Parfum: Review der Pilotepisode

© zenenbild aus dem Piloten der Serie „Parfum“ (c) ZDFneo
Worum geht es genau?
Die alleinerziehende Mutter Katharina Läufer wird im Auftakt von Parfum auf grauenhafte Art ermordet, was die Aufmerksamkeit der Medien erregt. Das ermittelnde Team besteht aus den Polizisten Nadja Simon (Friederike Becht) und Matthias Köhler (Juergen Maurer) sowie dem leitenden Staatsanwalt Grünberg (Wotan Wilke Möhring). Während die Polizei nach Anhaltspunkten sucht und sich nicht sicher ist, ob der Mörder eine persönliche Beziehung zu dem Opfer hatte oder nicht, scheinen die alten Internatsfreunde der ermordeten Frau mehr zu wissen, als sie zugeben wollen. Katharinas Nachbarn, das Ehepaar Seliger (Ken Duken und Natalia Belitski), der Bordellbesitzer Thomas Butsche (Trystan Pütter), der Parfümeur Moritz de Vries (August Diehl) und der „Unsichtbare“, Daniel Zahnlos (Christian Friedel). Sie gehörten damals alle zu einer Clique und sind fest davon überzeugt, dass einer unter ihnen der Mörder sein muss. Grund dafür ist ein Vorfall im Internat, der irgendwie mit dem Verschwinden eines elfjährigen Jungen zusammenhängt. Irgendetwas Schreckliches muss passiert sein. Hat es nun auch Katharina das Leben gekostet?
Adaptionen und Motive
Die Serie eine Adaption des Romans zu nennen, wäre zu viel gesagt. Am Ende der Episode wird der Satz: „Nach Motiven des Romans“ eingeblendet und das ist definitiv präziser. Weder wird die Geschichte aus Sicht des Mörders erzählt noch spielt der Geruchssinn eine große Rolle. Der Pilot ist eher wie ein traditioneller Krimi aufgebaut. Auf der einen Seite gibt es das Polizeiteam und den Zwist unter ihnen, auf der anderen Seite gibt es die Gruppe der Hauptverdächtigen und den Zwist unter diesen. In den weiteren Folgen der Serie nimmt das Buch von Patrick Süskind eine prominentere Rolle ein, aber der Pilot nimmt sich die Zeit, alle Teile des Puzzles dieser verworrenen Geschichte auszulegen, ohne dabei groß Bezug auf das Originalmaterial zu nehmen.

Ein beklemmendes Gefühl hängt über der ganzen Episode. Alle Bilder wirken farblos und verwaschen, was die Atmosphäre noch bedrückender macht. Das Opfer war eine angehende Sängerin und die selbst gesungenen Lieder bieten einen markanten und melancholischen Soundtrack für den Piloten. Die Optik der Sendung spiegelt sich in ihren Figuren wieder. Keiner der Charaktere, die vorgestellt werden, sind wirklich sympathisch oder leicht zugänglich. Simon ist die Person, die dem noch am nächsten kommt, aber auch sie ist mehr eine Antiheldin, da sie eine Affäre mit einem verheirateten Mann unterhält. Alle sind auf die eine oder andere Weise unglücklich. Trauer und Ungewissheit hängen wie eine dunkle Wolke über der Einstiegsepisode und es wird auch im Laufe der Staffel sicherlich nicht lichter. Abhängig davon, wie sich die Serie entwickelt, könnte die deprimierende Stimmung zu erdrückend wirken. Ein, zwei auflockernde Szenen hätten dem Sinn der Episode in meinen Augen keinen Abbruch getan - alleine schon, um den Zuschauern auch mal eine kleine Atempause zu gönnen...
Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast...
Die erste Episode lässt noch zu viele Fragen offen, um über die Handlung eine klare Aussage treffen zu können, aber es werden einige Geheimnisse angedeutet. Wer ist der Vater von Katharinas Sohn? Mit was genau experimentiert Moritz? Warum sind Katharina und das Seliger-Ehepaar als Einzige in Kontakt geblieben? Und was geschah damals am Internat? Ob die Antworten zufriedenstellend sind, wird sich noch zeigen. Sicher ist jedenfalls, dass alles seinen Ursprung in dem Verschwinden des Jungen hat.
Fazit
Eine gut gemachte Serie mit kunstvoll gewählten Bildern, die in ihrer Pilotfolge noch etwas langsam voranschreitet und nicht viel an Fahrt aufnimmt. Es gibt hier viel Potential für einen spannenden Kriminalfall, der von der Handlung her aber nicht allzu viel mit seiner Buchvorlage zu tun hat. Ausgehend von der ersten Episode könnte Parfum jedem gefallen, der düstere Krimis à la Henning Mankell mag.