Our Kind of People: Reparations - Review der Pilotepisode

Our Kind of People: Reparations - Review der Pilotepisode

Der Empire-Schöpfer Lee Daniels präsentiert bei FOX die Primetime-Seifenoper Our Kind of People, die auf einer einzigartigen Insel spielt. Hier residiert nämlich seit vielen Jahrzehnten ein elitärer Zirkel von People of Color.

Yaya DaCosta in einem Szenenfoto aus der Serie Our Kind of People (c) FOX
Yaya DaCosta in einem Szenenfoto aus der Serie Our Kind of People (c) FOX
© aya DaCosta in einem Szenenfoto aus der Serie Our Kind of People (c) FOX

Empire ist zu Ende, doch Lee Daniels hat mit Our Kind of People diesen Herbst bei FOX schon ein neues Format in den Startlöchern. Die soapige Dramaserie, die der Produzent zusammen mit seiner Star-Kollegin Karin Gist entwickelt hat, basiert auf einer gleichnamigen Buchvorlage des Bestseller-Autors Lawrence Otis Graham, der Anfang dieses Jahres leider verstarb. In dem Werk wird von einer kleinen Schwarzen Elite-Gesellschaft erzÀhlt, die seit mehreren Jahrzehnten in Oak Bluffs auf der Insel Martha's Vineyard im US-Bundesstaat Massachusetts prosperiert.

FĂŒr die Hauptrolle wurde Yaya DaCosta angeheuert, die dafĂŒr freiwillig ihre komfortable Festanstellung bei der momentan durchaus sicheren Serienbank Chicago PD verzichtete. Auch Morris Chestnut (Rosewood, The Enemy Within), Nadine Ellis (Shameless) sowie die EmmypreistrĂ€ger Joe Morton (Scandal, Eureka) und Debbi Morgan (Power, „All My Children“) sind im Cast. Die Regie der Pilotepisode namens Reparations hat man der Empire-Alumna Tasha Smith ĂŒberlassen.

Hierzulande wird die Serie ĂŒbrigens im Star-Segment von Disney+ erscheinen. Der Starttermin bleibt abzuwarten.

Worum geht's?

Die Protagonistin der fiktiven, wenn auch von realen Ereignissen inspirierten Geschichte heißt Angela Vaughn (DaCosta). Sie kommt als Außenseiterin nach Oak Bluffs, um nach dem Tod ihrer Mutter das RĂ€tsel aufzulösen, wer ihr Vater ist. Außerdem will sie den Lebenstraum ihrer Mutter erfĂŒllen und einen eigenen Haarsalon auf der elitĂ€ren Insel eröffnen. Angelas Tochter Nikki (Alana Bright) ist ebenfalls mit umgezogen - genauso wie ihre Tante Piggy (Morgan).

Mit offenen Armen werden die Neuankömmlinge nicht empfangen. Vor allem in Leah Franklin-Dupont (Ellis) findet Angela rasch eine Widersacherin. Dummerweise braucht sie die Gunst der Salonlöwin, um ihren eigenen Salon zum Erfolg zu fĂŒhren. Denn Leah ist die Chefin der Gracities-Gemeinschaft, ohne die man auf der Insel kaum klarkommt als GeschĂ€ftsfrau. Leah ist die Tochter des mĂ€chtigen Unternehmers Teddy Franklin (Morton), der ihr aber keine Hoffnungen macht, den Thron zu erben. Daher plant sie bereits den Putsch - Succession (oder eigentlich eher Shakespeare) lĂ€sst grĂŒĂŸen!

FOX
FOX - © FOX

Chestnut spielt in der Serie einen gewissen Raymond Dupont, den Ehemann von Leah, der ebenfalls einer mÀchtigen Dynastie entstammt. Umso stÀrker ist das power couple, wenn sie zusammenstehen - und das setzt auch ihre beiden Kinder Quincy (Kyle Bary) und Lauren (Rhyon Nicole Brown) unter Druck. Wobei Letztgenannte ganz nach ihrer Mutter kommt und parallel Angelas Tochter Nikki das Leben schwer zu machen beginnt. Nicht ganz grundlos, denn ein Geheimnis rund um die neuen Inselbewohner könnte die gesamte soziale Hierarchie in Oak Bluffs auf den Kopf stellen...

Wie ist es?

ZunĂ€chst einmal ist der Pilot von Our Kind of People extrem plot heavy, wie man im Englischen sagt. Soll heißen: In den knapp vierzig Minuten Laufzeit wird einem als Zuschauer schon so viel Handlung reingestopft, dass es einem fast wieder hochkommt. Schade ist dabei vor allem, wie unelegant die Exposition serviert wird. Ein schlechtes Drehbuch erkennt man vor allem daran, dass bei jeder Dialogzeile durchklingt, dass sie einzig der Vermittlung einer fĂŒr die Story oder Charakterisierung relevanten Information dient. Dabei sagen die Figuren hĂ€ufig SĂ€tze, die sehr unnatĂŒrlich klingen. UngefĂ€hr so: „Du weißt, wir sind hierhergezogen, weil deine Mutter tot ist und du ihr Haus geerbt hast.

Ich wĂŒrde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass im neuen FOX-Drama von Empire-Macher Lee Daniels allgemein zu viel gesprochen wird. Man kommt kaum hinterher, zumal den Großteil der Wortwechsel aus Drohungen und Intrigen besteht, die man noch gar nicht versteht, weil man die Charaktere ja erst kennenlernt. Noch mehr neben der Spur fĂŒhlt man sich, als Yaya DaCosta bereits nach wenigen Minuten in TrĂ€nen ausbricht. Der vermeintliche emotionale Höhepunkt der Episode wird also gleich zu Beginn platziert, wo er vollkommen verebbt und wirkungslos bleibt.

Die generelle Grundidee der Serie finde ich sehr spannend. Die Vorstellung, dass es fernab vom Festland der Vereinigten Staaten eine Insel gibt, auf der People of Color seit jeher reich und frei sein konnten, ist faszinierend. Dieser historische Kern hĂ€tte gern noch stĂ€rker betont werden können, statt sich so sehr auf die typischen Streitigkeiten einer Seifenoper einzulassen. Nicht zufĂ€llig ist der mit Abstand beste Moment der gesamten Auftaktepisode der Monolog von Joe Morton, in dem der Patriarch die eigene Familiengeschichte bis in die Zeit der Sklaverei zurĂŒck nachzeichnet.

Da sagt er so was wie: „Ich bin ein schwarzer Mann in Amerika, der den amerikanischen Traum in meinen schwarzen HĂ€nden hĂ€lt... Also sag mir nicht, dass dir der Dreck unter meinen FingernĂ€geln nicht gefĂ€llt.“ Dann weist er seine aufsĂ€ssige Tochter zurecht: „Du kannst deinen Platz am Fußende dieses Tisches behalten. Vergiss nur nie, wer an der Kopfende sitzt, kleines MĂ€dchen.“ So sieht die Serie also in Bestform aus - und dann kann sich Our Kind of People durchaus sehen lassen...

Hier abschließend noch der Trailer zur FOX-Serie Our Kind of People:

Hier kannst Du „Empire - Staffel 1 (Blu-ray)“ bei Amazon.de kaufen

Empire - Staffel 1 (Blu-ray)

Diese Serie passen auch zu «Our Kind of People»