Mit Patriot vereinen die Serienmacher einiges an starken Eigenschaften, darunter schwarzer Humor, internationales Agentendrama, Musik und Charakterdarsteller. Das alles so unaufgeregt und cool, dass man die Serie fast übersehen könnte. Das sollte man aber besser nicht!

John (Michael Dorman) in der Serie „Patriot“ / (c) Amazon
John (Michael Dorman) in der Serie „Patriot“ / (c) Amazon
© ohn (Michael Dorman) in der Serie „Patriot“ / (c) Amazon

Eine Serie wie Patriot zu beschreiben ist nicht einfach. In der Amazon-Pilotseason ging er Agententhriller, der damals noch unter dem Titel „American Patriot“ firmierte, ein bisschen neben schillernden Kandidaten wie Z: The Beginning of Everything unter. Doch das hätte nicht passieren dürfen, denn was man in der Episode Pilot schon erahnen kann, manifestiert sich in den weiteren Episoden immer mehr: Hier bietet sich uns eine unaufgeregte Serienperle.

Worum es geht

John (Michael Dorman) ist ein Mann von großem Charisma, dass er jedoch gerne hinter grauen Anzügen und ernster Stille maskiert um dann im richtigen Moment zuzuschlagen. Denn er ist Agent, sein Vater Tom (Terry O'Quinn) ein offensichtlich hohes Tier in der US-Spionage, so richtig erklärt wird zunächst wenig. Was wir aber erfahren ist, dass John unter seinem letzten Auftrag leidet weil er einen Roomboy erschossen hat, denn er verwechselte den Unglücklichen mit dem Physiker, der eigentlich Ziel seines Anschlags werden sollte. Davon erfahren wir weil John uns ein Lied auf seiner Gitarre davon spielt während er in seinem neuen Wohnort auf einem Platz sitzt.

Doch bevor er die Straße der Reue, des Selbstmitleids und der Selbstzerstörung hinuntergehen kann, wird er von seinem Vater auf einen anderen Job angesetzt. Dazu schickt dieser Johns sehr unterschiedlichen Bruder Edward (Michael Chernus, Manhattan, Orange Is the New Black) los, um den Abtrünnigen heimzuholen. Denn Zuhause hat John nicht nur seinen Vater und seinen Bruder sondern mit Alice (Kathleen Munroe, Call Me Fitz) auch eine Ehefrau, die er sehr vermisst.

Edward, Politiker und Kongressabgeordneter, besucht seinen Bruder und übergibt ihm den neuen Auftrag. Derweil hat er einen kleinen Jungen in seiner Obhut, den Sohn einer Tänzerin, mit der er eine Affäre hat.

Doch bevor wir Zeit haben, die Familienzusammenhänge genau zu durchblicken, tritt John schon wieder seinen neuen Auftrag an. Er muss einen Job als Ingenieur bei einer gewissen Firma bekommen, um unauffällig die richtigen Geschäftsreisen machen zu können, um heimlich Geld nach Luxemburg zu schaffen.

Um den Job zu ergattern, schubst John den anderen Bewerber, Stephen (Marcus Toji) vor einen LKW. Als erfolgreicher Mitarbeiter von McMillan hat er nun auch einen neuen Chef, Leslie (Kurtwood Smith, That '70s Show) und eine Menge Probleme. Schon die erste Reise läuft anders als geplant, denn statt des Privatjets findet John sich in der normalen Schlange des Sicherheitschecks wieder. In der Routineüberprüfung der Koffer entscheidet der Mitarbeiter sich dann dafür, die Tasche voller Geld lieber selbst mit nach Hause zu nehmen, anstatt zu melden, wo John sie sich wieder zurückerobern muss. Dort trifft er auf eine Gruppe von sechs Männern beim Jiu-Jitsu-Training.

Wie kommt es rüber?

Ein bisschen Fargo, ein bisschen The Americans, gepaart mit einem großen Schuss schwarzem Humor. In dieser unmöglich klingenden Nische versucht die Amazon-Serie Patriot zu landen und macht sich dabei ziemlich gut.

Doch statt sich die Stärken anderer Serien abzuschauen, haben die Serienmacher es geschafft, ziemlich zielstrebig einen eigenen Stil zu entwickeln. Ein paar Flashbacks und regelmäßige Ortswechsel sorgen für eine seltsam schwebende Optik, in der Texas, Luxemburg, Brüssel und andere zu einer internationalen Geschichte verschmelzen, die oft mit dem barocken Goldstil eines geheimen Clubs spielt, in dem sich Agentengeschichten vergangener Tage abgespielt haben.

John funktioniert auf seine Art bestens, sein Job, der echte und der vorgeschobene, auch die Beziehung zu seiner Frau ist idyllisch, wenn die beiden sich denn sehen. Doch ist offensichtlich, dass er an einer posttraumatischen Störung leidet, in der sich vieles wie in einem Traum anfühlt. Dank der Optik und des gelungenen Einsatzes von musikalischer Untermalung zieht uns schon die Pilotepisode mit in Johns verwirrende Welt, in der nichts ist wie es scheint.

Darüber liegt ein düsterer Humor, der oft einen großen Platz der Story einnimmt, was aber trotzdem genügend Platz für eine echte Spionagegeschichte lässt, in der auch Spannung ihren Platz findet. Einer der besonderen Stärken der Serie könnte auch die größte Hürde auf dem Weg zum Erfolg werden. Ganz abgesehen davon, dass der Titel etwas komplett anderes vermuten lässt. „Patriot“ ist unaufgeregt bis cool. Wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat, zieht die Serie einen schnell in ihren Bann.

Trailer zu der Amazon-Serie „Patriot“:

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