Annie Potts spielte in Young Sheldon sieben Staffeln lang die geschäftstüchtige Meemaw und verkörperte zuvor die Sekretärin Janine in Ghostbusters sowie Mary Jo in Designing Women. Ihr Vorsprechen für die Schauspielschule absolvierte sie nach einem schweren Unfall mit Gehgestell, angenommen wurde sie trotzdem noch am selben Tag.
Annie Potts kommt in Nashville, Tennessee, zur Welt und wächst als jüngste von drei Töchtern auf einer Farm bei Franklin, Kentucky, auf. Auf rund 80 Hektar Land gibt es wenig Gesellschaft, also verbringt sie viel Zeit allein mit ihrer Fantasie.
Ihre Eltern schicken sie in ein Sommerlager mit Theaterprogramm, später spielt sie in einem Kunstprojekt der Region unter einem echten Regisseur. Nebenbei liest sie jedes Theaterstück, das die Bibliothek ihres Ortes zu bieten hat, und feuert an der Highschool als Cheerleaderin die Sportteams an.
Nach dem Schulabschluss 1970 studiert sie Theater am Stephens College in Columbia, Missouri, und schließt mit dem Bachelor ab. Kentucky nennt sie bis heute ihr Fundament, denn das Land, aus dem man stamme, habe für sie einen bleibenden Wert.
1973 verändert ein Autounfall ihr Leben. Zwei betrunkene Fahrer liefern sich auf der falschen Seite eines Highways ein Rennen und rammen den Wagen, in dem sie mit ihrem damaligen Ehemann Steven Hartley sitzt.
Potts bricht sich fast jeden Knochen unterhalb der Hüfte und verliert dauerhaft die rechte Ferse, seither hinkt sie leicht. Hartley verliert sein linkes Bein. Sie selbst glaubt damals, ihre Karriere sei vorbei, bevor sie richtig begonnen hat.
Während der Genesung in New Mexico entdeckt sie eine Anzeige für ein Vorsprechen des California Institute of the Arts in Santa Fe. Auf ihr Gehgestell gestützt, trägt sie einen Monolog aus „Die Glasmenagerie“ vor und wird noch an Ort und Stelle angenommen. Kurz darauf zieht sie nach Kalifornien.
Ab 1977 steht sie vor der Kamera, zunächst im Fernsehfilm „Black Market Baby“ und in drei Episoden der Sitcom „Busting Loose“. Ihr Kinodebüt gibt sie 1978 als Vanessa in der Komödie „Corvette Summer“ an der Seite von Mark Hamill, der ihr wertvolle Tipps für die Arbeit vor der Kamera gibt.
Die Rolle bringt ihr eine Nominierung für den Golden Globe als Nachwuchsstar des Jahres ein. Im selben Jahr folgt „King of the Gypsies“, 1980 übernimmt sie als Edith Bedelmeyer eine Hauptrolle in der Sitcom „Goodtime Girls“. Für das kanadische Drama „Heartaches“ (1981) erhält sie den Genie Award als beste ausländische Darstellerin.
1984 spielt sie in „Ghostbusters“ die schlagfertige Sekretärin Janine Melnitz, die in der Feuerwache der Geisterjäger die Anrufe annimmt. Den markanten New Yorker Akzent bringt sie ohne lange Vorbereitung mit ans Set, als Vorbild dient ihr eine Freundin aus der Stadt. In „Ghostbusters II“ (1989) trägt sie eine Perücke, weil ihre Haare inzwischen für eine Serienrolle gewachsen sind.
2016 hat sie im Neustart der Reihe einen Kurzauftritt als Hotelangestellte. Als Janine kehrt sie in „Ghostbusters: Legacy“ (2021) zurück, in „Ghostbusters: Frozen Empire“ (2024) darf die frühere Sekretärin endlich selbst Geister jagen.
Im Erotikthriller „Crimes of Passion“ (1984) von Ken Russell ist sie als Amy Grady zu sehen. In „Pretty in Pink“ (1986) nach einem Drehbuch von John Hughes spielt sie Iona, die exzentrische Chefin eines Plattenladens und mütterliche Freundin der jungen Andie.
Hughes bescheinigt sie später ein feines Gespür dafür, wie Jugendliche ticken. Auf die Frage, ob Iona für eine Erwachsenenrolle im Teeniefilm ungewöhnlich viel Tiefe habe, antwortet sie trocken, in diesem Film hätten alle Figuren Tiefe gehabt.
