Amanda Brugel wurde als Martha Rita in The Handmaid's Tale bekannt und spielt seit 2024 die Anwältin Blair Caplan in Dark Matter (2024). Ihre Tanzkarriere scheiterte übrigens nicht am Talent, sondern daran, dass sie ihren Tanzpartnern irgendwann schlicht über den Kopf wuchs.
Amanda Brugel stammt aus Pointe-Claire, einem Vorort von Montreal in der kanadischen Provinz Quebec. Ihre Mutter ist aus England nach Kanada eingewandert, ihren leiblichen afroamerikanischen Vater hat sie nie kennengelernt. Aufgezogen wurde sie von ihrem Stiefvater, der sie adoptierte und den sie bis heute als ihren Vater bezeichnet.
Ursprünglich wollte Brugel Tänzerin werden, gab das aber auf, als sie größer wurde als ihre Tanzpartner. Mit einem Stipendium für künstlerische Begabung studierte sie Theater an der York University in Toronto und schloss 2000 mit einem Bachelor of Fine Arts ab. Schon während des Studiums stand sie vor der Kamera.
Ihr Debüt gab Brugel 1999 im HBO-Fernsehfilm „Vendetta“ an der Seite von Christopher Walken. 2000 spielte sie in der Weihnachtskomödie „A Diva's Christmas Carol“ mit Vanessa Williams. Ihren ersten Kinofilm drehte sie noch als Theaterstudentin.
In „Jason X“ (2001), dem zehnten Teil der Reihe um den maskierten Killer Jason Voorhees, spielte sie die Soldatin Geko, die im Jahr 2455 an Bord eines Raumschiffs gegen den aufgetauten Mörder antritt. Danach kamen Gastrollen in Serien wie Kevin Hill, Kojak und Wild Card. 2008 gehörte sie zur Hauptbesetzung der Sportserie „MVP“ und spielte in der Seifenoper „Paradise Falls“ die Rolle der Lynnie Jordan.
In den frühen 2010er Jahren war Brugel in vielen kanadischen und amerikanischen Serien zu Gast, darunter Flashpoint, Saving Hope, Nikita und Warehouse 13. In The Firm (2012) spielte sie in drei Episoden die Staatsanwältin Sonia Swain, in der vierten Staffel von Covert Affairs in fünf Episoden die Figur Olivia. 2013 gelang ihr dann der Durchbruch mit der Komödie „Sex After Kids“, in der sie die junge Mutter Vanessa spielte.
Für diese Rolle gewann sie einen ACTRA Award als beste Darstellerin und wurde für einen Canadian Comedy Award nominiert. Von 2013 bis 2014 spielte sie in 26 Episoden der Comedyserie Seed die Rolle der Michelle Krasnoff. Die Serie erzählt von einem Barkeeper, der erfährt, dass er als Samenspender Vater mehrerer Kinder geworden ist, und Michelle ist eine der Mütter.
2015 war Brugel in fünf Episoden der dritten Staffel von Orphan Black als Marci Coates zu sehen, die amtierende Schulrätin, gegen die Alison Hendrix bei der Wahl antritt. Alison wird dort von Tatiana Maslany gespielt, die in der Serie gleich mehrere Klone verkörpert. Im Drama „Room“ (2015) spielte sie Officer Parker, die Polizistin, die dem kleinen Jack nach seiner Flucht aus der Gefangenschaft hilft, seine Mutter zu finden.
Ab 2016 spielte sie in Kim's Convenience (2016-2021) in 23 Episoden Pastorin Nina Gomez, die Pastorin der Kirchengemeinde, die die koreanische Familie Kim besucht. Dafür gewann sie 2020 den Canadian Screen Award als beste Gastdarstellerin in einer Comedyserie. Im selben Jahr spielte sie in sechs Episoden von Eyewitness (2016) die Rolle der Sita Petronelli und hatte einen kleinen Auftritt im Kinofilm „Suicide Squad“ (2016).
Ihre bekannteste Rolle bekam Brugel 2017 in The Handmaid's Tale (2017-2025) nach dem Roman von Margaret Atwood. Sie spielte dort die Martha Rita, die Haushälterin im Haus von Commander Fred Waterford und seiner Frau Serena Joy, gespielt von Yvonne Strahovski. Anfangs begegnet Rita der Magd June, gespielt von Elisabeth Moss, mit Misstrauen und großer Distanz.
