Pauline: Nichts Besonderes - Review der Pilotfolge der Urban-Fantasy-Dramedy von Disney+

© Disney+
Das passiert in der Pilotfolge der Fantasyserie „Pauline“
Die 19-jährige Pauline (Sira-Anna Faal) hat ein riesiges Problem. Nach einem One-Night-Stand ist sie unverhofft schwanger und sieht ihr Stipendium für ein Medizinstudium nun in weite Ferne rücken. Zu allem Überfluss bekommt sie es auch noch mit einer Mitschülerin zu tun, die ihr ihren sicher geglaubten Platz unter allen Umständen streitig machen will.
Als die Schwangerschaft zudem unerwartet schnell verläuft und sie plötzlich Superkräfte entwickelt, gerät die Welt der jungen Frau gründlich aus Fugen. Denn, wie sich herausstellt, ist der Vater ihres ungeborenen Kindes (Ludger Bökelmannn) niemand Geringeres als der Sohn des leibhaftigen Teufels.
Papier ist geduldig
Was auf dem Papier gut klingt, muss auf dem Bildschirm noch lange nicht gut sein. Diese alte Binsenweisheit kennt man als altgedienter Serienjunkie nur zu gut. Nun könnte man nicht ganz zu Unrecht sagen, dass ich in meinem Alter nicht mehr unbedingt zur Zielgruppe von Young-Adult-Stoffen mit Fantasyserien-Einschlag gehöre. Genau dort muss man „Pauline“ nämlich einordnen. Allerdings bin ich spätestens seit Buffy the Vampire Slayer ein großer Fan.
Ich verliere mich gerne in die fantastischen Welten junger Menschen und erlebe spannende, witzige und oft genug auch skurrile Abenteuer mit den diversen Heldinnen und Helden. Ich mag School Spirits, habe Beasts Like Us gefeiert, schaue noch immer gerne Shadowhunters und trauere darüber, dass Shadow and Bone sowie Fate: The Winx Saga sang- und klanglos abgesetzt wurden. All diesen Serien- so unterschiedlich sie auch sein mögen - ist ein großer Unterhaltungswert gemein.
Gut gemeint...
Genau der fehlt dem neuen Format auf Disney+ aber nun einmal, und das hat gleich mehrere Gründe. Beginnen wir bei der gnadenlosen Stereotypisierung der Bösewichte. Mindestens 90 Prozent der Fieslinge in „Pauline“ sind weiß, während so gut wie jeder Mensch anderer Hautfarbe irgendwie in die gegenteilige Schublade geschoben werden darf. Nicht falsch verstehen, bitte. Ich befürworte mit jeder Faser meines Seins Diversität sowohl im realen Leben als auch in der Film- und Fernsehlandschaft. Doch Holzhammermethoden erreichen in der Regel genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich möchten.
Das Leben ist eben nicht schwarz oder weiß, sondern in jeder Hinsicht bunt und Charakter ist selbstverständlich keine Frage der gelebten oder angeborenen Identität. Es mag ja gut gemeint sein, wenn Serienerfinderin Elena Lyubarskaya ihre Hauptfigur gegen einen Straßengangtypen samt Kampfhund antreten lässt. Und natürlich entspricht die fiese Mitschülerin, die Paulines Stipendium will, einem typischen Genre-Rollenbild. Doch warum sind diese Personen so zwanghaft hautfarbenmarkiert? Hier hätte ein wenig mehr Feingefühl der Geschichte durchaus gutgetan.
Langeweile
Dies ist indes nicht das einzige Ärgernis der Pilotfolge. Irgendwie hat man über weite Strecken der ersten 45 Minuten das Gefühl, dass die Geschichte einfach nicht richtig Fahrt aufnehmen will. Paulines One-Night-Stand mit dem eher steif wirkenden Lukas (recht ideenlos Ludger Bökelmann gespielt) ist beinahe peinlich harmlos in Szene gesetzt. Der sich anschließende Dialog der Protagonisten nichtssagend und langweilig. Wenn man eine Serie schon mit einer Schlüsselszene beginnen lässt, dann sollte diese bitte auch genügend Feuer haben, um Funken bis in die Wohnzimmer des Publikums zu versprühen.
Ein wenig Möchtegerngefummel im Halbdunkel, ein Burger und ein stammelnder Liebhaber scheinen aber wenig geeignet für einen denkwürdigen Einstand. Schließlich richtet sich die Serie an Teenager und junge Erwachsene, die durchaus ein Schippchen mehr Mut vertragen. Der wenig erbauliche Ersteindruck setzt sich entsprechend in den nächsten Minuten fort. Weder in der Schule noch in dem Kiosk, in dem Pauline arbeitet, geschieht irgendetwas Interessantes; auch begegnen wir keinen Figuren, die über die oben bereits angesprochene Schablonenhaftigkeit hinausgehen. Dasselbe trifft auf den zumindest partiell missglückten Versuch zu, der Geschichte eine gewisse Absurdität zu verleihen.
So ziemlich jeder in der Episode gezeigte Comedy-Ansatz wird aufgrund schwach geschriebener Dialoge im Keim erstickt, obwohl die gewählte Bildsprache durchaus gute Ansätze vorweist. Mit anderen Worten schmunzelt man selbst dann nicht, wenn die Geschichte dies indiziert.
Der Cast

Last, but not least - und damit schließt sich der Kreis - bleibt auch der Cast insgesamt blass. Das mag zum einen daran liegen, dass den Darstellenden anhand des Drehbuchs keine großartigen Nuancierungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Andererseits offenbart vor allem der jüngere Teil des Ensembles Erfahrungslücken, über die auch ein teils ausgeprägter Sympathiefaktor (beispielsweise für Lukas von Horbatschewsky als Tony) nicht hinwegtäuscht. Sira-Anna Faal macht ihre Sache noch ganz gut.
Sie ist taff, smart und cool und dürfte damit die jüngere Generation beinahe perfekt repräsentieren. Ludger Bökelmann hinterlässt hingegen einen nichtssagenden Eindruck, vor allem, wenn man bedenkt, dass er immerhin den Sohn des Teufels darstellt. Der überwiegende Teil der restlichen Schauspielriege scheint bislang als Füllmaterial zu dienen. Jedenfalls lässt sich in der Pilotfolge für viele Figuren keine echte Funktion ausmachen.
Fazit

Es ist schade, dass eine an sich witzige Idee schon in der Pilotfolge unterzugehen droht, weil es die Verantwortlichen versäumen, Pepp in die Sache zu bringen und lieber Klischees hinterherjagen, als eine fesselnde Geschichte zu erzählen. Es mag durchaus sein, dass sehr junge Zuschauende sich von „Pauline“ getriggert fühlen und die Show feiern. Bei der großen Auswahl richtig guter Stoffe wage ich das jedoch zu bezweifeln.
Der Serienstart präsentiert sich bislang im negativen Sinne vollkommen unauffällig, ist an ihren erzählerischen Möglichkeiten vorbeiinszeniert und scheitert zudem an Längen in der Dialogführung und im Tempo. Das Herz am rechten Fleck zu haben, reicht eben nicht, um gutes Fernsehen zu machen.
Deshalb vergeben wir schweren Herzens für das Debüt nur zwei von fünf Höllenfahrten.
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Pauline“: