Paradise PD: Review der Pilotepisode

Paradise PD: Review der Pilotepisode

Die Macher hinter der Zeichentrickserie Brickleberry haben bei Netflix eine neue Animationsserie namens Paradise PD verkaufen können. Es geht um eine chaotische Polizistengruppe, bei der kein Blatt vor den Mund genommen wird und kein Gag zu peinlich ist.

Die Cops aus „Paradise PD“ (c) Netflix
Die Cops aus „Paradise PD“ (c) Netflix
© ie Cops aus „Paradise PD“ (c) Netflix

Netflix versucht in letzter Zeit häufiger, Animationsserien für erwachsene Zuschauer zu etablieren. Mal gelingt das, wie bei BoJack Horseman oder Big Mouth und Disenchantment (wobei es hier fast bis zum Staffelende dauert), mal misslingt das gründlich, wie bei der neuen Serie Paradise, P.D. von den Brickleberry-Machern Waco O'Guin und Roger Black.

Die neue Serie spielt, wie der Name schon sagt, im Paradise Police Department. Im Zentrum steht der bullige Chief Randall Crawford (Tom Kenny), dem sein fünfjähriger Sohn Kevin (Dave Herman) beide Hoden abgeschossen hat, als er seine Eltern beim Sex überraschte und die Dienstwaffe des Vaters mehrfach unkontrolliert abfeuerte. Kevin träumte schon immer davon, ein Polizist zu sein, doch der Vater kann ihm die Entmannung nicht verzeihen. Dennoch schafft er es, mit 18 zum Cop zu werden, weil seine Mutter Karen (Grey Griffin), die inzwischen von Randall geschieden ist, ihn kurzerhand zum Polizisten macht, um dem Exmann eins auszuwischen.

Szenenfoto aus Paradise PD
Szenenfoto aus Paradise PD - © Netflix

Die Polizeinullen

Der Rest des Reviers ist ebenfalls von bescheidener Kompetenz geprägt, ob es ein viel zu alter, sich immer noch im Dienst befindender, seniler Cop oder die übereifrige und auf Festnahmen fixierte Kollegin, die ihren fettleibigen Kollegen aufs Schärfste belästigt, sind. Oder, ob es sich um einen drogensüchtigen Drogenhund handelt - hier möchte man nicht auf die Polizei als Freund und Helfer setzen. Dazu kommt auch noch, dass bei einem Fall um einen in der Öffentlichkeit verlassenen Gegenstand ein Obdachloser als Bauernopfer gewählt wird, der herausfindet, dass in besagter Tasche „nur" Meth statt die übliche Bombe drin ist.

Also gilt es herauszufinden, wo die Droge herkommt, die alle Hundekollegen vom Drogenhund umbringt und die Drogenmacher und -dealer aus dem Verkehr zieht. Schnell kommt heraus, dass dahinter Terry Two Toes steckt, der auch eine merkwürdige Musicalnummer zu seinem Produkt abliefern darf und das Meth mit Schokolade versetzt, weswegen alle Hunde draufgehen. Das soll nicht der einzige Twist sein, denn er tarnt sich auch noch frech einfach als eine andere Person, unter dem nicht ganz so wachen Auge dieser Einheit.

Grenzwertiger Humor

Szenenfoto aus Paradise PD
Szenenfoto aus Paradise PD - © Netflix

Der erste Eindruck kann oft entscheidend sein und die ersten fünf Minuten von Paradise, P.D. haben bei mir so oft daneben geschossen, dass jegliche Unvoreingenommenheit dem Auftakt gegenüber sich schnell in Luft aufgelöst hat. Zwar teilen die Macher in viele Richtungen aus, aber dieser brachiale Humor ganz tief unter der Gürtellinie, der irgendwo zwischen Schimpfwort-Extravaganza, Tabubruch des Tabubruchs wegen und eben noch mal gerade wegen der völligen Freiheiten durch Netflix angeboten wird, kommt bei mir gar nicht gut an. Ohne Frage: Eine Serie wie Big Mouth bricht auch mit einigen Tabus und nimmt sich der schwierigen Pubertätszeit an, aber hat dennoch einen Grundcharme, der sich mir bei Paradise, P.D. nicht erschließen will. Allerdings: Schon das Wenige, was ich damals von Brickleberry, der Vorgängerserie der Macher gesehen hatte, war so gar nicht mein Fall - weder von der Animation her noch vom Humor.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Polizeirassismus und unnötige Gewalt, eine Hunde-Drogenorgie (hier habe ich immerhin etwas geschmunzelt), ein langer Strang um die Freundschaft zwischen einem Obdachlosen als Mentor und einem anderen Beamten und lauter Jokes auf Kosten des übergewichtigen Cops treffen so gar nicht ins Schwarze. Etwas Selbstbeherrschung ist manchmal Gold wert, statt alles explizit zu zeigen, nur, weil es niemand untersagt. Mein Eindruck ist, dass die Macher einfach gerne über die Stränge schlagen und ihnen dabei egal ist, ob man einen Großteil der Zuschauer sofort verliert, solange immerhin ein paar es zum Beispiel witzig finden, wenn sich ein Paar im Restaurant übergibt und dann trotzdem mit dem Heiratsantrag und dem Kuss weitermacht, was man so in der Pilotepisode zu sehen bekommt.

Die Polizei als Institution hat in den USA gerade ohnehin nicht den besten Ruf, diese Serie hilft da sicherlich nicht weiter. Ich bleibe da lieber bei Copcomedys wie Brooklyn Nine-Nine, Angie Tribeca oder NTSF:SD:SUV:: sowie dem Klassiker „Police Academy“, die die Berufsgruppe in meinen Augen weitaus besser durch den Kakao ziehen.

Der Sprechercast im englischen Original ist dabei gar nicht so schlecht. Sarah Chalke (Scrubs, Rick and Morty) sticht dabei durch ihre markante Stimme positiv hervor und natürlich auch die Spongebob-Stimme Tom Kenny ist routiniert dabei. Aber auch der Rest gibt sein Bestes. Daran liegt es also nicht.

Fazit

Ich bezweifle stark, dass ich die Serie Paradise, P.D. weiterverfolgen werde, denn die gesamte Aufmachung der Serie spricht mich nur sehr wenig an und da bleibe ich lieber bei den oben genannten Serien. Fans von Ekelhumor, Tabubrüchen, Grenzüberschreitungen und idiotischen Sprüchen könnten aber ihre helle Freude daran haben. Mal sehen, ob viele Leute einschalten und reinschauen oder ob Netflix das Revier nach kurzer Zeit wieder dichtmachen wird. In diesem Fall fände ich das nicht schade.

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