Paradise 1x01

Paradise 1x01

Mit „Paradise“ bringt Disney+ eine Thrillerserie vom „This is Us“-Creator Dan Fogelman mit einem coolen Twist. Im Review verraten wir euch, warum man auch sonst einen Blick riskieren kann.

„Paradise“
„Paradise“
© Hulu und Disney+

Das passiert in der Pilotfolge von „Paradise“

Der Secret-Service-Agent Xavier Collins (Sterling K. Brown) beschützt in der Folge Wildcat ausgeschaltet der Thrillerserie Paradise den jungenhaften, aber auch gehassten Ex-Präsidenten Cal Bradford (James Marsden). Als dieser eines Tages ermordet in seiner Villa liegt, beginnt die Suche nach den Schuldigen, wobei auch Xavier ins Visier der Ermittelnden gerät...

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Die Welt von „Paradise“

Bevor wir uns näher mit dem Inhalt der Debütepisode des neuen Thrillerformats auf Disney+ befassen, werfen wir zunächst einmal einen kurzen Blick auf die Welt, die uns erwartet. Denn am Ende der ersten rund 51 Minuten erwartet uns ein netter Twist, der aus einem einfach gestrickten Plot mit einem Mal eine dystopische Near-Future-Story macht. Diese Erkenntnis dürfte wiederum für den weiteren Verlauf der Staffel nicht unerheblich sein.

Erscheint uns das Leben der Hauptfigur Xavier Collins anfangs in Form eines ganz normalen Arbeitstages eines hochrangigen Secret-Service-Agents, stellt sich in der letzten Szene heraus, dass die idyllische Kleinstadt, in der die Geschichte spielt, in Wirklichkeit tief in einem Berg von Colorado liegt. Als Ursache für den Umstand dient Showrunner und Hauptautor Dan Fogelman eine bislang nicht näher bezeichnete Katastrophe riesigen Ausmaßes, die die Erdoberfläche offenbar weitestgehend unbewohnbar gemacht hat.

Wer genauer hinschaut, dürfte erste Anzeichen für diesen Twist allerdings schon früher bemerken, zumal der zu beschützende Ex-Präsident in einer der zahlreichen Rückblenden beinahe von einem als Reporter verkleideten Mann mit den Worten auf den Lippen: „Die Welt muss die Wahrheit erfahren“ erschossen wird.

Dass es sich bei den im unterirdischen Städtchen lebenden Personen samt und sonders um Privilegierte handelt, ist zudem evident. Warum aber Xavier und seine beiden Kinder, nicht aber seine Frau gerettet wurde, bleibt zunächst offen. Die ebenfalls im letzten Akt zu sehende Enthüllung hat nun indes die Funktion, den Protagonisten als Verdächtigen zu positionieren, obwohl dem Publikum recht deutlich gemacht wird, dass hier ein Mann in das typische Opferprofil gedrückt wird. Alles scheint nun darauf hinauszulaufen, dass Agent Xavier Collins alles daransetzt, möglichst im Alleingang den oder die wahren Täter zu entlarven.

Aufbau, Struktur, Spannungsbogen

Zumindest arbeitet die Geschichte ausgehend von der Pilotfolge auf einen entsprechenden Plot hin. Strukturell sieht das wie oben bereits angedeutet so aus, dass Fogelman sowie die Regisseure Glen Ficarra (Rabbit Hole) und John Requa (Patriot) ihr Augenmerk auf das Stilmittel der Rückblende legen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Erstens ermöglicht uns das Produktionsteam so, die Beziehung zwischen Präsident Bradford und Xavier näher zu erkunden, zweitens wird der unweigerliche Twist hinausgezögert.

Die uns dennoch schon im Vorfeld hingeworfenen Brotkrumen sind wiederum so dezent verstreut, dass man sich kaum in der Ausgangslage der Serie wähnt, auch wenn die Anzeichen durchaus da sind. Das ist nicht unklug. Andererseits hat „Paradise“ aber den unübersehbaren Nachteil, dass die sich über die gesamte Episode ziehenden Rückblenden letztlich auf das Tempo drücken.

Im Grunde genommen folgen die Macher einer 1:1-Struktur, in dem sie einer Szene der Ist-Zeit der Serie stets eine in der Vergangenheit angesiedelte gegenüberstellen, die in etwa gleichwertig getaktet ist. Klar spart das einerseits Zeit, andererseits wird man aber auch immer wieder aus den aktuellen Ereignissen herausgerissen. Vielleicht wäre es hier die bessere Lösung gewesen, die Einführung länger zu gestalten und weitere Flashbacks dafür kürzer zu halten.

