Para - Wir sind King: Review der Pilotepisode der TNT-Serie

© erienposter zur Serie Para - Wir sind King (c) TNT Serie
Hanno Hackfort als erster Autor und Özgür Yildirim auf dem Regiestuhl - das kreative Team hinter der Serie 4 Blocks bringt eine neue Produktion von den Straßen Berlins auf die kleine Mattscheibe. Das TNT Serie-Drama Para - Wir sind King erzählt die Geschichte von vier Freundinnen, die sich auf der düsteren Seite der Hauptstadt herumtreiben und versuchen, es auf die Sonnenseite zu schaffen. Unterhält diese Geschichte zum Thema Coming-of-Age genug für eine ganze Serie?
Wovon handelt die Serie Para - Wir sind King?
Hajra (Soma Pysall) kehrt nach sechs Monaten Erziehungsmaßnahme in die Großstadt zurück und ihr erster Gang gilt nicht ihren Eltern, sondern natürlich ihren drei besten Freundinnen Fanta (Jobel Mokonzi), Rasaq (Roxana Samadi) und Jazz (Jeanne Goursaud). Gemeinsam ziehen sie durch die Straßen der Stadt, selbstbewusst, laut und ohne Entschuldigung.
Schnell erfahren wir, dass die vier aus unterschiedlichen, wenn auch aus ähnlichen, Verhältnissen kommen.
Hajras libanesischer Vater ist krank und ihre deutsche Mutter versucht mit Mühe und Not, die Familie über die Runden zu bringen. Doch Hajra fühlt sich eingeengt und möchte daher der Kontrolle entfliehen. Ein engeres Verhältnis hat Fanta zu ihrer Mutter. Sie ist aus Ghana nach Deutschland gekommen, wo sie und ihr Bruder Sunday geboren wurden. Ihre Mutter versucht, als Verkäuferin in einem Afroshop über die Runden zu kommen, bei dem Fanta selbst viel aushilft. Diese steht kurz vor dem Abitur. Doch statt zu lernen, muss sie ihrer Mutter helfen, den Alltag zu meistern. Jazz hat schon eine eigene Wohnung. Ihre Eltern sind durch naive Entscheidungen in die Privatinsolvenz getrieben worden, doch Jazz träumt von Gucci-Kleidern. Ihre Jobs findet sie in der Gastwirtschaft, als Tänzerin und Bardame. Sie hat eine starke Wirkung auf Männer, auch auf ihren neuen Chef Matthias. Die letzte im Bunde ist Rasaq, die nach Hajras Verurteilung mit den Drogen abgeschlossen hat, aber weiterhin mit den Mädels um die Häuser zieht. Sie arbeitet in der Zahnarztpraxis und steht kurz vor einer arrangierten Ehe mit Hatam, was sie ziemlich aufregend und vielversprechend findet. Ihre Familie ist religiös, aber auch aufgeklärt und liberal.
In der Pilotepisode begleiten wir die vier zunächst durch eine wilde Nacht, in der sie eine reiche Influencerin kennenlernen und mit ihr aus dem Club auf eine schicke Party ziehen. Am nächsten Morgen geht der Alltag weiter. Fanta sortiert die Rechnungen danach, welche man noch ein paar Tage verschieben kann, Jazz hat ein Bewerbungsgespräch in einem neuen Club und Hajra streitet sich nach fünf Minuten zu Hause so sehr mit ihrer Mutter, dass sie bei Jazz unterkriecht.
Nachmittags treffen die vier sich wieder, in einer Ruine, in der sie die Nachmittage verbringen. Dort stellt sich heraus, dass Hajra am Abend zuvor eine Tüte voller Drogen im Wert von 10.000 Euro aus der zertrümmerten Wohnung des Dealers Calle mitgenommen hat. Die will sie nun verticken, um endlich an Geld zu kommen, sie will Para machen. Nach kurzer Überzeugungsarbeit sind Jazz und Fanta von dem Plan überzeugt, nur Rasaq hält sich heraus.
