihre Geschichte auch im Serienformat fortsetzen und weiter ausbauen.
Seit 2016 ist Becky G. mit dem amerikanischen Fußballprofi Sebastian Lletget liiert, der unter anderem für LA Galaxy und die Nationalmannschaft der USA spielte. Im Dezember 2022 machte er ihr einen Heiratsantrag, über ihr Privatleben spricht das Paar seitdem aber nur selten in der Öffentlichkeit.
Auch beruflich bleibt sie dem Fußball eng verbunden, denn seit 2020 gehört sie zu den Miteigentümern des Frauenfußballclubs Angel City FC aus Los Angeles. Ihre Heimatstadt Inglewood überreichte ihr im Oktober 2023 sogar den Schlüssel der Stadt, eine Ehre für das Mädchen aus der Garage.