Our Cartoon President 1x01

© onald Trump und sein Schreckenskabinett in „Our Cartoon President“. (c) Showtime
Das erste Jahr der Ära Trump haben die Vereinigten Staaten und der Rest der Welt gerade so überstanden (auch wenn es kurz vor Weihnachten durch die Spannungen mit Nordkorea noch einmal richtig spannend wurde). Nur dummerweise stehen uns noch mindestens drei weitere bevor - und vielleicht sogar sieben. Mit diesen belastenden Zukunftsaussichten geht natürlich jeder anders um und eine der beliebtesten Bewältigungsstrategien liegt wie üblich im Humor. So versucht nun auch der amerikanische Late-Night-Star Stephen Colbert mit seiner neuen Showtime-Komödie Our Cartoon President dem Wahnsinn etwas Witziges abzugewinnen. Und obwohl Donald Trump das wohl leichteste Ziel der Welt sein dürfte, gelingt es ihm und seinem Team irgendwie, es zu verfehlen - und zwar bigly!
Ursprünglich begann das Ganze als kleines Segment im Rahmen von Colberts „The Late Show“. Da man den echten Trump irgendwann nicht mehr in die Sendung locken konnte, griff man stattdessen auf einen animierten Doppelgänger zurück. Und so einfallsreich die Idee anfangs auch gewesen sein mag, zeichneten sich schnell erste Ermüdungserscheinungen ab. Die Nachricht, dass mit dem Konzept nun sogar eine ganze Serie bestritten werden sollte, stieß also verständlicherweise auf große Zweifel. Und wie sich nun zeigt, auch völlig zu Recht.
Fake News
Die größten Bedenken bei einem Projekt wie diesem liegen meist darin, dass die Figur durch die Serie zu sehr vermenschlicht werden könnte. Colberts Cartoon-Präsident widmet sich dieser Kritik gleich in der ersten Szene und erklärt, dass das gar nicht ginge, da er ja ohnehin ein echter Mensch sei. Doch so leicht sollte das Thema nicht erledigt sein: Nur, weil man ein Problem selbst erkennt, bedeutet das nicht, dass man aus dem Schneider ist. Tatsächlich macht es das sogar noch schlimmer, da das Risiko offenbar bewusst eingegangen wird.
Dass Colbert und Co Trump als „Idioten“ darstellen würden, war zu erwarten - immerhin tut Trump ja auch sein Bestes, genau diesen Eindruck zu erwecken. Doch, dass man sich scheinbar dazu entschlossen hat, ihn als „liebenswürdigen Idioten“ à la Homer Simpson oder Peter Griffin darzustellen, überrascht schon ein wenig. Zwar werden rasch Trumps egomanische Facetten deutlich, doch am Ende darf er sich trotzdem als fürsorglicher Ehemann und Vater präsentieren. Gut möglich, dass Trump das auch im echten Leben ist, doch bei einer politischen Satire sollte das nicht der Punkt sein.

Wie fühlt sich ein mexikanischer Vater, wenn er durch Trumps neue Einwanderungspolitik von seiner Familie weggerissen wird und nun den Mann, der sein Leben zerstört hat, als harmlosen Cartoon-Charakter sieht? Auch zu Zeiten von George W. Bush, dem letzten großen Unsympathen im Weißen Haus, gab es viele Parodien - von den Sketchen bei „Saturday Night Live“ bis hin zur Comedy-Central-Satire „That's My Bush!“, die von den South Park-Produzenten Trey Parker und Matt Stone kreiert worden war. Doch selbst diese beiden haben inzwischen eingesehen, dass einfache Parodie keinen Sinn mehr hat - viel zu lächerlich sind die realen Ereignisse.
Und auch wenn eine gute Parodie etwas bewirken würde, so wäre da immer noch das Problem, dass Our Cartoon President einfach keine ist. Zwar treten in der Pilotepisode State of the Union (1x01), in der Trump versucht, sein Image aufzupolieren, alle bekannten Figuren des Schreckenskabinetts auf - seien es Jeff Sessions, Paul Ryan, Stephen Miller, Jared Kushner oder die Trump-Sippe selbst -, allerdings entscheiden sich die Serienmacher fast immer für den offensichtlichsten und somit faulsten Gag. Mal geht es um Äußerlichkeiten, mal um komische Sprachstile. Doch um echte Inhalte geht es praktisch nie.
Fazit
Manchmal sind die leichtesten Ziele einfach die schwersten. Warum? Weil man sich ja sowieso nicht anstrengen muss. Genau das ist das Problem bei Our Cartoon President: Stephen Colbert und Konsorten haben sich mit Donald Trump eine derart irrwitzige Hauptfigur gesucht, dass jede Pointe bereits bekannt zu sein scheint. Hinzu kommt, dass nicht alles in Verbindung mit dem Präsidenten lustig ist, denn für viele Menschen hat seine Regentschaft tatsächlich ernsthafte Konsequenzen nach sich gezogen.
Funktionieren könnte die Showtime-Komödie höchstens, wenn sie so wie die Zeichentrickserie South Park - die, wie gesagt, längst aufgegeben hat, sich über Trump lustig zu machen - wenigstens tagesaktuell wäre. Doch leider wurde die zehnteilige Auftaktstaffel im Voraus produziert, so dass das Verlangen, sich nach der ersten langweiligen Episode noch eine weitere anzusehen, verschwindend gering ist. Selbst die Stimmimitation von Jeff Bergman, der in Our Cartoon President Trump spricht, ist nicht wirklich überzeugend. Alles in allem ein total failure also.
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 12. Februar 2018(Our Cartoon President 1x01)
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?