Die gestohlenen Drogen werden für die Mädchen jedoch schnell zum Problem, denn Calle will sie zurück und glaubt zudem, dass sie noch weitere Drogen mitgehen lassen haben. Er schuldet nun einer furchteinflößenden Mob-Chefin 50.000 Euro und die fordert er von den vier Freundinnen ein. Woher sie die bekommen sollen, ist deren Problem...
Wie kommt es rüber?
Das Geld beziehungsweise das fehlende Geld treibt die Story voran und ist auch Anlass für viele Momente an Spannung, Action und großen Reden. Doch es ist auch oft der Faktor, der die Geschichte etwas zu weit treibt. Denn interessanter ist der Blick in den Alltag und in die Charaktere der vier Freundinnen. Als Aspekt der Geschichte sind die gestohlenen Drogen trotzdem hilfreich. Sie verbinden die Gang zum ersten Mal eng mit dem organisierten Verbrechen und heben sie auf eine neue Stufe. Für die drei sind sie als Erstes der Weg auf die Sonnenseite, der einzige Weg, der sich ihnen in die Richtung bietet. Unterdessen steht Fanta kurz vor dem Abitur, Hajra findet in der zweiten Episode einen Ausbildungsplatz als Installateurin, Jazz hat gerade einen neuen Job gefunden... Doch Hoffnungen sind den dreien schon früh ausgetrieben worden, eine Veränderung zum Besseren halten sie für ausgeschlossen, außer sie nehmen das Schicksal in die eigenen Hände und gehen einen Weg abseits der Gesellschaft, die ihnen stets Steine in den Weg legt.
Wenn sie laut sind, dann merkt man besonders, wie jung die vier Hauptcharaktere eigentlich sind. Der Verlust der Hoffnung, die Verzweiflung der Eltern und das Leben auf der Straße haben ihnen beigebracht, dass es überlebenswichtig ist, hart zu sein, hart zu klingen, selbstbewusst aufzutreten. Doch, wenn sie schreiend durch die Gegend ziehen, dann hört man die Jugendlichkeit in ihren Stimmen. Immer wieder nutzen die Serienmacher Gelegenheiten, um uns diese Diskrepanz mit Fingerspitzengefühl aufzuzeigen. Das ist besonders bezaubernd aufgrund des Perspektivwechsels der Geschlechter. Die Macher von 4 Blocks stellen in dieser Produktion vier Frauen in den Mittelpunkt, die vom Gebaren her in jeder männlich besetzten Gangsterrunde bestehen könnten. Feminine Klischees lehnen die vier instinktiv ab. Zum Beispiel ist es Jazz' Art, sich in sexueller Hinsicht zu nehmen, was sie möchte - somit gerät sie in keiner Sekunde (in den ersten drei zur Verfügung gestellten Episoden zumindest) in Gefahr, als leicht abgestempelt zu werden. Sie behandelt die Macht, die sie über Männer hat, wie ansonsten typischerweise reiche Männer die Macht über ökonomisch abhängige Frauen nutzen. Hajra ist so körperlich, dass man sich fast ein bisschen daran gewöhnen muss und sich schnell bei eigenen Vorurteilen ertappen kann, dass ein so zierliches Mädchen nur schwer mit dieser körperlichen Art von Aggressionen in Einklang zu bringen ist...
Leider versuchen die Autoren der Serie am Rande dann doch, Liebesgeschichten einzuflechten, was ihnen manchmal etwas zu entgleiten scheint. Als Hajra auf ihren mit Inbrunst gehassten Ex trifft, endet ein Schreiduell auf offener Straße damit, dass er die von ihm eilende Hajra an der Schulter zurück zu sich und in einen leidenschaftlichen Kuss zieht. Ob dieser Erzählstrang einem größeren Gut dienen soll, müssen weitere Episoden zeigen. Für den Moment wirkt es überflüssig und ungebeten.
Das größte Plus und das Fundament für die Authentizität der gesamten Serie sind jedoch die vier Hauptdarstellerinnen, von denen sich besonders Soma Pysall und Jeanne Goursaud hervortun. Das liegt auch daran, dass an ihren Figuren am meisten Fleisch ist, denn großartig sind alle vier.
Para - Wir sind King: Teaser zur Serie
Hier abschließend noch der Teaser zur heute neu angelaufenen Serie Para - Wir sind King auf TNT Serie: