
Er ist der unrasierte, gut aussehende Professor mit den verwuschelten Haaren, der auf relativ plumpe Art als exzentrisch und hochintelligent eingeführt wird. Er findet schnell einen Zugang zu dem Kern des Menschen vor ihm, schert sich aber keinen Deut um Höflichkeiten. Seine eigene psychische Erkrankung zeigt sich in schizoiden und paranoiden Zügen sowie Halluzinationen. Die Darstellung seines Zustandes kann der Zuschauer je nach Neigung niedlich bis liebenswert finden.
Sie ist die adrette FBI-Agentin, ebenfalls sehr gut aussehend, dabei einen Tick zu jung und unerfahren dreinblickend. Aber sie ist begabt und überaus passioniert bei der Sache. Und sie ist sein Zugang zu Welt der Verbrechensbekämpfung, sie verteidigt ihn vor den weniger verständnisvollen Agenten.
Gemeinsam sind Daniel Pierce (Eric McCormack, Will & Grace) und Kate Moretti (Rachael Leigh Cook, Psych) ein vielseitig einsetzbares Team, angetrieben von der Suche nach Wahrheit und voller Bewunderung und Hochachtung füreinander. Schon die Pilotepisode führt die Option auf mehr ein, zumindest von seiner Seite aus. Praktischerweise lebt sie alleine mit ihrer Katze.
Es geht alles einfach gut auf. Originalität ist bisher nicht gerade eine starke Seite der Serie Perception.
Das neue Team
Von dem Gedanken der Originalität und auch der Frage nach der Realitätsnähe der gezeigten Ereignisse muss sich der Zuschauer schnell lösen. Die Serie Perception lebt von den Charakteren und der damit verbundenen unkonventionellen Art der Ermittlungen.
Sowohl Pierce als auch Kate wirken bereits nach wenigen Szenen überaus sympathisch und es macht Spaß, ihnen zuzuschauen. Doch bisher lässt Pierce seine ehemalige Studentin nicht sehr nah an sich herankommen. Dass wir trotzdem einen guten Einblick in sein Leben bekommen, ist seinem Assistenten Max Lewicki (Arjay Smith, Malcolm in the Middle) und seiner Freundin Natalie (Kelly Rowan, The OC) zu verdanken.
Lewicki hat in der Pilotepisode noch keine große Rolle gespielt. Er ist Pierces rechte Hand und wohnt offenbar gar bei ihm. Wir erfahren, dass er sein Hauptfach oft wechselt, in der Pilotepisode erscheint er jedoch noch eher bodenständig bis langweilig. Bisher steht er den Eskapaden seines Chefs eher ratlos gegenüber, doch seine Art stellt ein gutes Gegengewicht zu dessen Exzentrik dar. Die Beziehung der beiden verspricht eine interessante Seite der Serie zu werden.
Eine Beziehung auf anderer Ebene hat Pierce zu Natalie, die ihm an Intellekt und Fachwissen ebenbürtig erscheint. Doch der erfahrene Zuschauer erkennt schnell, dass hier etwas nicht stimmt und wird schließlich bestätigt: Natalie ist eine Halluzination des Professors. Sie scheint ihn schon lange zu begleiten und personifiziert seine bodenständige Seite. Sie redet ihm ins Gewissen und überprüft seine Handlungen an der Realität.
Auch zwischen Kate und Pierce gibt es eine besondere Verbindung. Ihren Sprung aus dem zweiten Stock von einer Feuerleiter nutzen die Autoren, um auch ihre verrückte Seite einzuführen und sie ein bisschen von ihrem adretten Image zu befreien.
Kriminalermittlung anders
Der Fall der Woche dient offensichtlich vorrangig der Einführung der Figuren. Die Problematik eines Wissenschaftlers, der ein schief gelaufenes Experiment vertuschen will, ist keineswegs originell. Dass dazu noch eine Beziehungstat tritt, macht den Fall nicht gerade realistischer. Die vielen Drehungen werden mit jedem Twist vorhersehbarer.
Der menschliche Lügendetektor und die willkürlich wirkenden Einwürfe einer Halluzination machen es nicht leichter, den Fall spannend zu finden.
Alles in allem also ausbaufähig, aber mit Blick darauf, dass es sich um einen Pilotepisodenfall handelt, zieht er sich mehr oder weniger angenehm unauffällig durch die Vorstellung der Charaktere.
Fazit
Für ein leichtes Procedual macht die Serie Perception Spaß. Man darf nicht zu tief graben, muss über einiges hinwegsehen, dann kann man einen vielversprechenden Hauptcharakter mit sympathischer Unterstützung genießen.