Parallels 1x01

© oster zur Serie Parallels (c) Disney+
Das passiert
Die vier Freunde Bilal, Romana, Samuel und Victor stammen aus gut situierten Haushalten und leben, abgesehen von ihren alltäglichen Teenie-Problemen, ein ganz normales Leben. Als das Quartett in einem verlassenen Bunker Bilals Geburtstag feiert und sich gerade erste zärtliche Liebesbande zwischen Samuel und Romana anbahnen, geschieht das Unglaubliche. Der Strom fällt aus, und als das Licht wieder angeht, findet sich Sam plötzlich allein mit einem fremden Mann wieder, der behauptet, Bilal zu sein. Hat ein fehlgeschlagener Versuch im nahegelegenen Large Hadron Collider Partikelbeschleuniger einen Zeitreisetunnel geöffnet, oder vielleicht ein Tor in eine Parallelwelt?
Mystery für Kinder und Teenager
Europäische Fantastik-Serien rücken immer stärker in den Fokus der großen Video-on-Demand-Anbieter. Die Kosten sind in der Regel niedriger und der kreative Input eröffnet neue Möglichkeiten. Nachdem vornehmlich Netflix und Prime Video immer mehr Produktionen aus Großbritannien, Frankreich, Spanien, Belgien, Deutschland und neuerdings Polen annehmen (siehe hierzu auch unsere Kritik zu: Cracow Monsters) zieht nun auch Disney+ verstärkt nach. Mit der französischen Jugend-Mystery-Serie Parallels) macht sich der Mäusekonzern nun daran, eine Art abgespeckte Version von Stranger Things für Kinder und junge Teenager ins Portfolio zu integrieren. Zugegebenermaßen hinkt der Vergleich, zumal „Stranger Things“ wesentlich härter daherkommt und einen düsteren Ton anschlägt. Allerdings macht es stellenweise den Anschein, dass der große Netflix-Erfolg durchaus hier und da Pate gestanden haben könnte.
Klischee
Die Pilotfolge hält sich mit ihren nur 37 Minuten gar nicht lange mit Vorreden auf, sondern etabliert schon in den ersten Szenen ein übernatürliches Element, das durchaus Lust auf mehr macht. Bis etwa zur Mitte geht es dann vornehmlich darum, die Hauptfiguren einzuordnen und vorzustellen. Die Themen sind dabei klischeehaft gehalten und drehen sich um die erste Liebe und Eltern, die ihre Kinder nicht verstehen. Eine alleinerziehende Mutter die ihren Sohn zwar liebt, aber dem gut dotierten Job Vorrang gibt, darf natürlich auch nicht fehlen. Überhaupt scheint es in der Welt von Parallels per se keine sozialen Brennpunkte oder Eltern zu geben, die sich mit schlecht bezahlten Jobs herumquälen müssen.
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Zur Ehrenrettung von Disney soll an dieser Stelle aber nicht unerwähnt bleiben, dass das Phänomen, auch unangenehme soziale Wahrheiten aus Serien für Kinder und Jugendliche herauszuhalten, derzeit ein neuer Trend zu sein scheint. Auch die vier Protagonisten entsprechen dem gängigen Bild. Bilal ist der Streber, Samuel der gutaussehende, sportliche Typ, Romana die Hübsche, die natürlich auf Sam steht und Victor der kleine, kluge Bruder, der aber faul in der Schule ist. Viel mehr gibt es über die Hauptfiguren der Serie auch schon nicht zu berichten. Das mag auf der einen Seite recht mager klingen, andererseits sei noch einmal betont, dass sich die Zielgruppe der Serie in einer Altersklasse zwischen 8 und 16 Jahren bewegen dürfte. Damit entspricht die Charakterisierung der Figuren durchaus dem üblichen Schema derartiger Produktionen.
Schlichte Kurzweil
Ähnliches lässt sich über den Plot sagen. Die Prämisse bietet nichts, was man nicht schon gesehen hat. Ein übernatürliches Phänomen sprengt die unschuldige Party der vier Kids just in dem Moment, als sich Sam und Romana das erste Mal küssen wollen. Das Licht flackert und erlischt dann vollends. Als es wieder hell ist, ist Samuel vermeintlich allein, bis sich plötzlich stöhnend ein etwa 30-jähriger Mann hinter einem Sofa hervorquält, den man unschwer als erwachsene Version von Bilal identifiziert.
Der Rest der Episode dreht sich um die Suche nach den Kindern, Bilals Versuch, erst seine Mutter und dann seinen Kumpel davon zu überzeugen, wer er ist, und um die Frage, was geschah. Die letzte Szene wartet dann noch mit einem Twist auf, der uns einen Hinweis darauf gibt, dass Romana und Victor offenbar in einer parallelen Realität gestrandet sind. Das alles ist durchaus kurzweilig inszeniert und macht Spaß, anzuschauen, zumal die vier Jungtalente Gillaume Labbe, Nadira Ayadi, Tokmote Rigault und Gil Alma ihre Sache recht gut machen.
Wirklich innovativ wirkt das Konglomerat aus altbekannten Versatzstücken allerdings nicht, doch wahrscheinlich soll es das mit Blick auf das angestrebte Publikum auch gar nicht. Denn die Serie zielt eindeutig darauf ab, unbeschwerte und kurzweilige Unterhaltung zu bieten, die die Zuschauer für einen kurzen Augenblick in eine spannende, aber auch familienfreundliche Welt des Übernatürlichen entführen will.
Fazit

Wer sich als Erwachsener eine Art Disney-Variante von Stranger Things erhofft hatte, wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit enttäuscht. Parallels aka „Parallel Worlds“ ist eine Mystery-Abenteuergeschichte für junge Leute, nicht mehr und nicht weniger. Und als solche macht sie ihre Sache gar nicht schlecht. Die Pilotfolge arbeitet in aller Kürze alles ab, was zum Verständnis der folgenden fünf Episoden nötig ist. Sie führt die Protagonisten kurz und knackig ein und etabliert am Anfang, in der Mitte und am Ende das übernatürliche Rätsel, dass es für die vier Kids zu knacken gilt. Der Plot ist in drei Akten schnörkelfrei, nicht zu kompliziert und ohne unnötige Härte erzählt und optisch sowie akustisch gibt es nichts zu bemängeln. Gemeinsam mit der Familie lässt sich die Serie also ohne Frage an ein oder zwei Abenden gut anschauen - und genau dafür ist sie auch gedacht.
Hier abschließend noch der deutsche Trailer zur Serie „Parallel Worlds“:
Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 24. März 2022Parallels 1x01 Trailer
(Parallels 1x01)
Schauspieler in der Episode Parallels 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?