Ebenfalls 1986 ist sie in „Jumpin' Jack Flash“ neben Whoopi Goldberg zu sehen. 1989 folgt die Krimikomödie „Who's Harry Crumb?“, 1990 spielt sie in „Texasville“ die Rolle der Karla Jackson.
Ihren Durchbruch im Fernsehen feiert sie von 1986 bis 1993 als Mary Jo Shively in der Sitcom „Designing Women“. Mary Jo ist eine geschiedene Mutter von zwei Kindern, die in einer Firma für Innenausstattung in Atlanta arbeitet. Zum Ensemble gehören Jean Smart und Dixie Carter.
Die Serie macht Potts landesweit bekannt. Fans erzählen ihr noch heute, dass sie sie lieben, als sei sie eine alte Freundin, die regelmäßig zu Besuch kam. Ihre liebste Episode ist „Big Haas and Little Falsie“.
Ab 1993 übernimmt sie in der zweiten Staffel der Sitcom „Love & War“ die Hauptrolle der Dana Palladino. Dana kauft ein Restaurant in New York und kommt dem Kolumnisten Jack Stein näher, gespielt von Jay Thomas†. Für diese Rolle erhält sie 1994 eine Emmy-Nominierung als beste Hauptdarstellerin in einer Comedyserie.
1996 übernimmt sie in „Dangerous Minds“ die Rolle der Lehrerin LouAnne Johnson, die eine Klasse schwieriger Jugendlicher unterrichtet. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Kinofilm und endet nach einer Staffel. 1997 spielt und produziert sie die kurzlebige Sitcom „Over the Top“.
Von 1998 bis 2002 ist sie in „Any Day Now“ als Mary Elizabeth Sims zu sehen, die alle nur M. E. nennen. Die Hausfrau aus Birmingham, Alabama, träumt vom Schreiben und ist seit Kindertagen mit der Anwältin Rene Jackson befreundet, gespielt von Lorraine Toussaint.
Die Serie läuft vier Staffeln mit 88 Episoden und springt zwischen der Gegenwart und der gemeinsamen Jugend der beiden Frauen in den sechziger Jahren. Dabei geht es um eine Freundschaft über die Grenzen der Hautfarbe hinweg und um Lebenswege, die sich nach einer frühen Schwangerschaft von M. E. trennen. Für die Rolle erhält Potts 1999 und 2000 Nominierungen für den Screen Actors Guild Award.
1995 leiht sie in „Toy Story“ der Porzellanhirtin Bo Peep ihre Stimme, die ein Auge auf Woody geworfen hat. 1999 kehrt sie in „Toy Story 2“ zurück, im dritten Teil spielt Bo Peep dagegen keine Rolle mehr. Potts vermutet, dass Woody einfach weiterziehen musste.
In „Toy Story 4“ (2019) rückt Bo Peep in den Mittelpunkt, nun als unabhängige Abenteurerin, die ohne Besitzer durch die Welt zieht. Dafür zeichnet die Washington D.C. Area Film Critics Association sie mit dem Preis für die beste Sprechrolle aus.
Gemeinsam im Studio stehen die Sprecher dabei selten, jeder nimmt seine Rolle für sich auf. 2020 folgt der Kurzfilm „Lamp Life“, 2026 ein kurzer Auftritt in „Toy Story 5“.
2004 ist sie in vier Episoden von „Huff“ zu sehen und spielt in Joan of Arcadia Lieutenant Lucy Preston. In Law & Order: Special Victims Unit taucht sie zwischen 2005 und 2009 in vier Episoden als Sophie Devere auf, 2007 folgt die Rolle der Mary Alice O'Donnell in Men in Trees.
Einzelne Gastauftritte führen sie zu Boston Legal, Two And A Half Men, Grey's Anatomy und Scandal. In NCIS: New Orleans spielt sie 2015 in einer Episode Olivia Brody.
Mit 57 Jahren gibt sie 2009 ihr Debüt am Broadway. In „Der Gott des Gemetzels“ übernimmt sie von Hope Davis die Rolle der Annette. 2014 folgt mit „Pippin“ ihr erstes Musical, dort spielt sie die lebenslustige Großmutter Berthe.
2012 spielt sie in GCB die Rolle Gigi, die Mutter der Hauptfigur Amanda Vaughn, in einer Welt reicher Kirchgängerinnen in Dallas. Als Vorbild dient ihr Dixie Carter, ihre Kollegin aus Designing Women, die stets Perlen und Strümpfe trug. Carter gab ihr einst den Rat, es einfach wie Dixie zu machen.
