
In den Niederlanden produziert Column Film gerade das erste westeuropäische Remake einer türkischen Serie, aus dem Original Son wird „Vlucht HS13“. Im Mai kaufte die Club der roten Bänder-Produktionsfirma Bantry Bay die Rechte an einem Remake der Dramaserie Fatmagül'ün Suçu Ne? über eine junge Frau, die sich nach einer Vergewaltigung ihr Leben neu aufbauen muss. Nach Osteuropa, Südamerika und dem Nahen Osten wird nun auch Westeuropa auf en großen türkischen Serienmarkt aufmerksam. Wir beschäftigen uns heute mit einer aktuellen Serie, die in der Türkei auf Show TV läuft, Oyunbozan, die international als „Black Heart“ vertrieben wird.
Worum es geht
Die junge Journalistin Selin stürzt vom Gebäude eines Medienkonzerns nachdem sie versucht hat, den Mogul für seine düsteren Machenschaften, zu denen auch Organhandel gehören soll, ans Messer zu liefern. Vier Jahre vergehen, doch die Ereignisse sind nicht vergessen, zumindest nicht für Selins Bruder Emre (Baris Kilic) und ihren Verlobten Demir (Orcun Iynemli). Die beiden erfolgreichen Mediziner warten auf eine geeignete Gelegenheit, sich an der einflussreichen Familie Yamaner zu rächen. Denn der ist nicht so einfach beizukommen. Mit einem Schrank voller Erpressungsmaterial hat Patriarch Feyyaz (Kenan Bal) sich und die Seinen quasi unangreifbar gemacht. Nicht einmal der Krebs kann ihn besiegen, denn über undurchsichtige Wege lässt er sich benötigte Körperteile aus Afrika liefern. Das Tagesgeschäft hat er trotzdem seit längerem an seinen Sohn Mahir (Serhat Tutumluer) abgegeben.
Der ist kaum weniger machthungrig als sein Vater und hat auch Selins Tod zu verantworten. Das macht ihn zur Zielscheibe der Rache. Als Emre mitbekommt, dass Mahir und dessen Frau Mine (Gülcin Santircioglu) eine private Therapeutin für ihre Tochter Eylül (Ilayda Akdogan) suchen, schafft er es, die junge Ece (Tuvana Türkay) als Anwärterin auf den Posten ins Rennen zu schicken.
Die hat ihre Eltern früh verloren und lebt mit ihrer kleinen Schwester bei der herzlichen Tante und dem wenig begeisterten Onkel. Die 12 Jahre alte Ada (Gülse Göcer) wird mit Krebs im Endstadium diagnostiziert, Emre holt sie in sein Krankenhaus und macht einen Deal mit Ece: Er wagt sich an die komplizierte Operation, die ihrer Schwester das Leben retten kann und sie geht als Therapeutin in die Villa Yamaner und versucht ihm Informationen zu beschaffen, mit denen er seine Schwester rächen kann.
Auch die Leben des Medizinprofessors Selahattin (Kubilay Karslioglu), der Hausangestellten und des Kfz-Mechanikers Kaan (Serhat Paril) werden mit in diesen Strudel aus gefährlichen Plänen gezogen.
Wie kommt es rüber?
Wer befürchtet, dass er bei türkischen Serien auf die hohe Produktionsqualität verzichten muss, die er aus Hollywood gewöhnt ist, der sollte sein Weltbild schnell updaten. Der türkische Serienmarkt hat sich zu einem der weltweit größten entwickelt. In eine Stunde Primetime-Serie fließen in Istanbul mittlerweile durchschnittlich mehr als 100.000 Dollar und das sieht man dem Resultat auch an. Oyunbozan kann optisch mit US-Produktionen mithalten und hat darüber hinaus interessantere Stadtbilder zu bieten als stets New York oder Los Angeles.
Das Konstrukt der Geschichte ist weit verzweigt, aber nicht zu verzwickt. Nachdem wir in den ersten Minuten unsere erste Bezugsperson Selin verlieren, bleiben wir bei Ece, von der wir schnell mitbekommen, dass sie nicht so naiv ist wie die anderen gerne glauben würden. Wir zweifeln nicht daran, dass sie ihre Schwester retten wird, koste es was es wolle. Dafür lässt sie sich auch in ein düsteres Spiel um Macht und Rache einspannen, dass sie selbst und anderen schnell das Leben kosten kann. Doch wir wissen, dass sie auf der richtigen Seite steht.
Noch vor dem Ende der zweistündigen Pilotepisode müssen wir uns fragen, ob der zu diesem Zeitpunkt bereits zweifache Mörder Mahir nicht in gewisser Hinsicht dasselbe tut. Er hat, was Ece nicht hat: Geld, Macht und Verbindungen. Die nutzt er, um auf dem Schwarzmarkt Organezu beschaffen, die es seinem Vater ermöglichen, 15 Jahre mit Krebs zu leben, eine Tatsache, die selbst den Medizinprofessor erstaunt, der gezwungenermaßen jeden Morgen in der Villa vorbeischaut.
Auch die Motivation der anderen Figuren ist vielfach aus Liebe zur Familie motiviert, so will Emre seine Schwester rächen, Ece die ihre retten. In der Serie, die international als „Black Heart“ vertrieben wird und die seit April in der Türkei über die Bildschirm geht, verbinden sich Drama- und Thrillerelemente mit Familienbewusstsein und Romantik. Denn die darf natürlich auch nicht fehlen, auch wenn Liebe in dem luxuriösen Istanbul der Yamaners seltsame Formen annehmen kann.
Fazit
Die Serie „Black Heart“ alias Oyunbozan zeigt, dass türkische Produktionen sich neben US-Thrillern nicht verstecken müssen. Hohe Produktionsqualität, charismatischer Cast und eine Geschichte, die zum Mitfiebern einlädt und uns nebenbei in einen anderen Teil der Welt mitnimmt.
Hier findet Ihr einen Trailer zur Serie 'Black Heart' mit englischen Untertiteln.