Pandora 1x01

Pandora 1x01

The CW schickt auch diesem Sommer eine Serie zum auffüllen ins Rennen, die mit sehr überschaubaren Budget produziert wurde. Hat der Sender mit Pandora eine Serienbüchse geöffnet, die lieber hätte geschlossen bleiben sollen?

Priscilla Quintana in „Pandora“ (c) The CW
Priscilla Quintana in „Pandora“ (c) The CW
© riscilla Quintana in „Pandora“ (c) The CW

In einer fernen Zukunft muss Jax (Priscilla Quintana) mit ansehen, wie die Forschungskolonie ihrer Eltern ausgelöscht wird. Daraufhin landet sie in der Obhut ihres Onkels (Noah Huntley), ein Collegeprofessor an der Universität, an der sie nach dem Vorfall zu studieren beginnt. Während sie dort schnell Freunde findet, versucht sie gleichzeitig, die Wahrheit über den Tod ihrer Eltern herauszufinden, als sie ahnt, dass ihr Onkel ihr nicht die ganze Wahrheit erzählt.

Was geschieht im Auftakt von Pandora?

Nachdem ihr erster Tag aufgrund einer Standpauke durch einen ihrer Professoren, nachdem sie zu spät in dessen Vorlesung auftaucht, schlecht beginnt, wendet sich das Blatt für Jax, denn sie lernt schnell eine bunt gemischte Studiengruppe kennen, mit deren Mitglieder sie zügig Freundschaft schließt. Doch als ihr Onkel im Zuge eines Empfangs abermals betont, dass er keine Neuigkeiten über die Umstände des Todes ihrer Eltern zu vermelden hat und die Ermittlungen sogar eingestellt wurden, beschließt sie selbst das Blatt in die Hand zu nehmen, aktiv einzugreifen und der Sache persönlich auf den Grund zu gehen.

Durch tatkräftige Unterstützung ihrer Mitstudenten kapert sie ein Raumschiff, um den Planeten zu besuchen, auf dem die Wahrheit begraben liegt. Dort stößt sie auf eine Art Ausgrabungsstätte, an der ihre Eltern gearbeitet haben, wo sie auch Xander Duvall (Oliver Dench) wieder trifft, der sich nicht wie angegeben als Assistent ihres Onkels entpuppt, sondern Teil einer geheimen Organisation zu sein scheint, die sie mit den Phänomenen beschäftigt, welche ihre Eltern studierten. Offenbar scheint Jax selbst mehr damit in Verbindung zu sehen, als sie selbst ahnt, denn schnell gelingen ihr Dinge, die zu einem Durchbruch führen.

Nachdem sie ein mysteriöses Portal öffnet, dessen Inneres mehr Rätsel als Antworten liefert, stellt sie gemeinsam mit Duvall fest, dass bei ihrer Rückkehr ein Feuergefecht ausgebrochen ist, und sie von einer getarnten außerirdischen Rasse angegriffen werden, die sie schließlich zurückschlagen. Mit mehr Fragen als Antworten kehrt Jax an die Akademie zurück, während sowohl Duvall als auch ihr Freund Ralen sich mit ihren jeweiligen Vorgesetzten beraten und Pläne in die Wege leiten, von denen sie nichts ahnt, auch wenn sie darin höchstwahrscheinlich eine Schlüsselrolle einnehmen dürfte.

Die Sommerserien von The CW scheinen eine neue Tradition als Filler mit minimalem Budget beginnen zu wollen, denn nachdem wir letztes Jahr schon mit The Outpost beglückt wurden, folgt nun mit Pandora eine ähnlich klein gehaltene Produktion, die in Bulgarien gedreht wurde und einen mit einem Cast aufwartet, der nur sehr geringe Schauspielerfahrung unter sich aufteilt. Das alleine muss natürlich nichts bedeuten, denn dass man auch mit geringen finanziellen Mitteln gute Unterhaltung abliefern kann, haben jüngst Sci-Fi-Genrekollegen wie Dark Matter oder Killjoys bewiesen. Man muss nur an mancher Stelle eben mehr auf die inneren Werte schauen.

Pandora kann sich allerdings nicht mit in diese Sparte einreihen, auch wenn Showrunner Mark A. Altman die Serie recht vollmundig als „Weltraumabenteuer und College-Drama mit Verschwörungen im Ausmaß von Serien wie X-Files und Game of Thrones“ beschrieb - eine Liga, von der man mehr als ein kleines Bisschen entfernt ist. Strebt man zunächst technisch den Vergleich mit „The Outpost“ an, darf man behaupten, dass die Sets ein wenig besser als beim Fantasy-Kollegen aussehen, die nicht ganz so wirken, als würden sie umfallen, wenn man sie nur schief genug anschaut oder zu stark hustet. Diese Messlatte ist allerdings natürlich schon ziemlich weit unten und die unterschiedlichen Effekte schwanken qualitativ deutlich: Während Städte oder Weltraumszenen in ihren kurzen Bildschirmsekunden noch einigermaßen in Ordnung aussahen, waren etwa die Effekte der getarnten „Xenomorph-Predatoren-Aliens“ ziemlich unterirdisch und der Sprung von kargen Felsformationen, die ein paar Meter weiter auf einmal stellenweise grün blühen, wirkten so, als ob man willkürlich Dekoration in das Set geworfen hätte. Die Serie tut sich ganz grundsätzlich mit seinen geringen Mitteln einfach schwer, das Jahr 2199 glaubwürdig darzustellen.

