Agathe Rousselle

Agathe Rousselle arbeitete als Journalistin, Model und Fotografin, bevor ihr erstes großes Kinodebüt in Cannes die Goldene Palme gewann und sie nun in 12 12 12 neben Jamie Dornan spielt. Zur Hauptrolle kam sie ohne Agentur über eine Direktnachricht auf Instagram, ein guter Grund, unbekannte Nachrichten nicht sofort zu löschen.

Biografie von Agathe Rousselle

Agathe Rousselle wurde im Norden Frankreichs geboren und lebte dort, bis sie zehn Jahre alt war. Bevor sie vor der Kamera stand, arbeitete sie als Journalistin, Model und Fotografin und gründete mehrere eigene Projekte. Erst mit Anfang dreißig bekam sie ihre erste große Kinorolle, die sie auf einen Schlag international bekannt machte.

Diese Rolle war die Hauptfigur in „Titane“ von Julia Ducournau, der 2021 in Cannes die Goldene Palme gewann. Seitdem arbeitet die Französin vor allem an Projekten aus dem Ausland, darunter Filme aus Australien und eine Oper in London. In der Serie 12 12 12 übernimmt sie eine der weiblichen Hauptrollen an der Seite von Jamie Dornan und Anthony Mackie.

Kindheit zwischen vielen Städten

Nach den ersten zehn Lebensjahren im Norden zog Rousselle mit ihrer Familie mehrfach um. Sie lebte in Brüssel, in Toulouse und in La Rochelle, bevor sie mit zwanzig Jahren nach Paris ging. Ihre Familie wohnte auf dem Land, und Vorbilder für eine künstlerische Laufbahn gab es dort nach ihren eigenen Worten nicht.

Viel Zeit verbrachte sie als Jugendliche in der örtlichen Mediathek. Dort entdeckte sie eine Aufzeichnung der Inszenierung von „Phèdre“ durch den Regisseur Patrice Chéreau, die sie nachhaltig prägte. Am Gymnasium gaben ihr Mitschüler wegen ihrer Liebe zur Literatur den Spitznamen Chateaubriand, nach dem bekannten französischen Schriftsteller.

In einem Interview sagte sie später, sie habe sich im Leben immer fehl am Platz gefühlt, so als stünde sie draußen. Sie sei die einzige Seltsame in der Familie, und niemand habe ihr den Weg vorgemacht.

Schauspielunterricht und Studium

Schon mit fünfzehn Jahren wollte Rousselle Schauspielerin werden und stand früh auf kleinen Theaterbühnen. Bis zum Alter von etwa 22 Jahren nahm sie regelmäßig Schauspielunterricht. In Paris besuchte sie parallel zu den anspruchsvollen Vorbereitungsklassen für ein geisteswissenschaftliches Studium das Konservatorium im 20. Arrondissement.

Als wichtige Einflüsse nennt sie die Dramatiker Bernard-Marie Koltès, Jean-Luc Lagarce und Sarah Kane. Auch der Film „Last Days“ von Gus Van Sant über die letzten Tage eines Rockmusikers gehörte zu ihren frühen Bezugspunkten. Dieser Film sollte Jahre später noch eine besondere Rolle in ihrer Laufbahn spielen.

Nach der Ausbildung fand sie zunächst keinen direkten Weg in große Produktionen für Film oder Theater. Stattdessen drehte sie Kurzfilme und Musikvideos und arbeitete in ganz unterschiedlichen Berufen. Ihr erster Auftritt in einem Kurzfilm war 2013 „La voix de Kate Moss“, 2015 folgte eine Hauptrolle im dokumentarischen Kurzfilm „5 vagues de l'avenir“.

Journalistin, Model und Unternehmerin

Im Jahr 2012 gründete Rousselle mit ihrem damaligen Freund eine kleine Marke für Stickereien namens Cheeky Boom. Die beiden verkauften bestickte Shirts und Unterwäsche, das Sticken blieb für sie ein Hobby. Im Jahr 2015 war sie zudem Kapitänin eines Laufteams namens Boost Pigalle, das von Adidas unterstützt wurde.

Ein Jahr später war sie an der Gründung des Kulturmagazins General Pop beteiligt. Ebenfalls 2016 rief sie gemeinsam mit Tifenn-Tiana Fournereau das feministische Heft Peach ins Leben. Das kleine Magazin wollte Künstlerinnen eine Plattform bieten und bewusst auch trans und nichtbinäre Menschen einbeziehen.

Daneben arbeitete sie als Fotografin und als Model, unter anderem für Modemarken. Vor ihrer Besetzung in Titane war sie als Journalistin bei einem Magazin angestellt. Diese vielen Tätigkeiten beschreibt sie heute als Umwege, die sie am Ende doch zur Schauspielerei zurückgeführt haben.

Durchbruch mit „Titane“

Zur Rolle in Titane kam Rousselle ohne Agentur. Eine Mitarbeiterin der Besetzungsabteilung schrieb ihr eine Direktnachricht über Instagram, danach folgten vier Runden Vorsprechen, eine davon mit Julia Ducournau. Den vorherigen Film der Regisseurin, den Horrorfilm „Raw“, hatte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesehen.

Sie spielt Alexia, eine junge Frau mit einer Titanplatte im Kopf, die zur Serienmörderin wird und später als junger Mann namens Adrien untertaucht. Für die Rolle trainierte sie mit einem Trainer Muskeln an, lernte Stunts und übte bei einer Lehrerin für Stangentanz eine Choreografie ein. Sie ließ sich den Kopf rasieren, trug Prothesen und verbrachte manchmal bis zu acht Stunden am Tag in der Maske.

Zur Vorbereitung sah sie Dokumentationen und Archivmaterial über Psychopathen, um deren Verhalten glaubhaft und ohne Übertreibung darzustellen. Ihr Filmpartner Vincent Lindon behandelte die Debütantin nach ihren Worten wie eine gleichwertige Kollegin. Nach dem Dreh brauchte sie etwa anderthalb Monate, bis sie wieder gut schlafen konnte.

Preise und internationale Aufmerksamkeit

Titane gewann 2021 die Goldene Palme in Cannes, und Rousselle wurde damit über Nacht bekannt. Für ihre Leistung erhielt sie unter anderem den Prix Lumières als beste Nachwuchsdarstellerin. Bei den Critics Choice Super Awards wurde sie als beste Hauptdarstellerin in einem Horrorfilm ausgezeichnet.

Dazu kamen Nominierungen für den César als vielversprechendste Nachwuchsschauspielerin und für den Europäischen Filmpreis als beste Darstellerin. Mehrere amerikanische Kritikerverbände ehrten sie für die beste Leistung in einem Debüt. Die französische Filmagentur Unifrance nahm sie zudem in ihr Programm für junge Talente auf, die man im Blick behalten sollte.

Mit der Bekanntheit kamen neue Aufgaben außerhalb des Kinos. So wurde sie Botschafterin des Modehauses Louis Vuitton. Den Film Titane selbst wollte sie nie als feministisch bezeichnet wissen, und ihre Figur habe sie nach Drehschluss hinter sich gelassen.

Oper, Kino und neue Rollen

Im Jahr 2022 übernahm Rousselle die Hauptrolle in der Oper Last Days von Oliver Leith am Royal Opera House in London. Das Werk basiert auf dem gleichnamigen Film von Gus Van Sant, sie spielt darin die Figur Blake, die an Kurt Cobain angelehnt ist. Später entstand in London eine Verfilmung der Oper, in der sie die Rolle erneut übernahm.

Im Jahr 2023 spielte sie in der Komödie „Cash“ von Jérémie Rozan für Netflix an der Seite von Raphaël Quenard eine Frau namens Virginie. Im selben Jahr stand sie neben der Musikerin Jehnny Beth im musikalischen Kurzfilm „Stranger“ vor der Kamera. Es folgten der australische Film „How to Make Gravy“ mit Hugo Weaving, in dem sie Rita spielt, und 2025 der Film „Cassandre“ von Hélène Merlin.

Im Juni 2026 kam der Film „A Second Life“ von Laurent Slama in die französischen Kinos. Darin spielt sie Elisabeth, eine depressive und schwerhörige Hostess, die während der Olympischen Spiele 2024 in Paris arbeitet. Ihren Partner spielt der Brite Alex Lawther.

Severine in „12 12 12“

Im Mai 2025 wurde bekannt, dass Rousselle eine Hauptrolle in der Serie 12 12 12 übernimmt. Sie spielt Severine, die Freundin eines Bankräubers und Mutter seines Kindes. Die Serie erzählt von einem Raub auf einen Banktresor in Zürich und verteilt die Handlung auf zwölf Monate Planung, zwölf Stunden Überfall und zwölf Tage danach.

Jamie Dornan spielt den Berufsverbrecher Paul Galvin, Anthony Mackie den in Ungnade gefallenen FBI-Agenten Jack Strickland, der ihn durch Europa jagt. Zum Ensemble gehören auch Jack Kesy, Kali Reis und Sallie Harmsen. Produziert wird die Serie von Anonymous Content und Paramount Television Studios für Apple TV, der Start ist am 13. November 2026.

Die Rolle passt zu einer Entwicklung, die Rousselle selbst beschreibt. Angebote kämen vor allem aus dem Ausland, deshalb arbeite sie viel an internationalen Produktionen. Gleichzeitig sagte sie, sie würde gern öfter in Frankreich arbeiten.

Agathe Rousselle Privatleben

Ihr Privatleben hält Rousselle weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Bekannt wurde, dass sie während der geplanten Aufführungen von Last Days in Los Angeles schwanger war. Bei der Vorstellung dort stand sie deshalb nicht selbst auf der Bühne.

Seit ihrer Kindheit wird sie nach eigener Aussage oft für einen Jungen gehalten, was sie gelassen sieht. Für die Zukunft wünscht sie sich eine ganz bestimmte Art von Rolle. Sie würde gern „eine echte Bösewichtin spielen, eine, die nachdenkt“, sagte sie in einem Interview im Jahr 2026.

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