In The Fosters spielt sie von 2013 bis 2018 in elf Episoden Sharon Elkin, die Mutter von Stef Foster. Sharon ist von Stefs Vater Frank geschieden. Ihren ersten Auftritt hat sie in der Episode „I Do“ der ersten Staffel.
In der ersten Staffel von Chicago Med ist sie Helen Manning, die Schwiegermutter der verwitweten Ärztin Dr. Natalie Manning. Aus Sorge, Natalie könne mit Enkel Owen die Stadt verlassen, spannt Helen heimlich Dr. Will Halstead für ihre Pläne ein.
2017 beginnt ihre bekannteste Rolle der jüngeren Zeit. In Young Sheldon spielt sie sieben Staffeln lang Connie Tucker, die Großmutter von Sheldon, die alle nur Meemaw nennen. Den jungen Sheldon spielt Iain Armitage.
Meemaw steht ihrer Tochter Mary und den Enkeln sehr nahe und hat für Sheldons Eigenarten mehr Geduld als alle anderen. In der zweiten Staffel lehnt sie den Heiratsantrag des Physikprofessors Dr. John Sturgis ab, gespielt von Wallace Shawn.
Danach beginnt sie eine Beziehung mit Dale Ballard, dem Baseballtrainer ihrer Enkelin Missy, gespielt von Craig T. Nelson. Auch Dales Antrag weist sie in der dritten Staffel zurück.
In der fünften Staffel kauft sie einen Waschsalon mit einem illegalen Spielzimmer im Hinterraum und leistet sich vom Gewinn ein knallgelbes Cabrio. Dale trennt sich von ihr, weil er reisen will, während sie ganz in ihren Geschäften aufgeht, doch im Serienfinale sind die beiden wieder ein Paar.
Für die Figur greift Potts auf die Frauen aus dem Süden zurück, mit denen sie aufgewachsen ist. Weiter als bis in den Garten ihrer Mutter habe sie dafür nicht schauen müssen, sagt sie, auch wenn ihre Mutter etwas anders gewesen sei. Die Darstellung von June Squibb aus The Big Bang Theory schaut sie sich bewusst nicht an, weil sie die neue Serie als eigenes Universum behandelt.
Seit 2024 spielt sie Connie in einzelnen Episoden von Georgie and Mandy's First Marriage. Dort betreibt Meemaw ein illegales Wettbüro und heuert Mandy an, die säumige Kunden zur Kasse bitten soll. Zu Thanksgiving in der ersten Staffel sitzt sie mit Dale am Tisch der Familie.
Seit Januar 2026 spielt sie in Best Medicine bei FOX die Rolle Sarah, die Tante von Dr. Martin Best. Sarah fängt vor der Küste Hummer. Die Serie ist die amerikanische Fassung von Doc Martin und spielt im Fischerdorf Port Wenn in Maine.
Der Chirurg, gespielt von Josh Charles, verbrachte als Kind die Sommer bei seiner Tante, bis sein Vater den Kontakt verbot, weil er sie für einen schlechten Einfluss hielt. Nach Jahren der Funkstille finden die beiden in Port Wenn wieder zueinander. Fox hat die Serie um eine zweite Staffel mit 14 Episoden verlängert, die seit September 2026 läuft.
Annie Potts ist viermal verheiratet. Nach der Ehe mit Steven Hartley (1973-1978) heiratet sie den Schauspieler Greg Antonacci, die Ehe hält bis 1980. Von 1981 bis 1989 ist sie mit B. Scott Senechal verheiratet, mit dem sie 1981 Sohn Clay bekommt, der heute in der Unterhaltungsbranche arbeitet.
Seit 1990 ist sie mit dem Regisseur und Produzenten James Hayman verheiratet, den sie beim Dreh von „Breaking the Rules“ kennenlernt, wo er hinter der Kamera steht. Hayman inszeniert später Episoden von The Sopranos und Ugly Betty, produziert Dangerous Minds und führt bei Any Day Now und Joan of Arcadia Regie. Mit ihm hat sie die Söhne James und Harry, der als Kind in Joan of Arcadia vor der Kamera steht.
Fans schicken ihr bis heute Fotos von Bo Peep mit der Bitte um ein Autogramm. Sie unterschreibt, kommt sich nach eigener Aussage aber ziemlich albern dabei vor, für eine Puppe zu signieren. 2007 gewinnt sie sogar einen Audie Award für ihre Lesung des Romans „Telegraph Days“ von Larry McMurtry.