Doch das alles ist ja verschmerzbar, wenn die inneren Werte stimmen würden, denn als Sci-Fi-Fan saugt man aufgrund der spärlichen Ernte gerne alles auf, was zumindest in diesem Department punkten kann. Aber auch hier schwächelt Pandora leider. Angefangen beim merkwürdig schnellem Pacing, denn es dauert kaum 15 Minuten, bis Protagonistin Jax (Priscilla Quintana) neue Freunde an der Akademie kennen lernt, die in einem recht plumpen Expositionsdump mit allen relevanten Hintergrundinfos direkt vorgestellt werden und die unmittelbar zu ihren besten Kameraden werden und sofort bereit sind, ihre Karriere an der Akademie aufs Spiel zu setzen, um ihr zu helfen. Dementsprechend wäre es einem auch ziemlich egal gewesen, wenn von denen jemand im Blastergefecht des letzten Kapitels vaporisiert worden wären. Das gilt ärgerlicherweise vor allem auch für Hauptfigur Jax, die ehrlich gesagt ziemlich unsympathisch wirkt, was ganz sicher so nicht wirklich gewollt ist.

An einigen Stellen wirkt das Schauspiel angefangen bei Hauptdarstellerin Priscilla Quintana äußerst hölzern, was aber eben auch den Dialogen beziehungsweise dem angesprochenen Pacing geschuldet ist, dass keine Zeit zulässt, den Charakteren Persönlichkeiten einzuhauchen und diese ihre Eigenschaften und Mantras stattdessen lieber einfach aufsagen lässt. Hätte die Figur Ross (Martin Bobb-Semple) beispielsweise nicht betont, er wäre Kampfpilot und Telepath, hätte ich ihm spontan kein charakteristisches Adjektiv zuweisen können, da man lieber das „Show, don't tell“-Prinzip auf den Kopf stellt. Immerhin hat er seine telepathische Fähigkeit, indem er gespürt und zur Sprache gebracht hat, dass sein Gegenüber Lust auf Chips bekam, schon sinnvoller angewendet als so mancher Schiffscounselor in der gesamten Karriere. Ich weiß selbst, dass es ein wenig gemein ist, auf einer kleinen Produktion mit solch einer Angriffsfläche herumzuhacken, doch letztendlich muss man so gut es geht eine klare Empfehlung aussprechen, oder eben davon abraten. Auf der positiven Seite bemüht man sich in Sachen Worldbuilding und darin, Mysterien zu schaffen, damit die Zuschauer dran bleiben, doch ob man genug in der Hinterhand hat, um beispielsweise mehr als nur das nicht gerade neu erfundene Alien-Rassismus-Thema anzuschneiden, kann sich erst nach ein paar mehr Episoden zeigen. Dafür müssen die Zuschauer aber erst einmal solange dran bleiben wollen.

Fazit

Eine Empfehlung für Pandora aussprechen, kann man höchstens denjenigen, die mit dezentem Genretrash wie The Outpost etwas anfangen können, denn qualitativ bekommt man hier nur geringfügig mehr geboten. Das knappe Budget kann leider nicht wirklich an anderen Stellen kompensiert werden. Im Gegenteil: Unerfahrene Schauspieler und damit verbunden holprige Darbietungen und ein wenig inspiriertes Drehbuch liefern selbst unter dem mildernden Aspekt eine Sommerserie zu gucken nur wenig Gründe, seine Zeit damit zu verbringen in eine Büchse zu schauen, die The CW besser hätte im Keller verstauben lassen sollen.

Der Serientrailer:

Verfasser: Tim Krüger am Mittwoch, 17. Juli 2019

Pandora 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Pandora 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Das Nichtgesagte
Titel der Episode im Original
Shelter From The Storm
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 16. Juli 2019 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 18. Februar 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Dienstag, 18. Februar 2020
Autoren
Mark A. Altman, Steven Kriozere
Regisseur
Steve Hughes

Schauspieler in der Episode Pandora 1x01

Darsteller
Rolle
Priscilla Quintana
Jax
Oliver Dench
Raechelle Banno
Ben Radcliffe
Banita Sandhu
Martin Bobb-Semple

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