Nach und nach wird Rita zu einer wichtigen Vertrauten und hilft dem Widerstandsnetz der Marthas im Verborgenen. In der ersten Staffel war sie noch Nebendarstellerin, ab der zweiten Staffel gehörte sie zur Hauptbesetzung und spielte die Figur bis zum Serienende in 45 Episoden. Mit dem Ensemble wurde sie mehrfach für den Screen Actors Guild Award nominiert, 2026 kehrte sie in einer Episode der Fortsetzung The Testaments noch einmal als Rita zurück.
2018 spielte Brugel in Workin' Moms in fünf Episoden die Rolle der Sonia und wurde dafür für einen Canadian Screen Award nominiert. Es schlossen sich wiederkehrende Rollen als Faith Hanlon in Dare Me (2019-2020) und als Eugenia in Snowpiercer an, wo sie in den ersten beiden Staffeln mitwirkte. Im Actionthriller „Becky“ (2020) war sie an der Seite von Kevin James und Joel McHale zu sehen.
In der Krimikomödie Pretty Hard Cases (2021-2023) spielte sie Detective Karina Duff, 2021 saß sie in der zweiten Staffel von „Canada's Drag Race“ in der Jury. Gemeinsam mit den anderen Jurymitgliedern gewann sie dafür einen Canadian Screen Award. 2023 hatte sie eine Rolle im Horrorfilm „Infinity Pool“ von Brandon Cronenberg, nachdem sie schon 2014 in „Maps to the Stars“ von dessen Vater David Cronenberg mitgespielt hatte.
2024 übernahm Brugel in Dark Matter (2024) die Rolle der Blair Caplan. Die Apple-TV-Serie nach dem Roman von Blake Crouch erzählt vom Physiker Jason Dessen, gespielt von Joel Edgerton, der von einer anderen Version seiner selbst in eine Parallelwelt verschleppt wird. Blair ist Anwältin für Bioethik und eine gute Freundin von Jasons Frau Daniela, gespielt von Jennifer Connelly.
In der ersten Staffel war Blair noch eine wiederkehrende Figur, für die zweite Staffel ab August 2026 wurde Brugel in die Hauptbesetzung befördert. Nun setzt Blair alles daran, Jason aufzuhalten, dessen Besessenheit von der geheimnisvollen Box immer größer wird. Dazwischen spielte sie 2024 Schwester Anne in Parish und hatte im selben Jahr einen Gastauftritt in Law & Order Toronto: Criminal Intent, 2025 war sie in Murderbot zu sehen.
Im Herbst 2026 kam Brugel zur Besetzung von Rules of Prey, einer Krimiserie für MGM+ nach dem ersten Prey-Roman von John Sandford. Sie spielt Rose Marie, die Superintendentin des BCA, der Ermittlungsbehörde von Minnesota. Rose Marie beobachtet genau, handelt mit Kalkül und hat in ihren Dienstjahren so gut wie alles gesehen.
Sie hat sich in der Politik von Minneapolis durchgesetzt, in der Männer den Ton angeben, und weiß genau, wo die Leichen im Keller liegen. Als eine Mordserie die Stadt erschüttert, ist sie die Chefin von Special Agent Marcy, gespielt von Lucy Fry, während der frühere Detective Lucas Davenport von Jensen Ackles in den Dienst zurückkehrt. Gedreht wurde die erste Staffel in Toronto, der Start ist für 2027 geplant.
Brugel hat aus ihrer früheren Ehe zwei Söhne, heute ist sie mit dem Regisseur Aidan Shipley liiert. Schon 2013 gründete sie die gemeinnützige Organisation Brugs Army, die sich für Frauen und Kinder einsetzt. Ihren späten Durchbruch mit Ende 30 sieht sie gelassen, denn für sie gilt „Es hört nicht auf, es fängt gerade erst an“.
Offen spricht Brugel über ihre Herkunft und darüber, wie sie sich gegen klischeehafte Rollenangebote wehrt. 2020 trat sie in der kanadischen Literaturshow „Canada Reads“ an und gewann den Wettstreit mit dem Memoir „We Have Always Been Here“ von Samra Habib. Ihr allererster Kinofilm war übrigens ausgerechnet ein Jason-Film, worauf sie an einem Freitag, dem 13., augenzwinkernd hinwies.