Paranormal: Review der Pilotepisode

Paranormal: Review der Pilotepisode

Mit dem übernatürlichen Horrorthriller Paranormal präsentiert uns Netflix seine erste ägyptische Eigenproduktion. Kann der Einstand auf Basis der Bestseller von Dr. Ahmed Khalid Tawfik überzeugen oder eher nicht?

Szenenfoto zur Netflix-Serie Paranormal (c) Netflix
Szenenfoto zur Netflix-Serie Paranormal (c) Netflix
© zenenfoto zur Netflix-Serie Paranormal (c) Netflix

In der Auftaktepisode The Myth of the House der neuen Netflix-Serie Paranormal, welche in Kairo im Jahr 1969 spielt, scheint der Universitätsprofessor Refaat Ismail (Ahmed Amin) vom Pech verfolgt zu werden, denn kleine Unglücke ziehen sich durch seinen Alltag. Das scheint bereits seinen Ursprung in dessen Kindheit zu haben, zu welcher im Zuge eines abendlichen Familienessens ein paar gruselige Parallelen auftreten, die seinen kleinen Neffen betreffen...

Worum geht es in Paranormal?

Refaats alte Flamme Maggie Mckillop (Razane Jammal), mit der er gemeinsam in Schottland studierte, taucht in der Stadt auf, woraufhin er sie zu einem ohnehin geplanten Abendessen bei seiner Schwester und den Verwandten einlädt. Als während des Dinners aufgrund des damaligen Konflikts mit Israel plötzlich die Alarmsirenen in der Stadt aufheulen, begibt sich die Gruppe zum Schutz in den Keller, wobei sie in der Hektik allerdings Refaats kleinen Neffen vergessen...

Dieser wird offenbar von etwas heimgesucht, was mit der Kindheit von Refaat in Zusammenhang steht: Zusammen mit einer Gruppe an Freunden näherte er sich trotz familiären Verbotes einem alten Haus, in dem ein mysteriöses kleines Mädchen namens Shiraz lebte, mit dem er Freundschaft schloss und in welches er sich verliebte. Um für immer bei ihr bleiben zu können, lockte sie ihn schließlich aufs Dach des Anwesens, von welchem er fiel und dadurch beinahe sein Leben einbüßte. Diese Erfahrung bringt ihn schließlich dazu, auf dem eigenen Dach nach seinem Neffen zu suchen und so kann er diesen gerade noch davon abhalten zu springen. Danach entdeckt er, dass der Junge ein Huhn auf dem Gewissen hat, mit dessen Blut er eine Botschaft an die Wand schrieb und nun steif und fest behauptet, er hätte Shiraz getroffen. Mit einem unruhigen Gefühl in der Magengegend fährt er seine Verlobte (Aya Samaha) und Maggie schließlich nach Hause, während er sich selbst davon versucht zu überzeugen, dass übernatürliche Wesen und Geschehnisse nur Einbildung sind.

Welchen Eindruck liefert der Einstand?

Zunächst einmal ist es durchaus interessant, eine frische kulturelle Perspektive auf Horrormythen zu bekommen, die bei uns oder im US-Fernsehen weniger präsent sind. Die erste Episode hält sich damit allerdings noch zurück (auch wenn wir im späteren Verlauf der insgesamt sechs Episoden wohl noch zu Mumien und Flüchen kommen) und lässt es gemächlicher angehen. Vergleicht man es mit anderen Netflix-Horrorserien, könnte man es in etwa in der Richtung von The Haunting of Bly Manor einordnen, denn hier wird bisher eher versucht, Stimmung aufzubauen und auf Thrilleraspekte zu setzen als auf jump scares oder blutigen Horror.

Das ist an und für sich kein verkehrter Ansatz, nur so richtig will mich der Grusel in der ersten Episode noch nicht packen, da auch die Geschichte um das Haus und das Mädchen Shiraz relativ früh durchsichtig wirken und sich eher die Frage stellt, welche Gefahr konkret von ihr ausgeht. Dafür gibt man uns einen guten Eindruck von dem Protagonisten Refaat (Ahmed Amin, der übrigens Schriftsteller und Komiker ist): Er ist nicht offen zynisch, sondern als Wissenschaftler eher rational pessimistisch und skeptisch, was ihn mit dieser Persönlichkeit bisher noch nicht als sonderlich sympathisch ausweist. Doch gleichzeitig bekommt man den Eindruck, dass seine trockenen Einschätzungen und Kommentare durchaus noch ihren Charme haben könnten, denn auf eine sehr eigene Weise blitzt durch seinen Darsteller durchaus ein gewisses Charisma hinter der unscheinbaren Fassade durch. Wie sich die eigenwillige Kombination aus ihm, seiner Verlobten und seiner alten Liebe in die Geschichte einbindet und ob sie nun ein gemeinsames Team bilden, werden wir auf jeden Fall noch sehen.

Technisch reiht sich die Serie im Mittelfeld ein und fällt bisher weder durch besonders beeindruckende Optik, Kameraaufnahmen und Kulissen noch durch schwaches Design auf. Wobei dem Ganzen sicherlich das Setting in der Vergangenheit zugutekommt, damit gar nicht erst alles auf Hochglanz poliert werden muss.

Fazit

Die erste Episode von Paranormal deutet mit einem gemächlichen Aufbau einiges an Spannungspotential an, will mich aber vor allem mit mäßig mitreißenden Gruselaspekten noch nicht so wirklich vom Hocker hauen. Doch man bekommt hier speziell das Gefühl, dass es nach dieser Auftaktfolge erst richtig losgeht und das volle Programm in den kommenden Episoden geliefert wird. Dementsprechend könnte es für Freunde des übernatürlichen Horrors, vor allem aber der damit einhergehenden Thrillerelemente, ein kurzweiliges Vergnügen sein, zumal das Ganze mit insgesamt sechs Episoden auch schnell konsumierbar erscheint.

Der Trailer zur ersten Staffel von Paranormal

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Paranormal“:

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