Was den Spannungsbogen anbelangt, beginnt die Folge recht gemächlich. Selbst als Xavier seinen Schützling tot auffindet steigt dieser eher ruhig an, anstatt in einem großen Plotpoint zu münden. Den heben sich die Macher wie gesagt für die Schlussszene auf, wobei zu diesem Zeitpunkt der Verdacht längst auf die Hauptfigur gelenkt ist.

James Marsden in „Paradise“
James Marsden in „Paradise“ - © Hulu und Disney+

Im Kern geht das alles in Ordnung, zumal der von Dan Fogelman offenbar zu einem seiner Lieblingsschauspieler erkorene Sterling K. Brown (Brown spielte bereits in „This is Us“ eine tragende Rolle) einen guten Job abliefert und den beinahe stoischen Agent überzeugend gibt. Ob James Marsden die richtige Wahl als trunksüchtiger, menschlich schwacher und gescheiterter Präsident ist, muss das Publikum hingegen für sich selbst entscheiden, da die Darstellung bisweilen doch etwas überzogen wirkt.

Über die restlichen Figuren und ihre Schauspiel-Alter-Egos lässt sich bisher noch nicht viel sagen, weil sich der Löwenteil der Folge zwischen Präsident Bradford und Xavier abspielt, obwohl dieser zu Beginn der Serie ja bereits tot ist. Inwiefern Bradford Frau, seine Geliebte oder Xaviers Kollegen, die zum Zeitpunkt des Präsidentenmordes Dienst schoben, noch eine Rolle spielen, bleibt daher abzuwarten.

Die Technik

Kommen wir damit zu den technischen Aspekten, die sich im Großen und Ganzen routiniert, aber auch unauffällig präsentieren. Die Kameraführung von Yasu Tanida zeigt keinerlei Innovation, aber auch keine Ausreißer nach unten, die Schnittführung ist eher ruhig und die Musik suggeriert da Spannung, wo sie es soll. Das klingt nun vielleicht negativer als es gemeint ist. Zu bedenken gilt nämlich, dass „Paradise“ ausgehend vom First-Look nicht das Ziel verfolgt, etwas Besonderes zu sein.

Vielmehr dürfte die Serie als klassischer Thriller mit dystopischem Twist ausgelegt sein, der darin mündet, dass die Hauptfigur gejagt wird. Das ist allerdings bisher lediglich eine Vermutung, die sich im Verlauf der Serie auch noch als falsch herausstellen kann.

Fazit

Die Debütfolge von Paradise ist routiniert inszeniert und weckt Neugier. Nicht mehr, und nicht weniger. Besonders ideenreich erscheint der Plot bislang zwar (noch?) nicht, Spaß macht das Ganze aber trotzdem. Man möchte schon erfahren, warum Xaviers Frau nun tot ist und was der Ex-Präsident damit zu tun hat.

Warum hat ihn jemand nach seiner Amtszeit ermordet? Ging es um ein ominöses Tablet mit brisanten Inhalten? Um Rache? Verschmähte Liebe? Genugtuung? Wir wissen es nicht und daraus bezieht die Staffel ihre Schauwerte. Auch dürfte die Geschichte noch auf einige dramatische Enthüllungen hinauslaufen, unter anderem die, warum die Menschen tief unter der Erde leben und was mit der Welt geschah.

Mit anderen Worten kann da noch einiges auf uns zukommen. Wer gerne klassische Thriller mit Near-Future oder Alternative-Reality-Einschlag mag, nichts gegen einen relativ gemächlichen Start einzuwenden hat und Sterling K. Brown mag, wird also mit „Paradise“ seinen Spaß haben. Uns ist die Pilotfolge jedenfalls mit Tendenz nach oben 3,5 von 5 künstlichen Sonnenuntergängen wert.

Verfasser: Reinhard Prahl am Montag, 27. Januar 2025

Paradise 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Paradise 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Wildcat ausgeschaltet
Titel der Episode im Original
Wildcat is Down
Länge der Episode im Original
48 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 26. Januar 2025 (Hulu)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 26. Januar 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Sonntag, 26. Januar 2025
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Sonntag, 26. Januar 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Sonntag, 26. Januar 2025

Schauspieler in der Episode Paradise 1x01

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